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Autozulieferer Fräger-GruppeElektroantriebe-Baukasten als Weg aus der Krise

Die Wirtschaftskrise sorgte bei der Fräger-Gruppe für Arbeitsplatzverlust. Rasant machte sich das Unternehmen daran, eine Baukasten für Elektroantriebe zu entwickeln.Martin Seiwert 13.01.2011 - 11:30 Uhr

Andreas Graewingholt (li), Frank Laaber von German E-Cars: Für die Antriebsexperten ging es in der Krise rasant bergab. Daher entwickelten sie ebenso rasant einen Baukasten für Elektroantriebe. Die Nachfrage brummt, die Konkurrenz reibt sich die Augen.

Foto: Stefan Kröger für WirtschaftsWoche

Es war Anfang 2009, als die Autohersteller immer öfter die Bänder anhielten, immer häufiger Aufträge bei ihren Zulieferern stornierten. Binnen Monaten ging auch der Fräger-Gruppe im nordhessischen Immenhausen die Arbeit aus, zu deren Kunden Daimler, MAN, Volkswagen und Porsche gehören. Der Hersteller von Antriebsstrangkomponenten war rasch gewachsen, hatte sich in nur zwei Jahrzehnten vom Rüstungsbetrieb mit zwei Dutzend Angestellten zum internationalen Autozulieferer mit rund 500 Mitarbeitern gemausert. Nun die Zäsur – Firmenchef Dirk Fräger musste 140 Arbeitsplätze streichen, die Angestellten in Kurzarbeit schicken und klären: Was soll das Unternehmen mit seinen Mitarbeitern machen, bis die Autokonjunktur wieder anspringt? Und welche Technologie wird langfristig gefragt und krisenresistent sein?

„Wir wollten so wenige Mitarbeiter wie möglich entlassen“, sagt Fräger, „denn uns war klar, dass es nach der Krise umso schwerer sein würde, gute Leute zu finden.“ Statt um Abfindungen kümmerte sich Fräger um die Zukunft: das Elektroauto. Die Fräger-Gruppe gründete das Schwesterunternehmen German E-Cars mit Dirk Fräger, Andreas Gräwingholt und Frank Laaber an der Spitze. Das neue Unternehmen entwickelte binnen weniger Monate ein Baukasten-System für Elektroantriebe und mit dem Stromos auch gleich noch ein komplettes, rein elektrisches Serienfahrzeug.

Elektromobile werden bereits verkauft

Mit einem Nettopreis von 35 000 Euro ist der fünftürige Kleinwagen, der auf dem Suzuki Splash basiert, günstiger als die meisten vergleichbaren Elektroautos. Dennoch verdient Fräger nach eigenen Angaben damit Geld. Und während die großen deutschen Autobauer erst in mehr als zwei Jahren ihre ersten Elektromobile ins Rennen schicken, übergab das Unternehmen bereits im November in Erlangen 20 Elektroflitzer an Siemens.

Bis Ende des Jahres will Gräwingholt insgesamt 100 dieser Fahrzeuge bauen lassen, 2011 strebt er den Verkauf von 300 Stromos an. Allein der Autovermieter Sixt will dem jungen Hersteller in den kommenden Jahren bis zu 1000 Fahrzeuge abnehmen.

Illusionen macht sich Gräwingholt nicht: Wenn in einigen Jahren die großen Konzerne die Märkte mit Elektroautos fluten, werde der Stromos vor allem beim Preis wohl nicht mehr mithalten können, sagt der German-E-Cars-Chef.

Mit dem in der Krise geborenen Elektroauto habe Fräger trotzdem auf der ganzen Linie gewonnen, und das bereits jetzt: „Wir zeigen unseren Kunden in der Autoindustrie, wie kompetent wir bei modernen Antriebsstrangtechnologien sind, wir lernen unglaublich viel, motivieren die Belegschaft mit der Technik und profilieren uns als attraktiver Arbeitgeber.“

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