Management-Moment der Woche: Erschöpfung im Zoll-Chaos: Was macht müde Manager munter?
Das ist passiert
DHL-Chef Tobias Meyer hat einen Einblick in die Gefühlslage von Managern im Handelsstreit gewährt. Angesichts ständig neuer Nachrichten und Drohungen von US-Präsident Donald Trump seien „die Leute wirklich ein bisschen erschöpft“, sagte er im Interview mit dem Nachrichtensender Bloomberg. „Selbst wenn etwas angekündigt wird, wissen sie nicht, ob es nicht zwei Tage später schon wieder geändert wird.“ Bei den Entscheidungsträgern in der Produktion oder im Vertrieb sorge das für „eine gewisse Ermüdung“.
Das können Sie daraus lernen
Zu viele oder zu schnelle Veränderungen können zu Erschöpfung führen. In der Organisationspsychologie hat sich dafür der Begriff „change fatigue“ etabliert – Veränderungsmüdigkeit. „Man denkt, man hat den Berg erklommen, aber dann kommt schon der nächste Gipfel“, veranschaulicht Jutta Rump das Problem. Die Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability forscht seit Jahren zu Transformationen in Unternehmen – die stehen in der Regel im Fokus, wenn es um Veränderungsmüdigkeit geht.
So zeigt etwa eine Studie der Universität Turin, dass Sorgen über organisatorische Veränderungen mit einem erhöhten Burn-out-Risiko und einem geringeren Arbeitseinsatz einhergehen. Aber die Erkenntnisse lassen sich durchaus auf die Herausforderungen im Handelskonflikt übertragen. Was können Unternehmen also tun?
1. Der Ohnmacht begegnen
Veränderungen werden von Mitarbeitern typischerweise dann als besonders anstrengend erlebt, wenn sie sich fremdbestimmt fühlen. „Wie eine Figur auf dem Schachbrett“, so beschreibt es Wirtschaftsprofessorin Rump. Je größer dagegen die Selbstbestimmtheit, desto geringer die Ermüdung. Das Problem: Im Unterschied zu einer internen Transformation wirkt der Handelskonflikt von außen, der Handlungsspielraum einzelner Manager ist dabei ähnlich groß wie der einer Schachfigur.
Trotzdem können Chefinnen und Chefs etwas gegen das Gefühl der Ohnmacht tun – der Schlüssel liegt in der Kommunikation. „Gerade in Zeiten der Unsicherheit sollten Unternehmen im engen Austausch mit den Angestellten bleiben“, rät Rump. Dabei kommt es nicht immer darauf an, neue Fakten zu präsentieren. Auch eine Aussage wie „Wir wissen auch noch nicht, was das konkret für uns bedeutet“ kann gegen das Gefühl der Ohnmacht helfen. Denn sie stellt eine Verbindung zwischen Geschäftsführung und Belegschaft her und schafft gegenseitiges Verständnis.
Außerdem sollten sich Unternehmen auf den eigenen Einflussbereich konzentrieren: Was können wir tun, um auf möglichst viele Szenarien vorbereitet zu sein? Wer diese Aufgaben Schritt für Schritt abarbeitet, erlebt Selbstwirksamkeit.
2. Resilienz stärken
„In unruhigen Zeiten ist Resilienz eine Kernkompetenz, gerade für Führungskräfte“, weiß Personalforscherin Rump. Um diese Gelassenheit zu trainieren, gibt es viele wirksame Angebote – zum Beispiel Achtsamkeitstrainings. Sie fördern nicht nur die Gelassenheit, sondern schulen auch die Fähigkeit, in einer stressigen und unübersichtlichen Situation den Überblick zu bewahren und sich auf einzelne Aufgaben zu konzentrieren. Achtsamkeit sorgt zudem erwiesenermaßen für eine schnellere Erholung und einen besseren Schlaf. So werden müde Manager wieder munter.