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NestléNestlé bekommt zwei neue Spitzenmanager – das Kernproblem bleibt

13 Monate, drei CEOs – und jetzt auch noch ein neuer Verwaltungsratspräsident. Nur eines bleibt: die erfolglose Strategie. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Nele Antonia Höfler 19.09.2025 - 13:19 Uhr
Paul Bulcke war acht Jahre lang Nestlé-Verwaltungsratspräsident. Foto: REUTERS

Der Schweizer Traditionskonzern Nestlé ähnelte in den vergangenen Jahrzehnten in vielem dem deutschen Behördentum: Entscheidungen brauchten Zeit und folgten klaren Regeln. Ein Tanker wie Nestlé, hieß es immer, der müsse Kurs halten. Sowohl Strategie, Portfoliomanagement als auch Personalentwicklung sind bei dem Lebensmittelhersteller deshalb auf Beständigkeit getrimmt.

Wer einmal zum Konzernchef ernannt wurde, blieb es viele Jahre lang und stieg anschließend für viele weitere in das Verwaltungsratspräsidium auf. Darauf konnten sich sowohl Vorstandsvorsitzende als auch die Börse verlassen.

Seit einem Jahr aber geht bei Nestlé alles ganz schnell. Im August 2024 musste Mark Schneider überraschend seinen Platz als Konzernchef räumen, nachdem Nestlé seine Ziele verfehlte und der Börsenwert des Unternehmens zunehmend an Boden verlor. An Schneiders Stelle trat Laurent Freixe. Doch auch der musste vor einigen Wochen gehen. Grund dafür war eine Affäre mit einer direkt unterstellten Mitarbeiterin – die, je nachdem, wen man fragt, streng geheim oder ein offenes Geheimnis war.

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Seit Dienstagabend ist klar: Auch der langjährige Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke tritt zurück. Zwei Chefwechsel in einem Jahr waren den meisten Investoren wohl mindestens einer zu viel.

Von Kompromiss bis Notlösung

Nestlé befindet sich also im Ausnahmezustand. So schnell folgen die Abgänge aufeinander, so eng sind sie miteinander verbunden, dass keine Zeit fürs firmenübliche Abwägen, Vorbereiten und Einarbeiten bleibt. In beiden Fällen musste eine schnelle Lösung her. Neuer Nestlé-Chef ist der bisherige Nespresso-Chef Philipp Navratil. Zum neuen Verwaltungsratspräsidenten wurde der bisherige Nestlé-Vizepräsident Pablo Isla ernannt, der einen Großteil seiner bisherigen Karriere bei der Zara-Mutter Inditex verbracht hat.

Somit hat Nestlé zwei neue Spitzenmanager, aber ein verbleibendes Kernproblem: Die derzeitige Ausrichtung des Konzerns überzeugt die Anleger nicht. Als Beleg genügt der Blick auf den Aktienkurs: Ende Juli fiel die Nestlé-Aktie kurzzeitig unter die Marke von 70 Franken – der tiefste Stand seit 2016. Mit seiner „Zurück zu den Wurzeln“-Strategie konnte Freixe die Anleger also offenbar nicht überzeugen.

Nur versprechen auch die personellen Änderungen keine strategische Neuausrichtung des Konzerns: „Ich stehe voll und ganz hinter der strategischen Ausrichtung des Unternehmens“, ließ sich Navratil in einer Pressemitteilung des Konzerns zitieren. Auch der Nestlé-Verwaltungsrat betonte, dass die strategische Ausrichtung unter dem neuen CEO unverändert bleibe.

Dabei bleibt fraglich, wie genau es den neuen Führungskräften nun gelingen soll, die Anleger von der – bereits bekannten und von der Börse verworfenen – Strategie zu überzeugen. Der erneute plötzliche Führungswechsel hat Nestlé zusätzliches Vertrauen gekostet. Noch dazu gilt Navratil bei Kritikern als Notlösung. Der Manager galt zwar bereits als Anwärter für den Chefposten, aber erst zu einem späteren Zeitpunkt. Noch 2020 umfasste die Verantwortung des Managers lediglich das mexikanische Nespresso-Geschäft. Zum Leiter des internationalen Nespresso-Geschäfts wurde er im vergangenen Jahr, im Vorstand ist er seit Jahresbeginn.

Natürlich hat auch Navratil dennoch seine Chance verdient. Neue Köpfe bedeuten frischen Wind. Und vielleicht nimmt Navratil sich auch nur ein bisschen Zeit, um doch noch die strategische Neuausrichtung anzugehen. Die Notwendigkeit sollte auch für Nestlé-Fans inzwischen unübersehbar sein.

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