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Bewertung weiblicher CEOs„Frauen können es einfach nicht richtig machen: Sie sind entweder zu ehrgeizig oder zu passiv“

Eine exklusive Auswertung zeigt: Chefinnen werden deutlich kritischer bewertet als ihre männlichen Kollegen. Worin sich diese Abwertung äußert – und woher sie kommt.Kristin Rau 11.06.2025 - 14:03 Uhr
Frauen in Vorstandspositionen sehen sich häufiger Kritik ausgesetzt als männliche CEOs. Foto: Hannes P Albert/dpa

So richtig gerne wollte die ehemalige Premierministerin von Neuseeland nicht darüber sprechen, ob Frauen in der Öffentlichkeit größerem Hass ausgesetzt sind als Männer. Jacinda Ardern antwortete im Interview mit dem Spiegel nur knapp: „Ja, für Frauen ist es anders. Punkt.“ Und unterband damit jegliche Nachfrage. Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, ebenfalls zu diesem Thema befragt, wurde deutlicher: „Frauen werden in unserer Gesellschaft generell kritischer behandelt als Männer. Sie werden stärker beäugt in ihrem Auftreten, ihrer Kleidung oder ihrem Aussehen“, sagte die Politikerin. „Sie stehen immer unter Druck, zu beweisen, dass sie kompetent sind.“

Was die Beobachtungen zweier Frauen aus der Politik sind, hat eine Auswertung der Personalberatung Russell Reynolds Associates für die Wirtschaft mit Zahlen untermauert. Für diese Untersuchung, die der WirtschaftsWoche exklusiv vorliegt, wertete die Beratung knapp 20.000 Medienartikel über rund 750 CEOs der größten börsennotierten Unternehmen Europas, Großbritanniens und der USA aus. In ihnen ging es zumeist um die Einschätzung von Analysten, Aufsichtsratsmitgliedern und Aktionären.

Das Ergebnis zeigt, wie unterschiedlich Männer und Frauen mit Blick auf bestimmte Attribute beurteilt werden. Ehrgeiz etwa wurde im Zusammenhang mit weiblichen Vorstandsvorsitzenden deutlich häufiger zur Sprache gebracht. Die Konnotation war dabei meist negativ. Die Frauen wurden mehr als doppelt so häufig wie die Männer als „zu ehrgeizig“ beschrieben. Kurioserweise sahen sie sich ebenso häufig dem Vorwurf zu geringer Ambitionen ausgesetzt.

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Ähnlich schlecht fallen die Beurteilungen der Frauen beim Selbstbewusstsein aus. In keinem einzigen der untersuchten Artikel wird einer weiblichen CEO das richtige Maß an Selbstbewusstsein zugeschrieben. Dafür müssen sie sich dreieinhalbmal so oft wie die Männer den Vorwurf gefallen lassen, „nicht selbstbewusst genug“ zu sein. Die Artikel beschrieben sie zum Beispiel als „schüchtern“, „zögerlich“ oder „unsicher“.

Andere Maßstäbe für weibliche Chefs

„Frauen können es einfach nicht richtig machen. Sie sind entweder zu ehrgeizig oder zu passiv“, kommentiert Annette Dölker von Russell Reynolds die Ergebnisse. In persönlichen Gesprächen würden Frauen ihr immer wieder berichten, dass sie an anderen Maßstäben gemessen würden als ihre männlichen Kollegen. „Medienberichte spiegeln dabei lediglich wider, was tief in unserer Gesellschaft verankert ist. Dieses Problem beginnt nicht in den Medien, sondern in den Köpfen.“

Dieses Problem beginnt nicht in den Medien, sondern in den Köpfen
Annette Dölker
Russell Reynolds

Ein weiterer signifikanter Unterschied zwischen Männern und Frauen macht die Berichterstattung, wenn die Chefs ihre Posten räumen. Zunächst einmal erhalten die Rücktritte weiblicher CEOs 70 Prozent mehr Aufmerksamkeit als die ihrer männlichen Kollegen. Zweitens sind die Einordnungen häufiger kritisch. 28 Prozent der Kommentare zum Ausscheiden weiblicher Vorstandsvorsitzender haben eine negative Konnotation. Bei den Männern ist dies nur in 18 Prozent der Berichterstattungen der Fall.

Außerdem fiel in der Untersuchung auf, dass Männer häufiger nach ihren fachlichen Kompetenzen, Frauen öfter nach ihrer Persönlichkeit bewertet werden. Um diese Geschlechterklischees aufzubrechen, helfe eine gezielte Karriereförderung von Frauen, die ihnen „Zugang zu den bisher von Männern dominierten Führungspositionen mit Ergebnisverantwortung verschafft“, sagt Dölker. Das sind neben der CEO-Position, zum Beispiel auch das Amt des Finanzchefs, Bereichsleitungen oder Verantwortlichkeiten für Regionen.

Zum anderen müssten alle Beteiligten, nicht nur die Medien, dieses Klischeedenken offen adressieren, um es langfristig aus den Köpfen zu bekommen, ist Dölker überzeugt.

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