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The Creative ClubUnternehmen hinter Stoffe.de und Makerist im Insolvenzverfahren

In der Corona-Zeit boomten Handwerksarbeiten. Heute geben Hobbynäher weniger Geld für Materialien aus. Das bekommt auch The Creative Club zu spüren.Lisa Ksienrzyk, Henryk Hielscher 09.10.2025 - 13:04 Uhr
Der Hamburger Textilhersteller The Creative Club hat vorrangig Stoffe online verkauft. Foto: PR

Nachdem das Do-it-yourself-Portal Makerist Ende März bereits geschlossen wurde, zieht auch dessen Mutterfirma The Creative Club nach. Die Gesellschaft hinter Marken wie Makerist und dem Onlineshop Stoffe.de steckt im vorläufigen Insolvenzverfahren. Das Hamburger Unternehmen steht nach 22 Jahren kurz vor dem Aus. Rechtsanwalt Nicolas Kaiser von der Kanzlei Turner Legal wurde als vorläufiger Insolvenzverwalter der dahinterliegenden FabFab GmbH eingesetzt.

Der Kern des Creative Clubs sind Textilien. Die Firma verkauft Stoffe für Hobbynäher, teils über eigene Linien. Auf der Plattform Makerist hingegen haben private Designer Schnittmuster, Häkel- und Strickanleitungen sowie andere Bastelprojekte verkauft. Die Hamburger Gesellschaft verdient ihr Geld mit Handwerksarbeiten. Doch zuletzt lief es nicht gut.

„Anstoß für den Insolvenzantrag war nach derzeitiger Kenntnislage die Weigerung der Hauptgesellschafterin, dringend benötigtes frisches Kapital in die Gesellschaft zu geben“, erklärt Insolvenzverwalter Kaiser gegenüber der WirtschaftsWoche. Mehrheitseigentümerin ist eine luxemburgische Holdinggesellschaft. Wer dahintersteckt, ist unklar. Früheren Angaben zufolge koordinierte der Schweizer Fondsverwalter Rianta Capital Ende 2015 die Mehrheitsübernahme von The Creative Club über ein eigenes Investmentvehikel. In einer anderen Mitteilung ist von einem britischen Family-Office aus der Textilbranche die Rede, das sich zu dem Zeitpunkt einkaufte.

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In ihren Büchern bewertete die Hauptgesellschafterin Lesing FabFab ihre Beteiligung an The Creative Club Ende letzten Jahres noch mit rund 37 Millionen Euro. Unterlagen dieser Holdinggesellschaft zufolge erhielt der Hamburger Stoffhersteller seit 2015 mehrere Tranchen in Millionenhöhe. Allein im vorigen Jahr investierte die Gesellschaft zehn Millionen Euro an Eigenkapital und über vier Millionen Euro in Form von Darlehen. Diese Kredite wären Anfang des Jahres fällig gewesen.

Der vorläufige Insolvenzverwalter Nicolas Kaiser möchte den Betrieb vorerst weiterlaufen lassen. Etwa 170 Angestellte arbeiten derzeit für The Creative Club. „Ich bin optimistisch, dass eine Sanierungslösung gefunden werden kann, da sich bereits verschiedene Übernahmeinteressenten gemeldet haben“, teilte Kaiser mit.

Interesse an DIY, aber für weniger Geld

Laut der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) erlebte Handarbeit in den vergangenen Jahren einen Boom – vor allem während der Coronapandemie und der Lockdowns. Gemäß einer Studie von 2024 steigt die Zahl der Frauen, die sich zumindest gelegentlich mit DIY-Projekten beschäftigen, stetig an. Zudem wird die Zielgruppe immer jünger. Der GfK zufolge kauft die Hälfte der Befragten ihre Materialien in Onlineshops ein, Tendenz steigend – für den Creative Club also eigentlich eine gute Ausgangssituation. Dennoch sinkt das Marktvolumen für Handarbeiten in Deutschland jährlich.

Der Branchenverband Initiative Handarbeit machte für den Markt voriges Jahr einen Gesamtumsatz von 961 Millionen Euro aus – ein Rückgang von 4,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Der Bedarf an Strick- und Häkelwerkzeug nehme zwar zu, aber Nähprojekte würden seltener in Angriff genommen. Den Großteil des Umsatzes generiert The Creative Club mit Stoffe.de, einer Marke für Näherinnen. „Viele Konsumentinnen verfügen über massive Stoffvorräte, die zunächst verarbeitet werden, bevor neue Käufe getätigt werden. Dies führt kurzfristig zu einer zurückhaltenden Nachfrage“, erklärt der Verband den Rückgang bei Stoffkäufen.

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The Creative Club sah sich früh in der Verantwortung, zu reagieren. In einem ersten Schritt stellten die Hamburger zum 31. März Makerist ein. Der Betrieb sei nicht insolvent, betonte die Marke damals. „Wir können die Plattform langfristig nicht mehr nachhaltig und wirtschaftlich betreiben“, lautete die Begründung stattdessen. Mehr als 200 Personen beschäftigte die Muttergesellschaft zu dem Zeitpunkt noch.

Makerist war 2013 als Start-up gestartet. Das Gründerduo um Axel Heinz und Amber Riedl nahm mehrere Millionen Euro Wagniskapital auf, unter anderem von den Venture-Capital-Armen der Verlagshäuser Gruner + Jahr sowie Ringier. Sieben Jahre später verkauften sie ihre Plattform an The Creative Club, der damals noch unter dem Namen FabFab firmierte. Einen zweistelligen Millionenbetrag bezahlten die Hamburger für das Berliner Start-up. Der neue Geschäftsführer Andreas Seifert baute seine Gesellschaft zu einem DIY-Haus um, änderte Namen und Strategie. Der Großteil der Makerist-Eigentümer behielt bis zuletzt Anteile.

Die Geschäftsführung des Creative Clubs wurde in den vergangenen Jahren hingegen mehrfach ausgetauscht. Makerist-Gründer Heinz erhielt eine Rolle als Co-CEO, verließ das Unternehmen aber mit dem Aus seines Portals. Seifert war ebenfalls Monate vorher ausgeschieden, da sein Vertrag endete. Übrig blieb nur noch Victoria Herzog, die sich in der Firma nach oben gearbeitet hatte.

Wie hoch die Erlöse des Hamburger Textilherstellers waren, ist nicht öffentlich einsehbar. Der letzte Finanzbericht stammt aus 2021. In dem Jahr schrieb The Creative Club einen Umsatz von 26 Millionen Euro. Die Verluste lagen bei drei Millionen Euro. Für die beiden darauffolgenden Jahre prognostizierte man einen Umsatzrückgang im Vergleich zu 2021.

Die Unternehmensgruppe Der Stoff befindet sich seit Juli ebenfalls im Insolvenzverfahren und will den Prozess nun in Eigenverwaltung lösen. Der Textilhändler betreibt einen gleichnamigen Onlineshop sowie 37 Filialen. Einige davon wurden bereits geschlossen.

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