Summer School ☀️: Drei weitere Buchtipps für die Sommerzeit
Wertepanorama
Man kann die Geschichte des Universalismus von John Locke oder Immanuel Kant her erzählen, aber dann hat sie gleich eine westliche, ideelle und unhistorische Schlagseite. Der Soziologe Hans Joas geht seit vielen Jahrzehnten einen anderen Weg. Und er zeichnet in seinem Opus magnum die Entstehung und (stets ungesicherte) Entwicklung eines weltumspannenden Ethos nach, in dessen Zentrum die Menschenwürde steht: von seinen jüdischen, christlichen, antiken, indischen und chinesischen Wurzeln über Gandhi und Martin Luther King bis heute. Ein bleibendes Wertepanaroma. Ein großer Wissensschatz. Die Summe eines beeindruckenden Forscherlebens.
Dieter Schnaas
Talent ist nicht alles!
Albert Einstein und seine Frau Mileva Marić waren schon getrennt, als er einen Verhaltenskodex für sie schrieb: Drei Mahlzeiten am Tag solle sie in sein Zimmer bringen, keine anderen Beziehungen eingehen und schweigen, wenn er es verlangt. Ein exzentrisches Genie? Dieses Narrativ fordert Helen Lewis in „The Genius Myth“ heraus. Ob Einstein, Picasso oder Elon Musk: Anhand vieler Beispiele zeigt sie, wie sich Menschen, sobald sie als genial gelten, jenseits der moralischen Verantwortung bewegen – und noch bewundert werden. Lewis’ Ton schwankt, zuweilen fehlt die Tiefe. Genau das macht ihr Buch aber zugänglich für alle, die genug vom alten Kult haben.
Maja Brankovic
Vergesst Musk!
Genau ein Jahrzehnt ist es her, dass dieses Buch vom US-Autor Ashley Vance zur Schlüssellektüre des Silicon Valley wurde: „Wie Elon Musk die Welt verändert“, die Biografie über den heute reichsten und einflussreichsten Gründer der Welt. Gut möglich, dass mal ähnlich gesprochen wird über „The Optimist“, Biografie und Psychogramm des OpenAI-Gründers Sam Altman. Wer sich von dem Buch der Journalistin Keach Hagey ein umfassendes Verständnis der Person erhofft, seines Denkens und seiner Ziele, wird nicht enttäuscht. Nur sollte man vorgewarnt sein: Viel freundlicher als der heute verbreitete Blick auf Musks Wirken ist Hageys Perspektive auf Altman nicht.
Konrad Fischer
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