Konflikte und Frust: Wie Zoff dem Unternehmen schadet
Konflikte im Büro können für Unternehmen schnell Kosten von einer halben Million bedeuten.
Foto: Fotolia„Konflikte im Unternehmen – bei uns doch nicht!“, so oder ähnlich antworten die meisten Führungskräfte, wenn sie nach der Streitkultur in ihrem Unternehmen gefragt werden. Konflikte gelten als etwas Unangenehmes und werden lieber ignoriert. Oder die Führungskräfte vernachlässigen sie, weil sich noch keiner bei ihnen beschwert hat.
Die Industrie- und Handelskammer Frankfurt hat zusammen mit dem Prüfungs- und Beratungsunternehmen Mazars Geschäftsführer, Führungskräften und Angestellte zum Thema Konflikte im Unternehmen befragt. Das Ergebnis der Umfrage „Streit – erfolgreich oder folgenreich?“: Im Unternehmensalltag gibt es eine ganze Reihe von Konfliktpartnern, aber es sind die Streitigkeiten in den eigenen Reihen, die am häufigsten auftreten.
Und je näher die Streithähne zueinander stehen, desto belastender ist für sie der Konflikt. Der Streit mit dem Partner geht einem schließlich auch näher, als der mit dem Nachbarn von gegenüber.
Durchatmen
Wenn das Blut kocht, sollten Sie tief durchatmen und bis zehn zählen. In einigen Fällen auch bis 50. Atmen Sie nach der 4–6–8-Methode: Langsam einatmen, bis vier zählen, Luft anhalten, bis sechs zählen, langsam ausatmen und bis acht zählen. Das Ganze wiederholen Sie fünf Mal. Mit der Übung können Sie Ärger genauso wegatmen wie Stress.
Foto: FotoliaAnalysieren und einordnen
Wenn Sie spüren, wie die Wut wächst, machen Sie einen Schritt zur Seite und fragen Sie sich, was Sie auf die Palme treibt. Jeder Ärger beginnt im eigenen Kopf. Indem Sie die erlebte Kränkung bewusst auf das Niveau holen, das ihr zusteht, bringen Sie auch Ihren Groll wieder auf ein Normalmaß. Womöglich stecken hinter der teuflischen Gemeinheit des Kollegen nur Schusseligkeit und Naivität.
Und denken Sie daran: Rache ist zwar oft der erste Impuls auf das Ärgernis, sie hat aber noch nie geholfen. „Wenn die Wut wächst, denke an die Konsequenzen”, mahnte Konfuzius. Wenn Sie Ihren Blick auf die Zukunft richten, werden Sie erkennen, welche Reaktion die beste ist.
Foto: FotoliaSchweigen
Solange Sie vor Wut schnauben, sollten Sie die Klappe halten. Schon im eigenen Interesse. Ärger kann zum Boomerang werden, wenn man seine Zunge nicht im Zaum hält. Umgekehrt gilt das freilich auch für den Umgang mit Wüterichen: „Mit einem Vulkan ist nicht zu reden“, wusste schon Ernst Jünger.
Foto: FotoliaÜberhören
Richtig gelesen: Es ist ein Zeichen von Reife, wenn Sie nicht auf jeden Fehdehandschuh reagieren. So manches Ärgernis lässt sich aus der Welt schaffen, indem Sie auf einem Ohr taub bleiben.
Foto: FotoliaReden
Konsultieren Sie einen guten Freund und schütten Sie diesem Ihr Herz aus. Reden baut Stress und Ärger ab – es hilft aber auch, die Gedanken zu sortieren. Seien Sie aber vorsichtig, wem Sie sich anvertrauen. Der Kollege gegenüber ist nicht immer der beste Ratgeber, womöglich nutzt er die Gelegenheit, um die Information später gegen Sie zu verwenden.
Foto: FotoliaTrinken
Keinen Alkohol, sondern ein Glas Wasser. Dieser einfache Trick sorgt dafür, dass Sie Ihren Ärger sprichwörtlich wegspülen.
Foto: dpaBewegen
Körperliche Aktivität ist die beste Medizin. Sie baut Stresshormone ab und schafft Distanz zu den Problemen. Spazieren Sie eine Runde um den Block und stampfen Sie Ihre Wut in Grund und Boden.
Foto: FotoliaProgressive Muskelrelaxation
Die Methode hat der Schwede Edmund Jacobson entwickelt. Dabei geht es darum, einzelne Muskelgruppen der Reihe nach gezielt anzuspannen, um sie sodann abrupt wieder zu lösen. So lässt sich der Körper binnen weniger Minuten vollständig entspannen.
Foto: FotoliaVergeben
Ohne Vergebung ist man am Ende nur noch von Feinden umgeben. Die Vergangenheit können Sie nicht ändern, die Zukunft schon. Wer anfängt, in seinem Feind einen Menschen zu erkennen, der ebenso Motive wie Macken hat, gewinnt Verständnis.
Foto: FotoliaDas Problem ist: Konflikte kosten nicht nur Nerven, sondern auch Zeit. Konfliktstudien des Beratungsunternehmens KPMG zeigen, dass circa 10 bis 15 Prozent der Arbeitszeit für Streitereien mit Kollegen, Kunden und Zulieferern drauf gehen.
„Wenn sich ein Mitarbeiter eine Stunde lang mit seinem Vorgesetzten streitet und anschließend pünktlich zu seinem Feierabend wutentbrannt das Unternehmen verlässt, hat er bis dahin gemeinsam mit seinem Vorgesetzten zwei Stunden Arbeitszeit für den Konflikt aufgewendet. Nehmen wir nun an die Stunde des Vorgesetzten kostet das Unternehmen 100 Euro und die Stunde des Arbeitnehmers 50 Euro, so entstehen hier zunächst Konfliktkosten von 150 Euro“, illustriert KPMG die Entstehung der Kosten.
Ist der Chef dann weiterhin so geladen, dass er seinen nächsten Termin verschiebt oder zu spät kommt, wird es noch teurer. Auch die IHK-Studie kommt zu dem Ergebnis: „Die Auswirkungen von Konflikten sind vielfältig: über Reibungsverluste in der Zusammenarbeit, zu Krankenständen in der Belegschaft oder sogar dem Verlust von wertvollen Mitarbeitern.“
Es muss jedoch nicht immer ein Streit mit Anschreien und Beleidigen sein, der das Unternehmen Geld kostet. Es gibt auch sogenannte kalte Konflikte. So beschreibt die Studie den Fall einer vierköpfigen Agentur, in der alle Informationen beim Chef zusammenlaufen – und oft dort versanden. Im Jahr 2011 verbrachten die drei Mitarbeiter rund fünf Stunden pro Woche mit dem Suchen nach Informationen: welche Aufträge sind eingegangen, was wurde reklamiert?
Die dadurch verlorene Arbeitszeit beziffert KPMG mit 16.000 Euro. Für Aufträge, die in der Zeit hätten bearbeitet werden können, kommen noch einmal 8000 Euro entgangener Gewinn hinzu. Würde das Ablagesystem in der Agentur funktionieren, könnten sich die Mitarbeiter rund 15 Stunden in der Woche um andere Dinge kümmern. Kostenpunkt: 48.000 Euro.
Unter dem Strich machte die Agentur also einen Verlust in Höhe von 72.000 Euro – weil Kommunikation und Organisation nicht funktionieren. In einem anderen Fall entstanden einem Unternehmen wegen Mobbings Kosten in Höhe von 433.500 Euro für Aufhebungsverträge, Fehltage der Mitarbeiter, entgangene Erlöse und Gerichtskosten.
Ein Konflikt zwischen zwei IT-Entwicklungsabteilungen in einem international tätigen Unternehmen kostete insgesamt sogar 3,45 Millionen Euro. Diese Kosten können sich Unternehmen sparen – wenn sie die Scheuklappen abnehmen und nicht auf Teufel komm raus Harmonie verordnen.
Einer der Lösungswege kann Mediation sein, also die Streithähne mit einem unbeteiligten Dritten zusammen den Konflikt aus der Welt schaffen lassen. Im Falle des Unternehmens, in dem sich ein Mitarbeiter vom Abteilungsleiter gemobbt fühlte, hätten 17 Tage Mediation 28.750 Euro gekostet. Das wäre eine Ersparnis von 404.750 Euro gewesen.
Laut der IHK-Studie strebt auch die Mehrheit der Befragten eine Klärung von Konflikten an und ist nicht auf Eskalation aus. Die Hälfte der Umfrageteilnehmer ist dafür, erst einmal den direkten Weg einzuschlagen, und die betroffenen Parteien zusammen zu bringen. An zweiter Stelle hielten sie Schlichtung und vor allem Mediation für besonders geeignet.
Je emotionaler der Konflikt, desto wirksamer wird Mediation von den Teilnehmern empfunden. Bei internen Konflikten betrachtet jeder Zweite die Mediation als wirksamste Methode der Konfliktbeilegung.
Grundsätzlich sind die Führungskräfte gefragt. Sie dürfen nicht den Kopf in den Sand stecken. Außerdem gibt es laut KPMG drei hausgemachte Gründe, warum Projekte in Unternehmen nicht optimal laufen. Erstens: Fehlende Kommunikation. Zweitens: Fehlende Kommunikation. Drittens: Fehlende Kommunikation.