Edeka: Gefeilsche mit harten Bandagen

Edeka: Gefeilsche mit harten Bandagen

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König der Supermärkte: Edeka-Chef Markus Mosa.

von Henryk Hielscher

Der Handelsriese kämpft um die Übernahme von Kaiser’s Tengelmann. Einzelnen Lieferanten ist Edekas Verhandlungsmacht schon jetzt zu groß.

Die Zitterpartie um die Übernahme der rund 450 Kaiser’s-Tengelmann-Supermärkte durch Edeka steuert auf ihr Finale zu. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) muss entscheiden, ob er den Deal genehmigt – gegen den Widerstand von Edekas Erzrivalen Rewe, der diese Woche sein Interesse an den Supermärkten mit einem neuen Übernahmeangebot untermauert hat.

Vor allem aber gegen Warnungen von Lieferantenvertretern. Gerade die sorgen sich vor noch mehr Nachfragemacht des größten deutschen Lebensmittelhändlers, der sich mit dem Werbespruch „Wir lieben Lebensmittel“ als sympathischen Nachbarschaftsladen inszeniert. Im Umgang mit Lieferanten scheint bei der Truppe um Edeka-Chef Markus Mosa aber mitunter die Devise zu gelten: „Wir nutzen alle Mittel.“

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Die größten Lebensmittelhändler Deutschlands

  • Platz 10

    Bartells-Langness

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,09 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 9

    Globus

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 3,23 Milliarden Euro

  • Platz 8

    Rossmann

    Umsatz mit Lebensmitteln in Deutschland: 5,18 Milliarden Euro

  • Platz 7

    dm

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 6,33 Milliarden Euro

  • Platz 6

    Lekkerland

    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 8,98 Milliarden Euro

  • Platz 5

    Metro (Real, Cash & Carry)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 10,27 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 4

    Aldi (Nord und Süd)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 22,79 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 3

    Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,05 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 2

    Rewe-Gruppe
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 28,57 Milliarden Euro (Schätzung)

  • Platz 1

    Edeka (inkl. Netto)
    Umsatz mit Lebensmitteln 2015: 48,27 Milliarden Euro

    Quelle: TradeDimensions / Statista

So zumindest beschreiben Lieferanten gegenüber der WirtschaftsWoche den Verhandlungsstil von Edeka-Einkäufern. „Das sind mit die härtesten Burschen“, konstatiert der Chef eines niedersächsischen Herstellers. Er beklagt einen „Wust an Forderungen und Rückvergütungen“, der das Geschäft für ihn unkalkulierbar mache. Nach einer Ministererlaubnis könnte Edeka versuchen, die Konditionen weiter zu drücken, um die Übernahmekosten einzuspielen, befürchtet ein anderer Lieferant. Ihre Namen wollen die Mittelständler nicht gedruckt lesen. Zu groß ist die Angst vor dem Zorn aus Hamburg.

Edekas verfügt über ein großes Druckpotenzial

Dort will man konkrete Fragen zu den Vorwürfen nicht beantworten. Ein Anwalt des Unternehmens teilt mit: Die Zusammenarbeit zwischen Edeka und der Mehrheit der Geschäftspartner laufe „konstruktiv und für beide Seiten vorteilhaft“, der Konzern lege „Wert auf ein professionelles und von gegenseitigem Respekt geprägtes Verhältnis“.

Endspurt im Streit um Kaiser's Tengelmann

  • Worum geht es bei dem Streit eigentlich?

    Die Supermarktkette Kaiser's Tengelmann schreibt seit Jahren rote Zahlen. Insgesamt sollen sich die Verluste seit der Jahrtausendwende auf mehr als 500 Millionen Euro summieren. Der Eigentümer, die Unternehmerfamilie Haub, will deshalb einen Schlussstrich ziehen und die rund 450 Geschäfte an Deutschlands größten Lebensmittelhändler Edeka verkaufen.

  • Wo ist das Problem?

    Das Bundeskartellamt hat den Zusammenschluss der Supermarktketten untersagt. Die Wettbewerbsbehörde befürchtet durch die Fusion Preiserhöhungen und weniger Wettbewerb. Schließlich ist der Lebensmittelhandel in Deutschland schon heute hochkonzentriert. Nur vier Ketten - Edeka, Rewe, die Schwarz-Gruppe mit dem Discounter Lidl sowie Aldi - teilen sich 85 Prozent des Marktes. Und unter den „großen Vier“ ist Edeka mit weitem Abstand die Nummer eins.

  • Ist das Thema damit erledigt?

    Nein. Denn die Supermarktketten haben Antrag auf eine Ministererlaubnis gestellt, um das Veto des Kartellamtes auszuhebeln. Laut Gesetz kann der Bundeswirtschaftsminister eine Ausnahmegenehmigung erteilen, wenn die gesamtwirtschaftlichen Vorteile des Zusammenschlusses schwerer wiegen als die Wettbewerbsbeeinträchtigungen.

  • Und wie sollen die Vorteile aussehen?

    In erster Linie locken die Handelsketten mit Arbeitsplatzgarantien. Nur die Gesamtübernahme durch Edeka sichere den Erhalt der 16.000 Stellen bei Kaiser's Tengelmann, argumentieren sie. Eine Einzelabwicklung werde dagegen mindestens 8000 Jobs kosten. Denn für Problemfilialen werde sich dann wohl kein Kaufinteressent finden - ebenso wenig wie für die Konzernzentrale, die Fleischwerke oder die Logistik. Dem Antrag auf Ministererlaubnis zufolge schreiben fast 200 Kaiser's Tengelmann-Filialen rote Zahlen.

  • Was sagen die Experten?

    Es gibt Befürworter und Gegner einer Ausnahmegenehmigung. Die Monopolkommission hat sich in einem Sondergutachten strikt gegen eine Erlaubnis für den Zusammenschluss ausgesprochen. Nach ihrer Auffassung sind bei einer Fusion der Supermarktketten negative Auswirkungen auf den Wettbewerb sicher. Die in Aussicht gestellten Arbeitsplatzeffekte seien aber eher ungewiss. Auch bei der Gewerkschaft Verdi finden die Pläne bislang wenig Sympathie. Die bayerische Landesregierung und der Hamburger Senat plädieren dagegen für eine Ausnahmegenehmigung.

  • Was, wenn es bei einem Verbot des Zusammenschlusses bleibt - bleibt Kaiser's Tengelmann dann erhalten?

    Nein. Falls das Bundeswirtschaftsministerium das Fusionsverbot bestätige, werde sofort mit der Zerschlagung von Kaiser's Tengelmann – also dem Verkauf in Teilpaketen – begonnen, signalisierten schon im September Unternehmenskreise. Bis Ende 2016 werde von Kaiser's Tengelmann dann nichts mehr da sein.

  • Gibt es denn neben Edeka andere Interessenten für die Filialen?

    Ja. Die Schweizer Handelskette Migros, die Coop Kiel und der Discounter Norma haben bereits Interesse an einem Teil der Filialen signalisiert. Der Edeka-Erzrivale Rewe würde am liebsten sogar alle Geschäfte übernehmen. Allerdings dürfte in diesem Falle wohl auch der Kölner Handelsriese Probleme mit dem Kartellamt bekommen.

Im Zweifel verfügt Edeka über erhebliches Druckpotenzial. Schon in den „Allgemeinen Beschaffungsbedingungen“, die der WirtschaftsWoche in einer Fassung von 2012 vorliegen, hat sich der Handelsriese gegen so gut wie alle Widrigkeiten im Umgang mit seinen Lieferanten gewappnet. Ein Hersteller bezeichnet das Vertragswerk denn auch als „Bußgeldkatalog“.

Fast immer, wenn etwas schiefläuft, darf Edeka die Lieferanten zur Kasse bitten – teils mit Pauschalbeträgen, die es in sich haben. Sobald etwa Behörden einen Rückruf wegen Produktmängeln veranlassen, darf Edeka wegen des eingetretenen Imageschadens einen „pauschalen Schadenersatz“ von 100.000 Euro erheben, steht in dem Vertrag. Im Zweifel muss der Lieferant beweisen, dass das Image von Edeka nicht so stark gelitten hat. Edeka will sich dazu nicht äußern.

Tatsächlich sind solche Klauseln zwar legal und gehören auch zum Repertoire anderer Händler. Doch offenbar agieren diese nicht so forsch wie Edeka. Darauf deuten die Ergebnisse einer Befragung des Handelsexperten Thomas Roeb hin, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegen.

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