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Autozulieferer in der KriseDas ist keine Notlage, sondern die natürliche Auslese

Der Chef von Zulieferer Webasto fordert für seine Zunft staatliche KfW-Kredite. Dabei müsste sich die Branche erst einmal radikaler transformieren. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Artur Lebedew 08.07.2025 - 15:35 Uhr
Eine Ladestation für Elektroautos Foto: picture alliance / Norbert Schmi

Anfang November 2021 veröffentlichte die deutsche Förderbank KfW, die staatseigene Kreditanstalt für Wiederaufbau, auf ihrem Hausblog eine neue „KfW Story“ über das vermeintliche nächste große Ding: den Batteriehersteller Northvolt und den Plan für „die grünste Batterie der Welt“. Angetrieben unter anderem durch: einen 600-Millionen-Euro-Kredit der KfW.

Nun, vier Jahre und eine Northvolt-Insolvenz später, müssen wir konstatieren: Das Geld wäre woanders besser angelegt gewesen. Der Staat und mit ihm die Förderbanken sind keineswegs Garanten dafür, dass es mit der Transformation auch wirklich klappt.

Womit wir bei den Hunderten Autozulieferern im Land wären. Und ihren mal leisen, mal lauteren Rufen nach staatlicher Unterstützung im Zuge der größten Veränderung der Industrie. Eine neue Idee brachte nun Jörg Buchheim, Chef des Zulieferers Webasto, ins Spiel. Von einem „Teufelskreis“ sprach er im Interview mit dem „Handelsblatt“: Seine Zunft müsse gerade jetzt in neue Technologie und Standorte investieren. Doch die Banken würden die Kredite verweigern. Sein Ansatz: „Wir brauchen mehr Liquidität, das ginge über mehr Bundeskredite und konkret über Zugänge zur Kreditanstalt für Wiederaufbau“, so Buchheim. Die staatlichen Garantien könnten helfen, „Zugang zum Kapitalmarkt zu schaffen“.

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Marktkräfte außer Kraft

An der Analyse ist zunächst nichts auszusetzen. Für viele Autozulieferer wird es derzeit richtig eng. Die wachsende Konkurrenz aus China, der Wandel zur Elektromobilität und die dominante Stellung von Software erfordern neue Geschäftsmodelle – das alles braucht Geld, viel Geld. Und doch: Das Problem mit Staatskrediten zu lösen, würde gerade jetzt die Marktkräfte außer Kraft setzen, wo sie für einen Wandel besonders dringend gebraucht werden.

Es gibt gute Gründe dafür, dass Banken bei Neuinvestitionen im Autosektor zögern. Sie zweifeln daran, ob sie das verliehene Geld wiedersehen.

Haben bestimmte deutsche Zulieferer Ideen, wie sie in Zukunft Umsätze generieren wollen? Und sind diese Unternehmen wirklich bereit, die Ideen konsequent durchzuziehen? Zuweilen ist es doch so, dass viele sich an dem, was jahrzehntelang funktionierte, festhalten und von radikalen Schnitten absehen.

Einen Lieferanten wechseln? Wäre nötig, aber geht ja auch so. Software vom Markt kaufen? Unsere Abteilung hat sich doch erst reingefuchst. Im Einzelfall mögen die Widerstandskräfte gut begründet sein. In der Gänze heißt es aber auch, dass der Handlungsdruck bei vielen noch nicht groß genug ist, die bisherige Praxis zu ändern.

Seit über einem Jahrzehnt ist klar, in vielen Studien und Expertenmeinungen ist es beschrieben worden, dass es bei der Transformation im Autoland Deutschland auch Verlierer geben wird. Wenn es tatsächlich so kommt, ist das für jeden einzelnen bitter. Aber in Teilen vermutlich unvermeidlich. Ob mit oder ohne KfW-Support: Dauerhaft werden nur die Unternehmen überleben, die auch die Banken von sich überzeugen können. Diese Auslese herauszuzögern, KfW-Milliarden zu vergießen, wo ohnehin nichts mehr wächst, hilft am Ende keinem.

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