Unabhängig von Strompreisen: So werden Sie zum Selbstversorger

Unabhängig von Strompreisen: So werden Sie zum Selbstversorger

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Carsten Fischer vor seinem Heim. Er hat viel Geld investiert, um zum Strom-Selbstversorger zu werden.

von Dieter Dürand

Die private Energiewende gewinnt an Fahrt: Kellerakkus werden billiger. Damit wird es endlich wirtschaftlich, selbst produzierten Strom komplett selbst zu verbrauchen. Was die Systeme können und kosten.

Beruflich richtet Carsten Fischer Zähne und Gebisse. Privat frönt der Kieferchirurg vor allem einer Leidenschaft: Wärme und Strom für seine 200-Quadratmeter-Villa im münsterländischen Dülmen komplett selbst zu erzeugen. Und nicht nur das. Fischer will jede Kilowattstunde (kWh) auch selbst verbrauchen, etwa mit seinen beiden Elektroautos.

Seit Kurzem weiß er: Sein großes Ziel, die totale Unabhängigkeit von den RWEs und E.Ons dieser Welt, hat er erreicht. Selbst jetzt im Winter ist er praktisch zu jeder Minute autark – dank Solaranlage, Kellerakku und einem auch Strom produzierenden Blockheizkraftwerk (BHKW). Die derzeit niedrigen Temperaturen und langen Nächte waren die Nagelprobe für seinen Gerätepark. Den Anschluss ans örtliche Stromnetz besitzt Fischer nur noch zur Sicherheit. „Ich habe nun alles in der eigenen Hand“, sagt der 46-Jährige und strahlt. „Das ist ein fantastisches Gefühl.“

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Fischers Fall zeigt: Es ist für Hausbesitzer keine Utopie mehr, ihr eigener Energieversorger zu werden. Die notwendige Technik steht in vielen Varianten bereit – und wird allmählich bezahlbar.

Laut einer aktuellen Umfrage fasziniert 86 Prozent der Deutschen die Vorstellung, sich von unkalkulierbaren Elektrizitäts-, Gas- und Heizölpreisen unabhängig zu machen. Doch bisher kosteten die Geräte so viel, dass sich die Investition kaum zurückverdienen ließ. Das ändert sich gerade.

Die besten Techniken zum Verwenden und Speichern von Solarstrom

  • Solaranlage

    Liefert bei Sonnenlicht Strom, unabhängig vom Verbrauch. Überschüssiger Strom wird bisher an Netzbetreiber verkauft.

  • Hauselektronik-Managementsystem (HEMS)

    Verteilt Sonnenstrom auf Akku, Wärmepumpe und andere Verbraucher.

  • Akku

    Speichert den tagsüber erzeugten Solarstrom für den Energiebedarf am Abend.

  • Wärmepumpe

    Nutzt Strom aus Sonnenenergie, um Wärme für Heizung oder Wasch-/Duschwasser zu erzeugen.

  • Warmwasserspeicher

    Wird von der Wärmepumpe oder direkt mit überschüssigem Solarstrom beheizt.

  • Variable Verbraucher

    Geräte wie Wasch- oder Spülmaschine werden vom HEMS aktiviert und koordiniert, sobald die Solaranlage genug Strom liefert.

  • Elektroauto

    Speichert am Tag Sonnenstrom im eigenen Akku oder wird am Abend über den Hausakku geladen.

Hausakkus werden preiswerter

Hauptgrund: Die kostspieligen Hausakkus, unverzichtbares Element der Autarkie, werden rasch preiswerter. Mit ihnen können die Käufer auf einen Schlag doppelt so viel Strom etwa aus Solarzellen selbst verbrauchen als ohne, so die Faustregel. Denn die Speicher retten den mittags reichlich vorhandenen Sonnenstrom bis in die Nachtstunden hinein. Die besonders leistungsfähigen Lithium-Ionen-Batterien haben sich vergangenes Jahr um rund neun Prozent verbilligt, die Preise für Bleiakkus purzelten sogar um fast 35 Prozent. Das ergibt eine Analyse der Bonner Marktforscher EuPD Research (siehe Grafiken).

Durch den Preisrutsch verkürzen sich die Amortisationszeiten der Hauskraftwerke erstmals auf überschaubare Zeiträume. Zu diesem Ergebnis kommen jedenfalls die Fachleute der Düsseldorfer Energieagentur NRW. Auch dass Heizöl und Erdgas zuletzt billiger geworden sind und der Strompreis stagniert, ändert daran nichts. Sollten die Energiekosten wieder steigen, was die meisten Experten erwarten, werden sich die Anlagen sogar noch schneller rechnen.

Exklusiv für die WirtschaftsWoche haben die Berater der Energieagentur ermittelt, welche Summen potenzielle Eigenversorger in ihr Hauskraftwerk investieren müssen, wie unabhängig sie mit dem jeweiligen System werden und in welchen Zeiträumen es sich rechnet.

Preise für und Absatz von Hausbatterien

Die Preise für Hausbatterien sinken, der Absatz steigt (für eine größere Ansicht bitte anklicken).

Clevere Kombinationen

Im günstigsten Fall, so zeigt sich, ist das bereits nach gerade einmal elf Jahren der Fall – bei einem Autarkiegrad von immerhin 80 Prozent. Dazu müssen Do-it-yourself-Fans eine Fotovoltaikanlage mit einer Wärmepumpe und einer Lithium-Batterie kombinieren. Was rund 34.000 Euro kostet. Und den Akku mit einem Kredit der staatlichen KfW-Bank finanzieren. Die bezuschusst jedes Kilowatt (kW) Leistung des solaren Dachkraftwerks mit 600 Euro. Bei Nachrüstung einer bestehende Anlage sind es sogar 660 Euro je kW.

Laut Energieagentur-Experte Sven Kersten ist diese Variante besonders für exzellent isolierte Gebäude mit niedrigem Heizbedarf geeignet. Den kann dann allein die Wärmepumpe decken, bevorzugt angetrieben mit dem Strom vom Dach.

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7 Kommentare zu Unabhängig von Strompreisen: So werden Sie zum Selbstversorger

  • Nur Mut! schalten sie alle dritten Versorger ab und erleben sie die Freude, völlig allein versorgt zu werden. Sie sind autark und brauchen niemanden - sie sind allein.

  • Wollte er nicht sämtliche Energie selbst verbrauchen? Wieso setzen sich die 4000.- pa. dann auch aus Erlösen für verkaufte Energie zusammen?

    Egal.

    76000 investiert bringen 4000 p.a. wovon der größte Teil subventioniert ist. D.h. für unseren Zahnarzt rechnet sich das Ganze ohne Wartung, ohne Reparatur und ohne Zinsen nach 76/4=19 Jahren. Tolle Sache! Das überzeugt doch wirklich. Nur 19 Jahre! Und das bisschen Wartung etc., da wollen wir doch nicht kleinlich sein.

    Da ist nur ein kleiner Haken. Wenn das Modell für alle gelten sollte, dann zahlt ja jeder seine Subvention letztlich selbst. D.h. die KWh bringt nicht mehr 22-27ct sondern tatsächlich nur den Erzeuger-Marktpreis das ganze Energiespar und Steuer/Gebührengedöns von vielleicht 5ct. Ups, das ist ja nur noch ein sechstel von den 4000.-. D.h. statt 19 Jahre dauert es 6x19 Jahre. Taschenrechner: 114 Jahre und das ohne Wartung und Reparatur, zinslos. Ob unser Zahnarzt wohl so alt wird?

  • Die EEG-Umlage auf Strom ist den Erzeugern erneuerbarer Energie doch für 20 Jahre fest versprochen. Wenn viele Privatbürger -die doch den Großteil der Umlage zahlen- dem Beispiel des Zahnarztes folgen und sich aus der Finanzierung der EEG-Zwangsumlage durch Eigenerzeugung verabschieden, wer bitte zahlt dann noch die EEG-Umlage? Und wer die Steuern von derzeit 15 Mrd Euro, um welche es bei dem ganzen Zirkus hier doch scheinbar nur geht?

    Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass der Staat irgendwann den selbst hergestellten Strom auch mit EEG-Umlage und Steuern belasten wird. Entsprechende Diskussionen gab es doch schon und Spanien beispielsweise hat das bereits eingeführt! Und spätestens dann (wenn nicht vorher Batterie und Wechselrichter usw. den Geist aufgegeben haben) wird die ganze Investitionsrechnung zur Makulatur....

    Und dann ärgert sich der Zahnarzt wahrscheinlich über sich selbst, dass er dem Staat geglaubt und da so einen Haufen Geld investiert hat, Schulden hat, und doch die Abgaben berappen darf...

    Auch volkswirtschaftlich gesehen, ist das ein Witz, denn wir basteln im Stromversorgungssegment an der dritten Versorgungsinfrastruktur:
    1. Infrastruktur: konventionelle Kraftwerke der Versorger und Stadtwerke
    2. Infrastruktur: erneuerbare Kraftwerke der Wind-, Solar- und Biogasindustrie
    3. Infrastruktur: der Bürger installiert sich eine eigene Anlage und hat die Kosten aus 1. und 2. zusätzlich am Bein.

    Macht das wirklcich Sinn, und wenn ja, für wen? :-)

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