BMW: Wie Harald Krüger BMW digitalisieren will

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BMW: Wie Harald Krüger BMW digitalisieren will

von Rebecca Eisert und Kerstin Dämon

Die Digitalisierung hat die Autobranche in den Umbruch getrieben. BMW-Chef Harald Krüger will einen digitalisierten Mobilitätskonzern, der mehr kann, als nur Autos zu verkaufen. Helfen soll dabei ein Ex-Google-Manager.

Das eine oder andere Highlight, das Harald Krüger demnächst vorstellen will, ließ er bereits in die Öffentlichkeit durchsickern: ein paar zusätzliche Luxuslimousinen zum Beispiel oder ein weiteres Modell eines Elektroautos. Das klingt schön und nett. Doch Krüger, seit rund zehn Monaten an der Spitze von BMW, weiß, dass er mehr bringen muss.

Nach den fünf profitreichsten Jahren der Konzerngeschichte braucht der Autobauer neue Perspektiven. Zum 100-jährigen Firmenjubiläum am Montag in der Münchner Olympiahalle ist der Blick in die Zukunft Pflicht. Nach allem, was sich hinter den Kulissen andeutet, plant Krüger für den Konzern mit gut 116.000 Mitarbeitern und 80 Milliarden Euro Umsatz einen Aufbruch, der weit über ein paar zusätzliche Luxus- und Elektroautos hinausgeht.

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Eine Woche nachdem das rauschende Fest ausgeklungen ist, wird der 50-Jährige die Strategie bis 2025 vorstellen, die eine Projektgruppe in den vergangenen 18 Monaten erarbeitet hat.

Meilensteine der BMW-Geschichte

  • 7. März 1916

    Gründung der Bayerischen Flugzeugwerke in München

  • 1922

    Umbenennung in Bayerische Motorenwerke (BMW)

  • 1923

    Bau des ersten Motorrads, der R32

  • 1928/1929

    Übernahme der Fahrzeugwerke in Eisenach und Bau des ersten BMW-Autos Dixi, mit Lizenz des englischen Autobauers Austin

  • 1932

    BMW entwickelt den 303 – mit der seither charakteristischen Niere als Kühlergrill.

  • 1944

    BMW baut Motoren für die Luftwaffe und beschäftigt rund 25.000 Zwangsarbeiter und KZ-Häftlinge. Nach Kriegsende verliert das Unternehmen das Werk Eisenach.

  • 1952

    Erstes Nachkriegsauto ist 1952 der große „Barockengel“ 501, 1955 folgt die winzige Isetta.

  • 1959

    BMW steckt tief in den roten Zahlen, die 6500 Mitarbeiter fürchten um ihre Arbeitsplätze, Daimler will BMW übernehmen. Überraschend steigt der Batteriefabrikant Herbert Quandt als Sanierer ein.

  • 1961

    Das Mittelklasse-Auto BMW 1500 bringt den Durchbruch.

  • 1970

    Eberhard von Kuenheim wird Vorstandschef. In seiner 23-jährigen Amtszeit expandiert BMW weltweit.

  • 1975

    Start der 3er-Reihe – bis heute das meistverkaufte BMW-Modell

  • 1994

    Das US-Werk Spartanburg wird eröffnet, zudem wird der englische Autohersteller Rover (Land-Rover, MG, Mini) gekauft.

  • 2000

    Nach Milliardenverlusten mit Rover zieht BMW die Reißleine, nur der Mini bleibt im Konzern. Joachim Milberg löst als Vorstandschef Bernd Pischetsrieder ab.

  • 2003

    BMW startet das erste Joint Venture in China

  • 2005

    BMW verkauft mehr Autos als der bisherige Marktführer Mercedes – auch dank des 2003 erstmals eingeführten Kompaktmodells der 1er Baureihe.

  • 2013

    Im BMW-Werk Leipzig läuft das Elektroauto i3 vom Band – mit einer modernen Kohlefaser-Karosserie.

Der Kern des Plans, der das Programm Number One von Krügers Vorgänger Norbert Reithofer ersetzt, ist nach Informationen der WirtschaftsWoche die vollständige Transformation des Autoherstellers in einen digitalisierten Mobilitätskonzern, dessen Geschäfte weit über den Verkauf von Autos hinausgehen. Krüger weiß, dass er mit dem Werbespruch „Freude am Fahren“ diejenigen, die mit Internet und Smartphone großgeworden sind, auf Dauer nicht mehr erreichen kann.

BMW hat digitalen Nachholbedarf

Das wird er nur, wenn er das Auto in einen fahrenden, voll vernetzten Computer verwandelt – bevor Apple, Google und Co. ihm dabei zuvorkommen. Und Krüger weiß, dass BMW hier Nachholbedarf hat. „Das Thema Digitalisierung geht quer durch alle Bereiche des Konzerns“, sagte er der WirtschaftsWoche. „Das muss man optimieren.“ Die Fahrt in die digitale Zukunft vorantreiben soll nach Informationen der WirtschaftsWoche Jens Monsees. Der 45-Jährige war schon einmal bei BMW, wechselte dann für sieben Jahre zum Internetgiganten Google, wo er unter anderem als Automotive Director digitale Marketingstrategien für alle großen deutschen Autokonzerne ausarbeitete.

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Danach restrukturierte er als Chief Digital Officer im Vorstand der Bertelsmann-Tochter Arvato den Verkauf und die IT. Krüger ernannte den studierten Betriebswirt vor Kurzem unbemerkt von der Öffentlichkeit zum neuen Vice President Digital Strategy von BMW, also zum ranghöchsten Digitalisierer im Konzern. Monsees berichtet an den BMW-Chefstrategen Markus Schramm und soll eine neue, rund 20 Mitarbeiter starke Abteilung aufbauen, die vorhandene Projekte des Konzerns rund um die Digitalisierung bündeln und neue Geschäftsmodelle ersinnen soll: vom 3-D-Druck in der Produktion über den Autoverkauf im Internet bis zu Big Data, also die Nutzung riesiger Datenmengen zum Einsatz im Unternehmen.

Monsees gilt als digitaler Innovator. In seiner ersten Zeit bei BMW entwickelte er BMWTV, ein preisgekröntes Internetportal, auf dem Videos rund um neue Produkte und Veranstaltungen aus der BMW-Gruppe zu sehen sind. „Ein Unternehmen zu digitalisieren“, sagte Monsees einmal bei einem öffentlichen Auftritt, „bedeutet nicht nur, neue Technologien einzuführen, sondern vor allem Organisation, Kultur und Kommunikation zu verändern.“ Da gibt es für Monsees bei BMW viel zu tun.

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