Douglas Holding: Wird Douglas zerlegt?
Im Gegensatz zu den Parfümerien, die künftig international expandieren sollen, ist der Verbleib von Thalia im Douglas-Konzern langfristig alles andere als gesichert.
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Als Douglas-Patron Jörn Kreke einst gefragt wurde, ob er mit der Struktur des Duft- und Lifestyle-Konzerns zufrieden sei, antwortete er „Ja“. Der Konzern sei klar strukturiert, befand Kreke, und man könne „relativ unkompliziert Neues andocken und Unpassendes abtrennen.“
Nun scheint der Zeitpunkt für den Beweis von Krekes These gekommen: Laut einem Medienbericht prüft Douglas den Verkauf der Süßwarenkette Hussel. Kaufkandidaten hätten bereits Dokumente mit Unternehmensinformationen erhalten, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Unklar ist nach Brancheninformationen auch, wie es mit Douglas-Töchtern wie der Buchhandelskette Thalia und dem Modeableger Appelrath-Cüpper weitergeht. Zugleich steht die Parfümeriesparte vor dem größten Zukauf der Unternehmensgeschichte.
Die Douglas-Bilanz 2011: Parfüm top - Bücher flop
Das Geschäftsjahr 2010/2011 war alles in allem ein zufriedenstellendes Jahr für den Douglas-Konzern. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 3,4 Milliarden Euro, der Gewinn vor Steuern stieg auf 138 Millionen Euro – und blieb hinter den Erwartungen zurück. Herzstück des Konzerns ist weiterhin die Parfümeriekette Douglas...
Foto: PressebildParfümerie Douglas
Mehr als 14.000 Mitarbeiter weltweit beraten und beduften Kunden in knapp 1.200 Douglas-Parfümerien. Mit Eau de Toilette und Parfum machte die Kette im Geschäftsjahr 2010/2011, das im September 2011, endete einen Umsatz von 1,9 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Steuern stieg auf 108 Millionen Euro (2010: 88 Millionen Euro).
Die Parfümerie ist der größte Bereich der Douglas Holding, aber bei weitem nicht die einzig namhafte Marke.
Foto: PressebildBuchhändler Thalia
Parfum und Bücher? Eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination und derzeit keine unbedingt erfolgreiche. Umsatzmäßig ist der Buchhändler mit über 5.000 Mitarbeitern, 295 Geschäften und dem Internetshop buch.de zwar die Nummer zwei des Konzerns, doch der Wettbewerb im Buchhandel ist hart. Thalia bekommt die Konkurrenz durch Online-Händler wie Amazon und das digitale Buch - das eBook - immer stärker zu spüren.
Schon 2010 sank der Gewinn vor Steuern von 20 Millionen Euro auf nur noch fünf Millionen Euro. Nun plant Thalia ein umfangreiches Sanierungsprogramm, selbst Ladenschließungen und Stellenstreichungen sind kein Tabu. Zudem sollen die Filialen Fläche untervermieten und der Anteil von Cd’s, Spielwaren und anderen Sortimentsbereichen jenseits des klassischen Buchhandels ausgebaut werden.
Bei buch.de stieg Douglas bereits 1999 ein. Vier Jahre zuvor hatte sich Douglas die Herder Buchhandlungen in Münster und Freiburg übernommen. Im Jahr 2000 kam die Schweizer Buchhandlung Jäggi und Stauffacher zum Konzern. 2001 schließlich folgte der Zusammenschluss von Douglas mit Thalia zum damals größten Buchhandelsgruppe im deutschsprachigen Raum.
Foto: PressebildJuwelier Christ
Es glitzert und funkelt – das Douglas' Juwelierskette Christ. Douglas ist seit 1995 an der Christ-Gruppe beteiligt, 1997 wurde sie vollständig übernommen. In den rund 200 Juweliergeschäften der Kette arbeiten mehr als 2000 Mitarbeiter. Mit einem Wachstum von fast zehn Prozent stiegen die Umsätze von 310 auf über 340 Millionen Euro für das Jahr 2011. Auch der Gewinn vor Steuern stieg deutlich von 17 Millionen Euro im Vorjahr auf 26 Millionen Euro.
Schöner Schmuck passt gut zu einem netten Kleid. Und auch da muss der Kunde nicht die Sphären des Douglas-Konzerns verlassen.
Foto: PressebildModehaus Appelrath-Cüpper
Seit 1986 ist Douglas an Appelrath-Cüpper beteiligt. Derzeit gibt es 14 Geschäften in Deutschland. Die etwa 750 Mitarbeiter erwirtschaften 2011 einen Umsatz von 125 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern ist überschaubar und blieb bei knapp einer Million Euro.
Wer will sich nicht nach einem anstrengenden Einkaufsshop mit ein paar Süßigkeiten belohnen möchte, kann das ebenfalls im Reich des Douglas-Konzerns erledigen.
Foto: PressebildConfiserie Hussel
Pralinen, Trüffel und Schokolade gibt es entweder in einem der 245 Geschäften zu kaufen oder auf dem gleichnamigen Internetauftritt online zu bestellen. Die Umsätze sanken um 1,3 Prozent auf 98 Millionen Euro. Der Gewinn vor Steuern im Süßwarenbereich verfehlte mit knapp zwei Millionen Euro das Vorjahresergebnis um eine Million Euro. Das Unternehmen hat schon eine lange Traditionen: Über 60 Jahre gibt es die Geschäfte bereits. Noch deutlich älter ist aber Douglas selbst...
Foto: PressebildÜber 100 Jahre Geschichte bei Douglas
Zurück geht der Name Douglas auf den Seifensieder John Sharp Douglas zurück, der im Jahre 1821 die erste und älteste Seifenfabrik Hamburgs gründete. Der Erfolg der Parfümeriekette wurde allerdings erst fast 90 Jahre später begründet. Im Jahr 1910 schlossen die Schwestern Maria und Anna Carstens einen Vertrag mit der Firma J.S. Douglas Söhne, der ihnen erlaubte, eine Parfümerie unter dem Namen Parfümerie Douglas zu führen. Das Geschäft öffnete seine Pforten am Neuen Wall 5, der seinerzeit vornehmsten und teuersten Einkaufsstraße Hamburgs. 1969 übernahm dann die Hussel AG die bis dahin sechs bestehenden Parfümerien. 1989 wurde sie in Douglas Holding AG umbenannt. Die Anteilseigner erfreuen sich seit langem an deren Gewinne – und sind selbst bekannte Namen der deutschen Wirtschaft...
Foto: dpaAnteileigner bei Douglas
Über 25 Prozent der Anteile hält demnach der Dr. August Oetker Finanz- und Beteiligungs GmbH, die Drogeriekette Müller besitzt ebenfalls über zehn Prozent. Einen Anteil von über 12 Prozent besitzen Jörg und Henning Kreke – Henning Kreke ist Vorstandsvorsitzender der Douglas Holding. Neben den Paketen weiterer Anteilseigner befinden sich über 30 Prozent der Aktien in Streubesitz. Und die können sich über die Ausschüttung einer Dividende von 1,10 Euro je dividendenberechtigter Stückaktie freuen.
Foto: dpaHintergrund der Umbaupläne: Douglas war von der Gründerfamilie Kreke und dem Finanzinvestor Advent vollständig gekauft und von der Börse genommen worden. Schon damals wurde spekuliert, dass es das Ziel der Eigner sei, die Randbereiche der Holding nach und nach abzuspalten und sich auf die Juwelierkette Christ und die Douglas-Parfümerien zu konzentrieren und deren internationale Expansion zu forcieren.
So strebt Douglas mit dem neuen Investor im Rücken derzeit die europäische Marktführerschaft im Parfümeriegeschäft an und will den französischen Wettbewerber Nocibe übernehmen, exklusive Gespräche werden geführt. Mit einem Gesamtumsatz von rund 600 Millionen Euro könnte Douglas mit dem Deal zur Nummer zwei am französischen Parfümeriemarkt hinter der zur LVMH -Gruppe gehörenden Kosmetikkette Sephora aufrücken. Im ersten Halbjahr 2014 könnte die Übernahme besiegelt werden, die Kartellbehörde in Frankreich muss aber ebenso wie die Arbeitnehmervertreter noch zustimmen.
Dem Andocken auf der einen Seite könnten Trennungsversuche auf der anderen Seite folgen, heißt es in der Branche. Während für Hussel in der Vergangenheit bereits etliche Unternehmen Interesse signalisiert hatten und die Douglas-Tochter mit einem Umsatz von rund 100 Millionen Euro eine überschaubare Einheit ist, gilt vor allem ein möglicher Verkauf des Buchhändlers Thalia als heikles Unterfangen.
Angesichts der Konkurrenz durch Online-Händler wie Amazon wurde Thalia zuletzt heftig durchgeschüttelt: 20 Filialen wurden geschlossen, Verkaufsflächen verkleinert, mehr Artikel abseits des Buchs ins Sortiment genommen - und das Online-Geschäft wurde ausgebaut. Erst vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass sich Thalia den Internet-Händler Buch.de komplett einverleiben will. Thalia habe seinen Anteil an dem Online-Shop um 15,1 auf 95,1 Prozent erhöht und plane nun, die Minderheitsaktionäre heraus zu drängen und entsprechend abzufinden, teilte das Unternehmen mit.
Doch reicht das aus, um den Verbleib von Thalia im Konzern langfristig zu sichern? „Mit einem Verkauf von Thalia ist im kommenden Jahr zu rechnen, wenn die Übernahme von Buch.de abgeschlossen ist“, spekuliert schon mal das Branchenblog Exciting Commerce.