1. Startseite
  2. Management
  3. Führung
  4. Künstliche Intelligenz übernimmt Aufgaben bei Lufthansa: Braucht es noch Leute in der Zentrale?

Management-Moment der WocheKI als Jobkiller – braucht es noch Leute in der Verwaltung?

Bei der Lufthansa sollen 4000 Stellen wegfallen – weil KI Aufgaben übernimmt. Ist es wirklich an der Zeit, Personaler, Buchhalter, ITler zu ersetzen?Dominik Reintjes 05.10.2025 - 14:23 Uhr
Bei der Lufthansa sollen bis 2030 4000 Stellen in der Verwaltung wegfallen Foto: Hannes P. Albert/dpa

Das ist passiert

Die Lufthansa will bis 2030 4000 Stellen in der Verwaltung streichen: etwa in den Bereichen Finanzen, Personal und IT. Also den klassischen Funktionen in der Konzernzentrale. Das Unternehmen begründet den Stellenabbau selbst so: „Insbesondere die tiefgreifenden Umwälzungen durch Digitalisierung und der vermehrte Einsatz von künstlicher Intelligenz werden in vielen Bereichen und Prozessen für mehr Effizienz sorgen.“

Kann KI tatsächlich schon die Aufgaben von Controllern, Personalern, ITlern und Marketingexperten übernehmen, sie vielleicht sogar ersetzen? Sollten Unternehmen sich jetzt schon von ihnen trennen? Und wie halten sie diejenigen bei Laune, die sie nicht verlieren wollen?

Das können Sie daraus lernen

Zuallererst: Die Lufthansa ist mit ihren Plänen nicht allein. Forscher des ifo Instituts fanden vor wenigen Wochen heraus: 27,1 Prozent der Firmen gehen davon aus, dass es aufgrund von künstlicher Intelligenz in den kommenden fünf Jahren zum Abbau von Stellen kommen wird. In der Industrie und im Handel rechnen überdurchschnittlich viele Firmen damit.

Arbeitsmarkt

Was tun, wenn der Traumjob gerade nicht gefragt ist?

In vielen Berufen sind die Aussichten gerade mies. Also nichts wie weg und in einen sicheren Job flüchten? Es geht auch anders.

von Leonard Knollenborg und Dominik Reintjes

1. KI kann das!
Die entscheidende Frage ist: Was kann KI denn heute schon tatsächlich übernehmen? Und sind Menschen in Bürojobs besonders gefährdet?

Forscher des Techkonzerns Microsoft haben kürzlich ausgewertet, welche Berufe sich am stärksten mit den Fähigkeiten von KI-basierten Sprachmodellen wie Microsoft Copilot überschneiden. Unter mehr als 800 analysierten Berufen hat die KI demnach den stärksten Einfluss auf den Job des Übersetzers. Zu den am stärksten betroffenen Berufen zählen aber auch Vertriebsmitarbeiter. Bei den Aufgaben von Marktforschern, Datenwissenschaftlern, Web-Entwicklern, Mitarbeitern im Kundensupport und der Öffentlichkeitsarbeit ist die Überschneidung mit KI ebenfalls hoch.

2. Wie viel Zentrale darf’s sein?
Virginia Sondergeld, Ökonomin bei der Jobplattform Indeed, beobachtet, dass Unternehmen gerade „vor allem Stellen streichen, die nicht unmittelbar Umsatz generieren“. Und das sind eben Jobs in der Zentrale: Während die Zahl der Stellenanzeigen über alle Jobprofile hinweg zuletzt um knapp zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen ist, fiel der Rückgang bei klassischen Bürojobs deutlich stärker aus: 14 Prozent in Buchhaltung und Recht, 19 Prozent im Marketing, fast 20 Prozent in der Softwareentwicklung und 25 Prozent im Personalwesen. All diese Entwicklungen beobachtet Ökonomin Sondergeld nun schon seit einigen Jahren.

Summer School ☀️

Wenn KI alles weiß: Was lohnt sich noch zu lernen – und an welchen Hochschulen?

Künstliche Intelligenz bedroht die Jobs von Kopfarbeitern – und avanciert zum Coach von Managern und Führungskräften. Was und wo muss ich lernen, damit ich ChatGPT beherrsche – und nicht ChatGPT mich?

von Dominik Reintjes und Leonard Frick

Beraterinnen und Berater empfehlen ihren Kunden häufig in einer Krise, die Ausgaben in Vertrieb und Verwaltung zu drücken. Diese Verschlankungen ließen sich zuletzt bei einigen Dax-Konzernen beobachten.

Spannend ist nun allerdings: Wenn die Anzahl der Jobs in der Zentrale derzeit ohnehin sinkt, wird KI diesen Trend dann noch mal verstärken? Vera Lehmann geht davon aus. „Stück für Stück“ werde der Personalbedarf in Zentralfunktionen sinken. Lehmann berät ihre Kunden für Kienbaum unter anderem in Fragen der Unternehmensstruktur.

Lehmann weiß: Wie viele Mitarbeiter in der Zentrale arbeiten, unterscheidet sich je nach Branche stark: „Im Handel liegen die Kosten für die Zentrale unter dem Schnitt, die Organisationen sind in der Regel sehr schlank, das Geld wird auf der Fläche, also in den Filialen, verdient. Außerdem sind die Margen im Vergleich recht niedrig, die Firmen können sich keinen Wasserkopf leisten.“ In Dienstleistungsfirmen wie Kanzleien, Beratungen und IT-Dienstleistern liege der Anteil bedeutend höher. Und auch Pharma- und Gesundheitsfirmen, bei denen die Margen meist besser ausfallen als etwa im Handel, leisteten sich in der Regel mehr Zentralfunktionen, so Lehmann.

Künstliche Intelligenz

KI im Job? „Es wird ignoriert, gelogen oder sabotiert“

Künstliche Intelligenz soll die Arbeit erleichtern. Doch häufig führt sie stattdessen zu neuen Herausforderungen – auch in der Führung, zeigt eine neue Studie.

von Anabel Schröter

3. Nicht zu voreilig
Vera Lehmann empfiehlt ihren Kundinnen und Kunden, möglichst schnell zu analysieren, wo KI Aufgaben übernehmen kann. „KI-Agenten brauchen keinen Urlaub, sind nie krank, übernehmen ihre Aufgaben rund um die Uhr – die Potenziale sind in vielen administrativen Jobs riesig.“ Und doch rät Lehmann bei möglichen Stellenstreichungen zur Vorsicht: „Zu Beginn sollten Firmen gründlich analysieren, in welchen ihrer Funktionen das Potenzial am größten ist – und vor allem, ob ausreichend gute Daten in strukturierter Form vorliegen, damit die Automatisierung überhaupt funktioniert.“

Es werde, so Lehmann, in vielen Unternehmen nicht funktionieren, „dass KI von heute auf morgen die Tätigkeiten übernimmt, die vorher noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgeführt haben – solange grundlegende Rahmenbedingungen wie KI-Ethik, Mitbestimmung und klare Regeln im Umgang mit der Technologie im Unternehmen fehlen.“. Vorher müssten Menschen die Daten strukturieren, die KI-Agenten programmieren, sie trainieren, sobald sich Gesetze und Regularien ändern.

4. Den Ton treffen
Die Kommunikation der Lufthansa rund um den Effizienzkurs dürfte auch darauf abzielen, Aktionärinnen und Aktionäre milde zu stimmen. Immerhin verfängt die Botschaft, dass sich ein Konzern effizienter, schlanker, digitaler aufstellen wolle, in der Regel am Kapitalmarkt.

Allerdings drängt sich die Frage auf, wie die Kommunikation auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wirkt, die weiterhin in der Zentrale arbeiten. Deren direkte Kollegen womöglich ihre bisherigen Jobs verlieren. Lehmann sieht hier Führungskräfte und Personalabteilung in der Pflicht: „Sie müssen den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Entwicklungsperspektive aufzeigen und nachvollziehbar darlegen, warum sie noch gebraucht werden, wie wichtig technologische Kompetenzen sein werden.“ Denn: „Die KI geht nicht für uns ins Meeting, führt keine emotionalen Gespräche, trifft mitunter keine strategischen Entscheidungen.“

Führung in der Krise

Mal hart, mal weich: Wie Chefs der Wechsel gelingt

Chefs müssen unbequeme Entscheidungen treffen – und ihren Mitarbeitern trotzdem Freiräume bieten. Bei dem steten Wechsel gilt es, einiges zu beachten.

von Dominik Reintjes

5. Jobprofile anpassen
Ökonomin Virginia Sondergeld beobachtet bereits, dass Unternehmen den Zuschnitt ihrer Jobs stärker auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz ausrichten: „Je mehr KI-Kompetenz ich mitbringe, desto gefragter bin ich – auch in klassischen Bürojobs“, sagt sie. Im Personalwesen und im Marketing, wo die Zahl der Stellenanzeigen seit Jahren fällt, steigt zumindest die Anzahl an Jobausschreibungen deutlich, die künstliche Intelligenz erwähnen.

Umso wichtiger ist es also, dass Unternehmen ihre bestehenden Mitarbeiter weiterbilden. „Damit sie mit der KI arbeiten, nicht gegen sie“, wie Sondergeld es formuliert. Die Ökonomin hat eine Stelle entdeckt, die die aktuelle Entwicklung am Arbeitsmarkt gut widerspiegelt: Eine Firma sucht einen „Senior Project Manager HR“, mit dem Schwerpunkt auf KI. Teil der Aufgabe: „Du identifizierst Optimierungsbedarfe mit Fokus auf KI und Machine Learning.“ Für Sondergeld zeigt das: „Personaler, die gefragt sind, kennen sich mit KI aus und wissen, wo ihre Arbeitgeber Prozesse optimieren können.“ Oder sogar Personal einsparen können.

Mehr zum Thema
Unsere Partner
Anzeige
Stellenmarkt
Die besten Jobs auf Handelsblatt.com
Anzeige
Homeday
Homeday ermittelt Ihren Immobilienwert
Anzeige
IT BOLTWISE
Fachmagazin in Deutschland mit Fokus auf Künstliche Intelligenz und Robotik
Anzeige
Remind.me
Jedes Jahr mehrere hundert Euro Stromkosten sparen – so geht’s
Anzeige
Presseportal
Lesen Sie die News führender Unternehmen!
Anzeige
Bellevue Ferienhaus
Exklusive Urlaubsdomizile zu Top-Preisen
Anzeige
Übersicht
Ratgeber, Rechner, Empfehlungen, Angebotsvergleiche
Anzeige
Finanzvergleich
Die besten Produkte im Überblick
Anzeige
Gutscheine
Mit unseren Gutscheincodes bares Geld sparen
Anzeige
Weiterbildung
Jetzt informieren! Alles rund um das Thema Bildung auf einen Blick