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LebensmittelkonzernBeziehung zu Mitarbeiterin: Nestlé entlässt Konzernchef Laurent Freixe

Der abrupte Chefwechsel ist der jüngste Vorfall in einer der turbulentesten Phasen der Nestlé-Firmengeschichte. Analysten zeigen sich besorgt, die Aktie gibt nach. 02.09.2025 - 10:46 Uhr
Der Nestlé-Hauptsitz befindet sich in Vevey, eine kleine Schweizer Stadt am Genfer See Foto: picture alliance/KEYSTONE

Der zweite abrupte Chefwechsel bei Nestlé stürzt den Schweizer Nahrungsmittelriesen in Turbulenzen. Investoren und Analysten sind besorgt: „Dies ist nicht die Art von Nestlé, die Dinge zu regeln, zwei Chef-Ablösungen in etwas mehr als einem Jahr zu haben“, sagte Jon Cox, Analyst bei Kepler Cheuvreux, am Dienstag. Im frühen Handel sackten die Nestlé-Aktien um mehr als zwei Prozent ab.

Der Konzern hatte am späten Montagabend den Rauswurf von Konzernchef Laurent Freixe bekanntgegeben und Nespresso-Chef Philipp Navratil zu dessen Nachfolger ernannt. Grund für die Entlassung ist eine nicht offengelegte Beziehung Freixes zu einer direkten Untergebenen. Dies sei ein Verstoß gegen den Verhaltenskodex des Unternehmens, erklärte Nestlé. Der Manager, der seit 39 Jahren für den Konzern arbeitet, werde keine Abfindung erhalten.

Der abrupte Abgang ist der jüngste Vorfall in einer der turbulentesten Phasen der Firmengeschichte. Er folgt auf die plötzliche Ablösung von Freixes Vorgänger Mark Schneider vor einem Jahr. Zudem hatte der langjährige Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke vor zweieinhalb Monaten seinen Rücktritt für 2026 angekündigt.

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Neuer Chef ohne gründliche Suche

Die Analysten von JPMorgan zeigten sich besorgt. Die Nachricht dürfte die Anleger kaum beruhigen, da das Unternehmen zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres einen neuen Chef ohne eine gründliche Suche ernannt habe. Der erneute Wechsel an der Spitze dürfte Fragen zur mittelfristigen Ausrichtung von Nestlé aufwerfen, bis mehr über Navratils Pläne bekannt sei, hieß es in einer Einschätzung der Bank. Zudem äußerten die Experten die Sorge, der neue Chef Navratil könne durch Freixes Sanierungsstrategie eingeengt sein, von der der Markt nicht überzeugt sei.

„Der Markt hat Freixe nicht besonders gemocht und die Unstrukturierungsziele wurden ebenfalls auf die lange Bank geschoben“, kommentierte Maurizio Porfiri, Anlagechef von Maverix Securities, den Wechsel an der Nestlé-Spitze. Nun komme es zu einem weiteren Neustart. „Es ist an der Zeit, dass bei der Führung des Weltkonzerns wieder mehr Stabilität einkehrt.“

Nach einem Verstoß gegen den Verhaltenskodex gefeuert: Laurent Freixe (Archivbild). Foto: REUTERS

Der Hersteller von Nescafé-Kaffee und KitKat-Schokoriegeln kämpft seit längerem mit einer mauen Geschäftsentwicklung und einem sinkenden Aktienkurs. Das Papier hat in den vergangenen fünf Jahren fast ein Drittel seines Wertes verloren und sich damit schlechter entwickelt als die europäische Konkurrenz. Auch unter Freixes einjähriger Führung setzte sich der Abwärtstrend fort.

Erster Hinweis über eine interne Hotline

Ein erster Verdacht einer möglichen Beziehung zwischen Freixe und einer direkten Untergebenen sei im Frühjahr über eine interne Hotline des Unternehmens aufgekommen, erläuterte ein Unternehmenssprecher. Der Verwaltungsrat habe daraufhin eine Untersuchung eingeleitet, die jedoch ergebnislos verlaufen sei. Da die Bedenken jedoch anhielten, habe das Unternehmen eine zweite Untersuchung gestartet, die von Verwaltungsratspräsident Bulcke und dem Verwaltungsratsmitglied Pablo Isla überwacht und von einer externen Firma unterstützt worden sei. Diese habe die Beziehung bestätigt. Freixe habe die Beziehung gegenüber dem Verwaltungsrat zunächst bestritten, fügte der Sprecher hinzu.

Die Entlassung Freixes schaffte es auf die Titelseiten Schweizer Zeitungen. Die „Neue Zürcher Zeitung“ schrieb, Nestlé habe seine „legendäre Stabilität“ verloren, bei der Vorstandschefs jahrelang im Amt blieben und schließlich zum Präsidenten des Verwaltungsrats aufstiegen. Analyst Cox fügte hinzu: „Hoffentlich bringt sie das wieder auf den richtigen Weg.“

dpa, rtr
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