Sustainable Impact Award: Nachhaltigkeit ist abgesagt? Von wegen! Diese fünf Unternehmen trotzen dem Abschwung
Obwohl es zurzeit so scheint, als seien viele Menschen von der grünen Transformation überfordert – es gibt immer noch Unternehmerinnen und Unternehmer, die an der Idee festhalten. Und die ihr grünes Geschäftsmodell mit Erfolg vorantreiben. Energie, Material und Abfälle einsparen – das ist der gemeinsame Nenner der diesjährigen Preisträger des Sustainable Impact Awards, den die WirtschaftsWoche zusammen mit dem Versicherer Generali und dem Kaffeekonzern Lavazza vergibt.
Während die Widerstände gegen eine ehrgeizige Klimapolitik wachsen, werden die wirtschaftlichen Schäden, die der Klimawandel auslöst, immer größer. Wissenschaftler stellen fest, dass sich die Lebensgrundlagen so schnell verändern wie noch nie zuvor. Gab es 1950 im Schnitt drei Hitzetage pro Jahr, also Tage mit Temperaturen über 30 Grad, sind es heute zwölf. Das ist eine Vervierfachung innerhalb von 75 Jahren. Lange galt der Klimawandel vor allem als Problem für andere Weltregionen. Mittlerweile wissen die Klimaforscher jedoch: Europa ist der Kontinent, der sich am schnellsten erwärmt. Besonders die Mittelmeerregion steht unter Druck durch den Klimawandel.
Deswegen transparent und ehrgeizig neue Nachhaltigkeitsstandards zu setzen – das ist das Anliegen dieser fünf Unternehmen, die die Jury des Sustainable Impact Awards am Donnerstagabend prämiert hat.
Ein langes Leben für Berufsbekleidung
Das größte Unternehmen unter den Preisträgern ist der Arbeitsbekleidungsdienstleister CWS Workwear. Das Geschäftsmodell: Arbeitskleidung an die Kunden vermieten und gleichzeitig Wäsche und Reparaturen als Service anbieten. Das Unternehmen ist mit mehr als 5000 Mitarbeitern europaweit tätig. Allein 65 Standorte betreibt CWS Workwear in Deutschland.
Was das Geschäftsmodell nachhaltig macht: Die Arbeitskleidung soll möglichst lange halten. Und weil das Unternehmen die Kleidung vermietet und nicht verkauft, ist der Anreiz groß, selbst auf Qualität zu achten. „Wir haben europäisch geprägte Lieferketten und arbeiten mit unseren Partnern schon sehr lange zusammen“, erklärt Leonie Biesen, zuständig für Nachhaltigkeit bei CWS Workwear, bei der Preisverleihung. Und ergänzt: „Die Berufsbekleidungsbranche ist klein im Vergleich zur großen Textilindustrie, deswegen freuen wir uns umso mehr über die Anerkennung.“
Weitere Hebel, um Emissionen zu senken, seien laut dem Unternehmen, eigene Photovoltaikanlagen und die Transporter, die die Kleidung zu den Kunden bringen, auf Elektromotor umzustellen. Auch den Wasserverbrauch in den Wäschereien will CWS Workwear reduzieren.
Die Kunden stammen vor allem aus der Industrie und dem Handwerk, aber auch aus der Lebensmittel- und Getränkeindustrie. 2024 machte CWS Workwear einen Umsatz von 660 Millionen Euro. Das Unternehmen gehört zu CWS International, das wiederum ein Portfoliounternehmen von Franz Haniel ist, einem Duisburger Family-Equity-Unternehmen. CWS Workwear arbeitet eigenständig unter CEO Hartmut Engler, der das Unternehmen seit 2021 leitet.
Mit einfachen Mitteln gegen Chemikalien
Die Essener Cornelsen Gruppe hat sich auf ein Verfahren spezialisiert, mit dem sich gesundheitsschädliche Chemikalien aus Wasser herausfiltern lassen. Diese sogenannten PFAS-Chemikalien bauen sich nicht von selbst ab, wenn sie in die Umwelt gelangen. Deswegen werden sie auch „Ewigkeitschemikalien“ genannt. Sie sind in Verpackungen und Textilien enthalten, aber beispielsweise auch in der Beschichtung von Pfannen. „Wir alle haben PFAS-Chemikalien mittlerweile im Körper“, erklärt Geschäftsführer Martin Cornelsen. „Die Gesundheitsschäden, die daraus entstehen, werden uns die nächsten Jahrzehnte begleiten.“
Das Verfahren hat Cornelsen gemeinsam mit dem Fraunhofer UMSICHT Institut entwickelt. Das Innovative daran: Im Vergleich zu anderen Filtern braucht dieser weniger Aktivkohle und spart dadurch Material. Andere Verfahren setzen auf Wärmeeinsatz – auch darauf ist der Filter von Cornelsen nicht angewiesen, was den Energiebedarf senkt. Diese Zusammenarbeit mit den Universitäten empfiehlt Cornelsen als Erfolgsrezept: „Wir brauchen mehr Kooperation zwischen Mittelstand und unseren exzellenten Hochschulen.“
Bei dem Verfahren handelt es sich um einen flüssigen, biologisch abbaubaren Wirkstoff, der in das kontaminierte Wasser gegeben wird. Der Wirkstoff reagiert mit den Chemikalien und lässt sich danach herausfiltern. Weil das direkt vor Ort gehe, falle auch kein Transport an, so das Unternehmen. Ein Anwendungsfall etwa ist Löschschaum, den die Feuerwehr früher bei Übungen genutzt hat. Nach einem Einsatz ist hier oft eine Dekontamination erforderlich.
Die EU-Kommission hat mittlerweile mehrere Gesetze auf den Weg gebracht, die die Verwendung von PFAS-Chemikalien einschränken. In Löschschaum sollen sie in Zukunft beispielsweise nicht mehr enthalten sein. Auch der Einsatz besonders langlebiger Chemikalien ist nun verboten.
Die Cornelsen Gruppe hat einen Zweig in Großbritannien und seit diesem Jahr auch in Schweden und den USA. Weitere Standorte seien gerade im Aufbau, so das Unternehmen. 35 Mitarbeiter beschäftigt die Cornelsen Gruppe in Deutschland, 65 sind es insgesamt.
Start-up Abnoba: Holz retten mit KI
Alissa Beck und Jonas Breiner stehen mit ihrem Start-up Abnoba noch ganz am Anfang. Beck ist Bauingenieurin mit 20 Jahren Erfahrung in der Branche und möchte Künstliche Intelligenz dafür einsetzen, vermischten Materialabfall besser zu sortieren. Häufig würde diese Arbeit immer noch von Mitarbeitern nach Augenmaß vorgenommen, erklärt Beck.
Die Idee: Können durch die Klassifizierung Abfälle vermieden werden, spart das Emissionen – und Geld. Beispiel Holz: In Baden-Württemberg werde bereits viel mit diesem Wertstoff gebaut, um Emissionen zu sparen. Die Soft- und Hardwarelösung, die Abnoba als Lizenzmodell anbieten will, soll ein Schritt hin zu einem Holz-Kreislauf sein. Ein weiteres wirtschaftliches Argument: Für Recyclinganlagen ist schlecht sortierter Abfall teuer. Deshalb sind das die Kunden, an die sich Beck zuallererst wendet.
Jonas Breiner freut sich über den Austausch mit den Preisträgern von Feralpi Stahl. Diese stünden nämlich auch vor der Herausforderung, Stahlschrott möglichst sortenrein zu sortieren. Hier wolle Abnoba ansetzen: „Wir sortieren den Stahlschrott und ihr schmelzt ihn ein“, schlägt Breiner vor.
Auch die Metallerkennung sei für ihre Kunden interessant, erzählt Beck. „Das ist Feedback, das wir bisher bekommen haben.“ Aktuell arbeitet das Zwei-Personen-Start-up noch an den Feineinstellungen des KI-Modells, damit sich die Erkennung per Videokamera auch auf andere Anlagen übertragen lässt.
Feinste Drähte für die Elektroindustrie
Das Unternehmen Elschukom aus Veilsdorf in Thüringen stellt Feinstdrähte für die Elektroindustrie her. Geschäftsführerin Ute Poetschek nimmt eine Drahtrolle aus ihrem Vorzeigeköfferchen und zeigt: „Wir machen Drähte, die dünner sind als ein Haar.“ Das Geschäftsmodell: „Wir produzieren kleine Mengen Draht für Nischenunternehmen, an denen die großen Firmen kein Interesse haben.“ Weil das noch viel Handarbeit erfordere, ließen sich die Arbeitskräfte auch nicht durch Maschinen ersetzen.
Betrachtet sie Nachhaltigkeit als einen Wettbewerbsvorteil? „Ja“, sagt Poetschek und nennt drei Gründe: Sie brauche die ökologische Zertifizierung für ihre Kunden, die ihrerseits auf Lieferketten achten. Das sei mittlerweile oft Voraussetzung. Auch um Mitarbeiter zu gewinnen, sei es ein Vorteil, auf Nachhaltigkeit zu setzen. Und zuletzt: der Reputationsgewinn – die Aufmerksamkeit, die ein Unternehmen bekommt, das hier neue Standards setzt.
Nachhaltig an der Arbeit von Elschukom ist der Verzicht auf schädliche Chemikalien. Ohne Quecksilber komme die Produktion mittlerweile aus, auch andere Chemikalien hätten sie reduziert. Außerdem werden Metallabfälle aufbereitet. 85 Mitarbeiter beschäftigt der Preisträger des Generali SME Enterprize, der 2023 22 Millionen Euro Umsatz machte.
Auch das Elektrostahlwerk Feralpi gehört zu den diesjährigen Preisträgern, das im sächsischen Riesa grünen Stahl für die Bauindustrie herstellt. Die neueste Investition, die Umstellung eines Walzwerks von Erdgas auf Elektrizität, reduziert Emissionen und sichert dem Unternehmen den Preis in der Kategorie „Impact of Product“.
Lesen Sie hier mehr über den Preisträger.
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