WiWo History Durchbruch: Pan Am und das Fernweh einer ganzen Generation
Der erste Flug von Pan Am hob 1927 in Key West in Florida ab – noch ohne Passagiere, nur mit Post an Bord. Doch Gründer Juan Trippe, Sprössling einer New Yorker Familie, ehemaliger Marineflieger und Yale-Absolvent, wollte mehr. Viel mehr. Trippe war Visionär und Zocker zugleich – ein Mann, der, wie sein Biograf schrieb, „kein Nein akzeptierte“. US-Präsident Roosevelt nannte ihn später halb bewundernd, halb warnend einen „Yale educated gangster“.
Trippe setzte früh auf technische Innovation. Statt klassischer Landebahnen nutzte er Flugboote, sogenannte Clipper, um exotische Ziele anzufliegen. Von 1935 an bot Pan Am als erste Airline Transpazifikflüge an: Fünf Tage von San Francisco nach Manila. Diese Pionierleistung machte Pan Am mit einem Schlag weltbekannt. Der nächste Paukenschlag: 1955 bestellte Trippe bei Boeing und Douglas je 20 neuartige Düsenjets, „vom Reißbrett weg“ und vor allen anderen, sodass die Kapazitäten der Flugzeugbauer blockiert waren. Die Boeing 707 verband ab 1958 New York und Paris in achteinhalb Stunden. Eine neue Ära der Flugreisen, schneller und glamouröser, hatte begonnen.
Und Trippe? Dachte nicht daran, sich zufriedenzugeben. Stattdessen forderte er von Boeing ein Großraumflugzeug – doppelt so groß wie alle Flieger zuvor. Ein legendärer Handschlag-Deal zwischen ihm und Boeing-Chef William McPherson Allen („Wenn du es baust, kaufe ich es – Wenn du es kaufst, baue ich es“) brachte den Jumbo-Jet 747 auf den Weg. Das Timing aber war fatal: Ölkrise, Inflation, Rezession. Die teure Langstreckenflotte blieb oft halb leer, die Schulden wuchsen. Trippe, der Möglichmacher, zog sich 1968 zurück – und hinterließ ein riskant aufgestelltes Unternehmen.
Die Liberalisierung des US-Flugmarkts 1978 verschärfte die Lage weiter. Neue Konkurrenten wie American Airlines boten nun internationale Flüge mit besserer Inlandsanbindung, während Langstreckenspezialist Pan Am teuer nachrüsten musste. Der Kauf von National Airlines 1979 für 430 Millionen Dollar erwies sich als überteuert und ineffizient.
Die Katastrophe von Lockerbie beschleunigte den Untergang: 1988 explodierte eine Pan-Am-Maschine auf dem Weg nach New York über der schottischen Kleinstadt. Ein terroristischer Anschlag, der 270 Menschenleben kostete. Die Sicherheitsvorkehrungen der Airline gerieten in die Kritik, das Vertrauen der Passagiere sank, die Umsätze litten spürbar. Hotels, Routen und Immobilien wurden veräußert.
1991 war Schluss. Pan Am fusionierte mit Delta Airlines. Heute lebt die Marke nur noch auf Retro-Tassen und in TV-Serien weiter. Sie erinnern an eine Zeit, in der ein Mann wie Juan Trippe glaubte, den Himmel neu ordnen zu können – und es ihm, wenigstens für einige Jahre, auch gelang.
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