MSC Oscar im Jade-Weser-Port: Die Rekordjagd der Riesenschiffe in Ostfriesland
Der Megafrachter Oscar, ein Schiff der Schweizer Reederei MSC, kann 19.224 Container laden.
Foto: dpaSelbst Experten schüttelten den Kopf. Schiffe, die mehr als 12.000 Container laden können? Unmöglich. Hamburg verwarf die Pläne für den Bau eines Tiefwasserhafens für Megafrachter und gab das dafür reservierte Grundstück an der Nordsee an Cuxhaven zurück. Das war in den 1990er Jahren.
Jetzt müht sich die Hansestadt, die Riesenschiffe über die Elbe in den traditionellen Hafen zu ziehen. Und tatsächlich: Im Januar lief die CSCL Globe der Reederei China Shipping Hamburg an. 19.100 Container kann der Frachter aufnehmen, rund 800 mehr als die McKinney der dänischen Maersk-Gruppe, bis dahin der größte Frachter der Welt. Doch der Rekord der Chinesen hielt nur wenige Wochen.
Jungfernfahrt der MSC Oscar
Am 8. Januar startete die MSC Oscar zur Jungfernfahrt, das Schiff der Schweizer Reederei MSC kann 19.224 Container laden. Am 6. März, am Freitag, läuft es den Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven an, Deutschlands einzigen Tiefwasserhafen. Auch das ein Signal: gegen Hamburg.
Das Containerschiff "CSCL Globe" der Reederei China Shipping Group läuft in den Hafen von Hamburg ein.
Foto: dpaDas größte Schiff der Welt besucht Hamburg auf seiner Jungfernreise. Bei Tagesanbruch erreichte es am Dienstag die deutsche Hafenstadt. Eigentlich hätte es bereits am Montag ankommen sollen, doch ein Sturm verzögerte die Fahrt von Rotterdam aus.
Foto: dpaDie „CSCL Globe“ ist 400 Meter lang und 58,60 Meter breit und kann 19.100 Standardcontainer (TEU) transportieren. Es ist das erste von fünf Schwesterschiffen...
Foto: dpa... die von der Reederei China Shipping im Verkehr zwischen Asien und Europa eingesetzt werden sollen.
Foto: dpaDie "CSCL Globe" neben dem Schiff "Cap San Antonio". Letzteres ist zwar auch rund 333 Meter lang und 48 Meter breit, wirkt neben der "CSCL Globe" aber nahezu zierlich.
Foto: dpaEin Blick in den Maschinenraum: Der chinesischer Cheftechniker Chen Li läuft nach dem Anlegen in Hamburg an der Hauptmaschine entlang.
Foto: dpaNach Hamburg kommt die „CSCL Globe“ nicht voll beladen und mit einem reduzierten Tiefgang von 12,60 Metern.
Foto: dpaHamburg und Bremen wollen seit langem die Fahrrinnen von Unterelbe und Außenweser an die großen Schiffe anpassen, doch noch hat das Bundesverwaltungsgericht kein grünes Licht gegeben. Voll beladen wäre die „CSCL Globe“ auf der Elbe stecken geblieben.
Foto: dpaIm Vergleich zu den Gebäuden im Hintergrund werden die gigantischen Ausmaße des Schiffs deutlich.
Foto: dpaSchaulustige beobachten das Anlegemanöver am Containerterminal Eurogate.
Foto: dpaDie „CSCL Globe“ setzt eine neue Dimension im Containerschiffbau. Noch vor acht Jahren waren die Schiffe der „Emma-Maersk“-Klasse das Maß aller Dinge, und sie blieben es sechs Jahre lang - mit einer Tragfähigkeit von 15.000 TEU. Nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern vor allem der wirtschaftliche Druck treibt die Entwicklung im Schiffbau voran. Seit Jahren dümpelt die Schifffahrt in der Krise. Es gibt zu viel Frachtraum für zu wenig Ladung; die Überkapazitäten drücken auf die Frachtraten und Erträge der Reedereien. Große Schiffe sind ein Ausweg, weil sie Kosten sparen helfen.
Foto: dpaWilhelmshaven hofft, dass mit der MSC Oscar die Wende kommt. Rund eine Milliarde Euro haben die Länder Bremen und Niedersachsen sowie der Terminalbetreiber Eurogate in den Bau gesteckt. Doch seit der Eröffnung im September 2012 hat der Port nur Verlust eingefahren.
Im vergangenen Jahr wurden dort nur 67.000 Container umgeladen, ausgelegt ist er für 2,7 Millionen Container jährlich, und selbst das ist wenig. In Hamburg – zum Vergleich – wurden im vergangenen Jahr 9,7 Millionen Container umgeschlagen.
Lichtblick für Wilhelmshaven
67.000 Container in einem Jahr – da ist ein Schiff, das auf einen Schlag 19.224 Containern transportieren kann, schon ein Lichtblick. Experten haben errechnet, dass die MSC Oscar auch 39.000 Autos laden könnte. Oder 117 Millionen Turnschuhe.
Für die Fahrt des Riesenfrachters reichen 35 Mann Besatzung. Bei einem Tempo von knapp 23 Knoten, das entspricht 42 Stundenkilometern, verbraucht er rund 280.000 Liter Diesel pro Tag. Das hört sich viel an, ist aber wenig im Vergleich zu einem Lkw. Denn je Container beträgt der Verbrauch der MSC Oscar weniger als 1,5 Liter pro 100 Kilometer. Das schafft kein Lastwagen.
Gebaut wurde das Rekordschiff in Südkorea von der Daewoo Shipbuilding Company binnen eines Jahres. Im April soll schon das baugleiche Schwesterschiff MSC Oliver in See stechen. Und noch größere Schiffe seien schon in Planung, teilt die Reederei MSC mit.
Wilhelmshaven würde es helfen. Der neue Hafen wurde eigens für solche Megafrachter gebaut. Und für Hamburg und Bremerhaven wachsen mit jedem neuen Rekord die Probleme, da die Vertiefung von Elbe und Weser nicht vorankommt.
Immerhin laufen in diesem Jahr erstmals drei Liniendienste regelmäßig den Jade-Weser-Port an, zusätzlich kommen vier kleinere Zubringerdienste pro Woche. Schon fast Niedersachsens Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) einen Ausbau ins Auge – für das Jahr 2025.