Flugzeugbauer: Airbus verabschiedet sich nach Rumpf-Panne von Auslieferungsziel
Airbus verabschiedet sich angesichts der jüngsten Panne bei Rumpfteilen für seinen Bestseller A320 von seinem Auslieferungsziel für das laufende Jahr. Der weltgrößte Flugzeugbauer rechnet nun damit, nur noch 790 Flugzeuge an die Kunden zu übergeben.
Bislang hatte Airbus mit 820 Maschinen gerechnet. Der Grund dafür seien die kürzlich aufgetauchten Qualitätsprobleme bei einem Zulieferer von Rumpfteilen für die A320-Baureihe, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.
An seinen finanziellen Zielen für das laufende Jahr hält der Boeing-Rivale trotz der Panne fest: einem bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von rund 7,0 Milliarden Euro und einem operativen Mittelzufluss (Free Cashflow) vor Kundenfinanzierungen von rund 4,5 Milliarden Euro. Die Airbus-Aktien legten am Mittwoch 2,7 Prozent zu.
168 potenziell betroffene Maschinen bereits im Einsatz
Bei den betroffenen Teilen stimmt die Stärke des Metalls nicht, wie aus einer Präsentation hervorgeht, in die Reuters Einblick erhielt. Die Airbus-Ingenieure müssten deswegen insgesamt 628 Flugzeuge genau unter die Lupe nehmen, darunter 168 Maschinen, die bereits bei den Kunden in Betrieb seien, heißt es in einer Präsentation für Kunden. Der Rest befindet sich noch in den Airbus-Produktionsstätten.
Branchenkreisen zufolge hätten von den Maschinen, die nun auf den Prüfstand müssen, 100 noch in diesem Jahr ausgeliefert werden sollen. Ein Airbus-Sprecher bestätigte, dass unter den Maschinen, die nun überprüft werden müssen, sowohl Flugzeuge im Produktionsprozess als auch in Kundenhand sind. Details nannte er nicht. Über die Zahl der betroffenen Flugzeuge hatte zunächst Bloomberg berichtet.
Ein Insider bei einer Fluggesellschaft sagte, die Inspektion der Maschinen sei nach wenigen Stunden erledigt. Sollten dabei Schäden gefunden werden, dürfte es länger dauern. Einem Bericht des „Air Current“ zufolge könnte sich eine Reparatur über drei bis fünf Wochen hinziehen. Reuters hatte am Montag zuerst über die Probleme mit den Rumpfteilen berichtet.
Airbus-Chef Guillaume Faury hatte bereits am Dienstag angekündigt, dass das Auslieferungsziel wegen der Rumpf-Panne nicht mehr zu halten ist. Bereits im November seien erste Effekte dessen erkennbar. Am Freitag legt das Unternehmen seine Zahlen für November vor. Branchenkreisen zufolge wurden im abgelaufenen Monat 72 Flugzeuge an die Kunden übergeben, weniger als ursprünglich erwartet. Das ursprüngliche Auslieferungsziel galt allerdings schon zuvor als ambitioniert. Um die Zielmarke im Gesamtjahr zu schaffen, hätte das Unternehmen allein im Dezember mehr als 160 Maschinen an die Kunden übergeben müssen, das wäre ein Rekord gewesen.
Für Airbus sind die Probleme mit den Rumpfteilen bereits die dritte schlechte Nachricht binnen weniger Tage. Erst am Wochenende hatte das Unternehmen rund 6000 A320-Flugzeuge für ein Softwareupdate zurückgerufen. Auslöser waren Steuerungsprobleme und ein unbeabsichtigter Höhenverlust bei einem JetBlue-Flug am 30. Oktober, bei dem zehn Passagiere verletzt wurden. Kurz zuvor hatte das Unternehmen den Betrieb einiger mit Triebwerken von Pratt & Whitney ausgestatteter Flugzeuge bei extremer Kälte eingeschränkt.
Lesen Sie auch: Wer in die Luftfahrt investiert, braucht Nerven aus Stahl