1. Startseite
  2. Unternehmen
  3. Samwer-Brüder: Der nächste Angriff der Klonkrieger

Samwer-BrüderDer nächste Angriff der Klonkrieger

Die Samwer-Brüder sind Deutschlands Internetkönige, mit Groupon verdienen sie wieder Milliarden. Nun planen die Kopiermeister das nächste große Ding, die Konkurrenz ist alarmiert.Oliver Voß 17.06.2011 - 15:19 Uhr

Oliver Samwer

Foto: Armin Brosch für WirtschaftsWoche

Vor drei Jahren ging Brian Chesky mit seiner Idee bei vielen Geldgebern noch vergeblich hausieren. Der Designer hat eine Internetbörse zur Zimmervermittlung gegründet, Airbnb heißt das Portal, auf dem jeder einen Schlafplatz anbieten oder suchen kann. Mittlerweile sind auf der Seite Zimmer in fast 15.000 Städten aus 183 Länder zu finden. Mehr als 1,6 Millionen Übernachtungen wurden vermittelt und Chesky selbst treibt die Idee der Mitwohnzentrale zum Exzess: Vor einem Jahr hat er seine letzte Wohnung aufgegeben und lebt seither nur noch in Unterkünften, die er über Airbnb bucht.

Mögliche Geldgeber waren anfangs jedoch skeptisch, ob sich genug Nutzer finden, die Zimmer an Fremde vermitteln wollen, viele reagierten auf Cheskys Anfragen gar nicht erst. Das hat sich inzwischen geändert, denn Airbnb und eine Reihe von Nachahmern werden derzeit von Investoren mit Geld regelrecht überschüttet.

Nachahmer sitzen Airbnb im Nacken

Auch der Schauspieler Ashton Kutcher hat im Frühjahr eine „bedeutende Summe“ in das junge Unternehmen gesteckt und will als Berater für Airbnb arbeiten. Kutcher genießt im Netz einen besonderen Status, seit er es 2009 in einem legendären Duell gegen CNN schaffte, als erster Nutzer eine Million Follower bei Twitter zu bekommen. In der Folge investierte er in angesagte Firmen wie Foursquare oder Flipboard.

Berühmte deutsche Gründer

Andreas von Bechtolsheim
Andreas von Bechtolsheim ist der große, alte Mann unter den deutschstämmigen Serienunternehmern – und gilt jüngeren Gründern wie Alexander Artopé als Vorbild. Mit Sun Microsystems hob er 1982 eine Firma aus der Taufe, die heute zu den großen Namen im globalen Softwaregeschäft gehört. 1995 gründete er das Technologieunternehmen Granite Systems, das bereits ein Jahr später von Cisco übernommen wurde. Mit seiner aktuellen Firma Arista Networks widmet er sich derzeit dem Thema Cloud Computing.

Foto: Presse

Ibrahim Evsan und Thomas Bachem
Gemeinsam gründen sie wie am Fließband. Nachdem Evsan (im Bild) und Bachem ihre Anteile an der Online-Community Sevenload verkauft haben, können sie sich ganz auf ihr derzeitiges Projekt konzentrieren. Mit United Prototype sind sie seit 2010 im Bereich Social-Gaming aktiv, ihre erste Veröffentlichung ist das Spiel Fliplife, bei dem die Nutzer ihren Avatar durch die Höhen und Tiefen des ganz normalen Lebens begleiten.

Foto: dpa

Stephan Uhrenbacher
Er ist der Shootingstar unter den deutschen Serientätern. Erst kürzlich gewann Uhrenbacher (rechts im Bild) mit seinem aktuellen Startup Avocado Store den Gründerpreis der WirtschaftsWoche. Zuvor hatte er für den Verlag Gruner & Jahr den Reisedienstleister Travelchannel entwickelt, bevor er im Jahr 2005 Qype gründete. Auf der Plattform wird alles bewertet, was sich bewerten lässt, zum Beispiel Bars, Cafes, Restaurants, Shops, Handwerker, und Clubs.

Foto: Arne Weychardt für WirtschaftsWoche

Lukasz Gadowski
Mit dem Online-Shop Spreadshirt für individuelle T-Shirts wurde er reich. Inzwischen gründet er mit seinem neuen Projekt Team Europe Ventures Firmen in Serie. Gadowski investiert dabei einfach in bestehende Startups oder wirbt junge Unternehmer an, die dann seine Ideen umsetzen. Zum Portfolio gehören mehr als 50 Unternehmen, unter anderem die Plattform Mymuesli, der Eventmanager Amiando und der Online-Optiker MisterSpex.

Foto: Presse

Lars Hinrichs
Seine erste Gründung war die Plattform Politik Digital – doch erst das Netzwerk Xing machte ihn berühmt. Im vergangenen Jahr verkaufte er seine Anteile für 48 Millionen Euro an den Verlag Hubert Burda. Jetzt zieht er die Investmentfirma Hackfwd hoch. Nebenbei beteiligt er sich an JamesList, eine Art Ebay für Superreiche.

Foto: Presse

Gerrit Schumann
Nachdem er im Jahr 2004 sein erstes Startup Element 5 für 120 Millionen Dollar verkaufte, führte er das Leben eines Neureichen auf Mallorca – hielt das aber nicht lange aus. Inzwischen hat er ein neues Unternehmen gestartet: Music Networx kopiert Mitschnitte von Konzerten auf USB-Sticks und verkauft diese legal. Das Fan-Netzwerk dazu hat bereits 200.000 registrierte Kunden.

Foto: Frank Beer für WirtschaftsWoche

Oliver, Marc und Alexander Samwer
Die drei Brüder (im Bild: Oliver Samwer) gelten als Bad Boys der Gründerszene. Dabei halten sie sich nur an eine simple Erfolgsregel, die viele Serienunternehmer zu ihrem Motto erklärt haben: Lieber gut kopiert als schlecht selbst gemacht. Der Erfolg gibt ihnen Recht. So gründeten sie die deutsche Kopie des US-Auktionshauses Ebay, riefen danach den Klingeltonriesen Jamba ins Leben und hatten auch beim Facebook-Klon StudiVZ ihre Finger mit im Spiel.

Foto: Armin Brosch für WirtschaftsWoche

Alexander Artopé
Er gründete im Jahr 1999 die Softwarefirma Datango, wendete sich aber bereits sieben Jahre später einem neuen Projekt zu: Mit Smava brachte Artopé das Modell der Privatkreditvermittlung nach Deutschland. Auf der Internetseite können private Nutzer sich gegenseitig Darlehen geben – der Weg zur Bank wird überflüssig. Im vergangenen Jahr wurden über die Seite bereits Kredite im Wert von rund 15 Millionen Euro vergeben. Rund 2000 Kreditnehmer erhielten Geld.

Foto: Max Lautenschläger für WirtschaftsWoche

Insgesamt hat die Bettenbörse laut den Branchenkennern von „Techcrunch“ gerade 100 Millionen Dollar bekommen, das Startup wird nach dieser Finanzierungsrunde mit einer Milliarde Dollar bewertet.

Das Geld werden Chesky und seine Mitstreiter auch brauchen, denn eine ganze Reihe von Nachahmern sitzt ihnen im Nacken. Dazu gehört 9Flats von Stephan Uhrenbacher, der zuvor das Bewertungsportal Qype und den Sieger des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs, Avocadostore, mit gegründet hat.

Vor allem aber die Samwer-Brüder versuchen mit Macht den Airbnb-Erfolg zu kopieren. Oliver, Marc und Alexander Samwer sind Deutschlands bekannteste Internetunternehmer, doch das Geheimnis ihres Erfolgs liegt darin, anderer Leute Ideen zu imitieren. Seither haben deutsche Gründer im Ausland den Ruf weg, vor allem copycats zu produzieren. Angefangen haben sie mit einer Ebay-Kopie und beim Rabattportal Groupon legten sie gerade ihr Meisterstück hin.

Und die Serientäter planen schon den nächsten Coup. Gerade erst hat ihre Firma Rocket Internet gemeinsam mit der schwedischen Beteiligungsgesellschaft Kinnevik  90 Millionen US-Dollar in den Konkurrenten Wimdu gesteckt. Wimdu ist gerade einmal 100 Tage im Netz, da bietet die Seite bereits 10.000 Schlafplätze in 150 Städten. 400 Mitarbeiter in 15 Büros treiben die Expansion voran. Unter dem Namen Airizu gibt es auch eine chinesische Version.

Airbnb

Foto: unbekannt

Die Wettbewerber liefern sich eine Schlacht um die Eroberung neuer Märkte, in der es vor allem um Geschwindigkeit geht. Dabei sind die Samwers Meister, wie die drei Brüder zuletzt wieder bei Groupon bewiesen haben.

"Klon-Aktivitäten" melden

Die Airbnb-Gründer sind daher zu Recht alarmiert. Am Monatsanfang schickten sie eine Brandmail an ihre Nutzer und warnten diese vor den „Klon-Seiten“. Denn gekämpft wird mit harten Bandagen, zum Wettbewerb gehört es auch, sich Mitarbeiter oder Kunden abspenstig zu machen. Sogar eine eigene Mailadresse hat Airbnb eingerichtet, “Klon-Aktivitäten” sollen an detectives@airbnb.com gemeldet werden. 

Auch wenn Airbnb die Deutschen nicht namentlich erwähnt, ist eindeutig, auf wen sich das Schreiben bezieht. In der Szene sind die Münchner als „Klonkrieger“ verschrien, seit sie mit der Ebay-Kopie Alando groß Kasse machten. Das Vorgehen der Samwers ist immer gleich: Sie investieren in die Kopie eines amerikanische Startups, besetzen den deutschen und andere ausländische Märkte und versuchen später ihren Klon an das Original zu verkaufen.

So zahlte Ebay einst für Alando 43 Millionen Dollar, eine ordentliche Summe doch „peanuts“ im Vergleich zu Citydeal. Denn beim bevorstehenden Börsengang dürften die Samwers richtig Kasse machen: Sie besitzen einen Anteil von etwa zehn Prozent an Groupon, das eine Bewertung von 20 Milliarden Dollar erzielen könnte.  

Doch ob ihnen das auch mit Wimdu gelingt ist fraglich. Die harsche Reaktion lässt nicht darauf schließen, dass sich die Konkurrenten sobald an den Verhandlungstisch setzen. Zudem hat Airbnb mit Acceleo gerade erst einen anderen deutschen Wettbewerber übernommen. Die 30-Mann-Truppe soll aus Hamburg das Geschäft hierzulande ankurbeln. Morgen kommen Chelsky und seine zwei Mitgründer dazu auch erstmals persönlich nach Deutschland. In Berlin und Hamburg veranstalten sie "Community-Parties", auf denen sie sich mit bisherigen Nutzern treffen. Der Wettkampf um den deutschen Markt ist endgültig eröffnet.  

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick