Leben mit Aktien: Zwei Punkte machen Home Depot jetzt für Anleger interessant
Selbst Baumärkte können heutzutage zum Politikum werden. Das musste die US-Kette Home Depot in den vergangenen Wochen erfahren. Donald Trump will in großem Stil illegale Einwanderer abschieben. Um den Wunsch des Präsidenten zu erfüllen, schickt die zuständige US-Behörde Immigration and Customs Enforcement (ICE) seit Wochen ihre Spürhunde los – zuletzt auch auf Parkplätze von Home-Depot-Filialen. Die Parkplätze der Baumarktkette dienen als Marktplatz für Tagelöhner. Wer auf die Schnelle einen günstigen Handwerker sucht, wird hier fündig. Ob der Handwerker Papiere hat, ist dabei egal. Außer für die ICE.
Die Baumarktkette Home Depot war dank Heimwerker-Boom einer der Profiteure der Coronapandemie. Auch danach lief es – nach einem Post-Corona-Rücksetzer – zunächst nicht übel. Im Dezember 2024 kletterte der Aktienkurs auf sein bisheriges Rekordhoch bei rund 431 Dollar. Seit Beginn dieses Jahres aber geht es abwärts.
Aktuell notiert die Aktie rund 17 Prozent unter ihrem Hoch. Hauptgrund dafür sind nicht die Spürhunde der ICE, sondern durchwachsene Zahlen: Im abgelaufenen Geschäftsjahr stieg der Umsatz nur noch leicht. Die Marge war sogar rückläufig. Bessere Zahlen sind nicht in Sicht: Für das laufende Jahr erwartet Home Depot ein ähnliches Ergebnis wie im vergangenen Jahr. Doch ein Übernahmekampf könnte die Aussichten für die Aktie verbessern.
Krieg und Frieden: Navigieren durch oszillierende Szenarien
Home Depot hat dem Baustoffhändler Gypsum Management and Supply (GMS) ein Übernahmeangebot gemacht. Über dessen Höhe ist bisher nichts bekannt. Das Angebot war eine Reaktion auf eine Offerte des Home-Depot-Konkurrenten QXO. Dieser hatte zuvor fünf Milliarden Dollar für GMS geboten.
Fragmentierte Branchen zu suchen und durch Unternehmenskäufe größere Einheiten zu schaffen sei die Spezialität von QXO-Chef Bradley Jacobs, sagt Christian W. Röhl, Chefökonom von Scalable Capital, in der aktuellen Ausgabe des WirtschaftsWoche-Podcasts „Leben mit Aktien“. Jabobs hat bereits in der Abfallwirtschaft und in der Baumaschinenvermietung Unternehmen zusammengelegt.
Analysten gehen davon aus, dass eine Übernahme von GMS für Home Depot überwiegend positive Effekte hätte. Das gelte auch dann, wenn durch einen Bieterstreit der Übernahmepreis steigen sollte – wobei QXO sein Angebot bisher nicht erhöhen will. Home Depot würde mit dem Zukauf von GMS seine Stellung im Profisegment stärken, schreiben Analysten der Banken UBS und JP Morgan.
Ein Lehrstück für Aktienrückkäufe
Es gibt noch einen weiteren Punkt, der die Home-Depot-Aktie für Anleger interessant macht: Seit 2012 hat das Unternehmen rund 35 Prozent seiner im Umlauf befindlichen Anteilsscheine zurückgekauft. Das kann sich positiv auf den Kurs auswirken. Auf drei Faktoren sollten Anleger bei Aktienrückkäufen achten, sagt Röhl:
- Wie viele Aktien werden zurückgekauft?
- Woher kommt das Cash für den Rückkauf?
- Was passiert mit den Aktien nach dem Rückkauf?
Vor allem der letzte Punkt sei entscheidend. Dabei kann die Verwendung der zurückgekauften Aktien grob in drei Arten unterteilt werden:
- Akquisitionen
- Umverteilung an Mitarbeiter
- Einziehen beziehungsweise „Löschen“ der Aktien mit neuer Globalurkunde
Vor allem Tech-Unternehmen wie Amazon nutzen Aktienrückkäufe gern, um Aktien an ihre Mitarbeiter weiterzugeben. Diese sogenannten Stock-based Compensations sind zwar schön für die Mitarbeiter (oder oft auch nur das Management, dem die Kompensation in vielen Fällen zufließt). Den restlichen Aktionären bringen sie allerdings nichts. Nur, wenn die Zahl der Aktien tatsächlich sinkt, profitieren Aktionäre direkt. Denn dann verteilt sich der Gewinn des Unternehmens auf weniger Aktien.
Letzteres ist bei Home Depot der Fall. Das Unternehmen ist ein „Share Cannibal“, ein „Aktienkannibale“. So nannte der verstorbene Investor und Buffett-Vertraute Charlie Munger Unternehmen, die eigene Aktien zugunsten der Aktionäre zurückkaufen.
Eine Übersicht der Finanzplattform MarketWatch zeigt: Die 20 Unternehmen aus dem US-Index S&P 500 mit der höchsten Reduktion der umlaufenden Aktien haben in den vergangenen zehn Jahren an der Börse durchschnittlich 270 Prozent an Wert zugelegt. Der Gesamtindex ist im selben Zeitraum „nur“ 180 Prozent gestiegen. Rückkäufe sind zwar kein Garant für eine starke Kursentwicklung. Wie die Zahlen zeigen, haben sie aber oft einen positiven Einfluss auf den Kurs.
Wer gezielt auf den Rückkaufeffekt setzen will, kann das mit zwei ETFs tun: Ein Indexfonds von Amundi hat den S&P 500 im Fokus (LU1681048127), ein Invesco-ETF (IE00BLSNMW37) investiert weltweit in Unternehmen mit großen Rückkaufprogrammen.
Welche Unternehmen zu den 20 „Share Cannibals“ im S&P 500 gehören und wie sich Anleger in der aktuell, turbulenten Nachrichtenlage absichern, erfahren Sie in der aktuellen Folge von „Leben mit Aktien“.