Opel-Werk Bochum: Eine Schließung wäre keine Katastrophe

Opel-Werk Bochum: Eine Schließung wäre keine Katastrophe

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Serkan Ceylan, 23: Bei Opel in Bochum von 2005 bis 2011, jetzt Servicetechniker bei Miele in der Region Moers.

von Harald Schumacher, Martin Seiwert, Franz W. Rother

Zahlreiche Unternehmen im Ruhrgebiet wollen die Mitarbeiter des Bochumer Opelwerks einstellen, sollte die Anlage schließen. Auch der Bruder eines prominenten Bochumer umwirbt die Angestellten des Autobauers.

Deutschrocker Herbert Grönemeyer war wieder zur Stelle. „Das Opel-Werk Bochum darf nicht sterben“, forderte er noch im Mai bei einem Konzert im Bochumer Fußballstadion. „So geht man nicht mit Menschen um. Die Leute fühlen sich in ihrer Kultur verletzt.“

Andere Töne stimmt der Bruder des Barden, der Bochumer Mediziner und Buch-Autor Dietrich Grönemeyer, an. Puren Protest findet er „eindimensional“. Statt Schwarzmalerei, sagt er gegenüber der WirtschaftsWoche, sei eine „nüchterne Betrachtungsweise“ angebracht. In einer „konzertierten Aktion“, so der Promi-Doktor, gelte es etwa, „alle Möglichkeiten für Opelaner in der Gesundheitswirtschaft auszuloten, konkrete Angebote und die nötigen Umschulungen vorzubereiten“. Medizin sei ein „positiver Wirtschaftsfaktor, gerade in Bochum“, schwärmt er und setzt auf das „Medical Valley Ruhr“ mit fast 300 000 Arbeitsplätzen.

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Vision statt Katastrophe. Wenn GM das Werk Bochum wie geplant 2016 dichtmacht, werden 3200 Mitarbeiter vor die Tür gesetzt. Das kann zwar für GM eine der teuersten Werksschließungen aller Zeiten werden, weil bis zu einer halben Milliarde Euro für Abfindungen fällig werden. Doch die Mitarbeiter müssen nicht, wie von Sänger Grönemeyer suggeriert, vor dem beruflichen Nichts stehen. Arbeitsmarktexperten verweisen auf Tausende unbesetzte Stellen in der Region, für die die Opelaner bestens qualifiziert seien, sowie auf zahlreiche Jobs, für die Opel-Mitarbeiter mit Schulungen fit gemacht werden könnten.

Eine Transfergesellschaft für die Entlassenen

Dass der Standort – wie seit Jahren befürchtet – tatsächlich geschlossen wird, hat die GM-Spitze vergangene Woche entschieden. In der 50 Jahre alten Fabrik, deren Mitarbeiterzahl in den vergangenen Jahrzehnten von mehr als 20 000 auf derzeit 3800 schrumpfte, sollen Ende 2016 die Lichter ausgehen. Dann läuft die Produktion der Großraumlimousine Zafira aus. Einen Ersatz für das Modell soll das Werk nach den GM-Plänen nicht bekommen.

In der jüngeren Vergangenheit waren Stellenstreichungen bei Opel aber nicht unbedingt mit sozialem Absturz verbunden. 2010 hatte General Motors bereits beschlossen, Jobs zu kappen, von damals gut 5000 Mitarbeitern in Bochum sollen 1800 gehen. Die Gewerkschaften erzwangen eine Transfergesellschaft, die der TÜV Nord auf dem Werksgelände betreibt. Sie parkt Entlassene bis zu zwölf Monate lang, entlohnt sie, entleiht sie zur Probe neuen Arbeitgebern und versucht sie so fest unterzubringen.

Von den 1800 Mitarbeitern, die das Werk verlassen mussten, sind 300 zu Opel nach Rüsselsheim gegangen. 750 befinden sich derzeit bei der Transfergesellschaft in der Vermittlung. 300 wechseln bis Ende 2012 noch dorthin. 450 Ex-Opelaner haben die Parkstelle jedoch verlassen, rund 340 davon sind in einen neuen Job gewechselt – eine Vermittlungsquote von 75 Prozent. Bei der Transfergesellschaft des 2008 geschlossenen Bochumer Nokia-Werks waren es nur 20 Prozent. Der Vermittlungserfolg bei Opel könnte zur Blaupause für die Schließung 2016 werden.

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