Sparen für Elektro-Porsche: Porsche will für "Mission E" anderswo sparen
20 neue Modelle will Volkswagen bis zum Ende des Jahrzehnts auflegen, die rein elektrisch oder mit einem Plug-in-Hybrid unterwegs seien. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt betont auch der neue VW-Markenchef Herbert Diess, die Elektromobilität sei „ein Schlüssel für den langfristigen Erfolg der Marke“.
Erste Vorboten zeigt VW schon in Frankfurt. Der lange erwartete reine Elektrosportler von Porsche feiert seine Premiere. Mission E haben die Zuffenhausener ihre Studie getauft, die Konkurrenten wie Tesla das Fürchten lehren soll.
Rein elektrisch kommt das Modell mit 600 PS auf eine Reichweite von 500 Kilometern und eine Spitzengeschwindigkeit von 250 Stundenkilometern, verspricht Markenchef Matthias Müller. Besonders beim Nachladen soll der Porsche die Konkurrenz abhängen. Eine Ladung soll nicht länger als 15 Minuten dauern.
Foto: APDer neue Audi e-tron Quattro. Das rein batteriegetriebene Elektroauto ist bislang eine Studie, und soll 2018 auf den Markt kommen. Der Hersteller verspricht eine Reichweite von maximal 500 km, eine Beschleunigung von 0 - 100 km/h in 4,4 Sekunden und eine abgeregelte Spitzengeschwindigkeit von 210 km/h.
Foto: REUTERSDie Botschaft, die VW an diesem Abend aussenden will, ist klar: Wir fürchten uns nicht vor der neuen Konkurrenz. In Richtung der großen IT-Konzerne wie Apple und Google gibt VW-Chef Winterkorn die klare Losung aus: „Volkswagen bleibt im Driver Seat“. Was übersetzt heißt: Meine Daten gehören mir. Es sind Schlachten wie diese, auf die sich die Wolfsburger vorbereiten wollen.
Foto: REUTERSWas den Massenmarkt und den SUV-Boom anbelangt, so ist der neue Tiguan sicher eines der wichtigsten Autos der IAA. Volkswagen hat ihn komplett überarbeitet, wiedererkennbar beibt er dennoch.
Kantiger und größer ist die zweite Generation geworden, die im April 2016 auf den Markt kommt. Neben der Serienversion sowie dem sportlichen Tiguan R-Line bringen die Wolfsburger außerdem eine Offroad-Version des SUV nach Frankfurt und mit dem GTE eine Studie mit Plug-in-Hybridantrieb.
Foto: REUTERSPräsentation in der Ballsporthalle in Frankfurt. Vom 17. bis zum 27. September zeigen Hersteller aus der ganzen Welt hier Neuheiten der Automobilindustrie. Der 911er bekommt in Zukunft Turbomotoren, Porsche feiert damit den Abschied vom reinen Saugmotor. Porsche-Chef Matthias Müller verspricht außerdem ab 2018 einen 911, der auch elektrisch unterwegs sein wird.
Foto: dpaDen Nachfolger des Veyron zeigt die französische Ultraluxusmarke noch nicht. Aber nach 450 produzierten Veyron und allen seinen Sondereditionen gibt es nun wenigstens einen kleinen Ausblick auf die künftige Designsprache. Die Vision Gran Turismo wurde für das Konsolenspiel Gran Turismio entwickelt und sei ein kleiner Dank an alle Fans, die sich die sehr raren und vor allem sehr teuren Superroadster nicht leisten können, betont Markenchef Dürrheimer.
Foto: dpaEin bisschen oben ohne präsentiert sich Lamborghini in diesem Jahr. Auf der Inertial Platform wird künftig auch ein Cabrio gebaut. Der Huracan LP 610-4 Spyder mit permanentem Allradantrieb kommt auf eine Leistung von 610 PS und soll dank zuschaltbarer Zylinder trotzdem sparsam sein. Weitere Huracan-Sprösslinge sollen folgen, verspricht Lamborghini-Chef Stephan Winkelmann bei der Präsentation.
Foto: dpaMit 449 kW / 610 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 324 km/h wird der 4,26 Meter lange Huracán LP 610-4 Spyder maximal zwei Passagiere beschleunigen. Von 0 auf 100 km/h gehts in 3,4 Sekunden. Das Stoffdach des Zahnzylinders braucht länger: Es öffnet auf Knopfdruck in 17 Sekunden und bis Tempo 50.
Foto: dpaNeben solchen Zukunftsvisionen gehen neue Spitzenmodelle an diesem Abend fast unter. Der neue VW Tiguan, der neue Porsche 911 und der Audi A4 etwa. Dabei sind diese Modelle schon heute für eine großen Teil des Verkäufe ihrer jeweiligen Marke verantwortlich.
Foto: dpaDie neuesten Modelle der Marken Volkswagen, Audi, Bentley, Bugatti, Ducati, Lamborghini, Porsche, Seat und Skoda zeigt der Konzern und gibt mit einigen Studien einen Ausblick auf die geplanten Modelle. Die ganz große Show hat man sich dieses Jahr gespart. Vor 2.000 Zuschauern auf einer Tribüne der Fraport-Arena zelebriert der Konzern zwar wie gewohnt seine Konzernmarken. Doch dieses Jahr wirkt die Inszenierung sehr fokussiert. Eine 3D-Lichtshow und fahrbare LED-Leinwände – mehr gibt es nicht.
Selbst Konzernchef Martin Winterkorn, der Mann für die große Linie in Wolfsburg, gibt sich in seiner Rede bescheiden. „Immer schneller, höher, weiter reicht nicht“, sagt er. Technologische Führerschaft definiere sich nicht mehr über PS und Drehmoment. Winterkorn spricht über emissionsfreies und automatisiertes Fahren und das vernetzte Auto. „Hier entscheidet sich die Zukunft unserer Branche und des Automobils“, so der Konzernchef.
Foto: APSo bleibt es dem Bentley-Chef Wolfgang Dürrheimer vorbehalten, doch noch ein wenig in Superlativen zu schwelgen. Feierlich beschwört er den „historischen Moment“. Der 600-PS-starke Geländewagen sei das edelste, leistungsstärkste, luxuriöseste, komfortabelste und stärkste Modell seine Klasse, jubelt der Dürrheimer.
Bentley ist nicht allein mit dem Thema Luxus-SUV: Auch Maserati und Lamborghini hegen ähnliche Pläne und haben bereits Studien präsentiert. Aber sie werden wohl anders als der Bentley keinen Zwölfzylinder an Bord haben.
Nicht ohne Stolz verweist Markenchef Wolfgang Dürrheimer auf eine Spitzengeschwindigkeit von knapp über 300 km/h. Das schafft sonst kein SUV. Versprochen wird außerdem: „Bentley-Feeling auf jedemTerrain“. Ob auch die Queen künftig SUV fährt, verrät er nicht.
Foto: REUTERSAuf den Skoda Superb Combi sind sie bei Skoda besonders stolz. Markenchef Winfried Vahland kann in Frankfurt allerdings nicht mehr als die Kombivariante des neuen Modells präsentieren. Also hebt er die neue emotionale Kraft und das Design der Marke hervor. Ein kleines Lob geht noch an die Belegschaft raus.
Foto: REUTERSDen Abschluss des Markenabends markierte der neue Porsche 911 Carrera. Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Hatz hatte ein paar Worte für die Traditionalisten: Heilige Kühe gebe es bei Porsche nicht. Darum habe man auch den Antrieb umgestellt. Weg von den Saugmotoren hin zum Turbo. Das Ergebnis: 12 Prozent weniger Sprit.
Foto: REUTERSDie hohen Investitionen für die Entwicklung des ersten Elektro-Porsches werden durch kleinere Einschnitte und längere Arbeitszeiten bei der Belegschaft mitfinanziert. Beschränkungen bei den Gehaltserhöhungen beispielsweise sollten gut 200 Millionen Euro einbringen, sagte ein Sprecher des Betriebsrats und bestätigte damit einen Bericht der „Automobilwoche“. „Wir mussten einen Ausgleich finden zwischen Wettbewerbsfähigkeit und Gerechtigkeit. Das ist uns gelungen“, sagte Porsche-Betriebsratschef Uwe Hück der Zeitschrift.
Der Aufsichtsrat der VW-Tochter hatte Anfang Dezember grünes Licht für das „Mission E“ genannte Elektro-Projekt und die damit verbundenen Investitionen über 700 Millionen Euro am Stammsitz Stuttgart-Zuffenhausen gegeben. In dem Werk sollen mehr als 1000 neue Arbeitsplätze entstehen, eine Lackiererei und eine Montagehalle werden gebaut und das bestehende Motorenwerk wird erweitert.
Im Gegenzug sollen die rund 13.000 Beschäftigten an den Standorten Weissach und Zuffenhausen bis 2025 auf einen viertel Prozentpunkt ihrer tariflichen Gehaltserhöhungen verzichten. Die übertariflich bezahlten Beschäftigten - inklusive der Vorstände - verzichten auf einen halben Prozentpunkt. Nur die Tarifbeschäftigten sollen das Geld später zurückbekommen.
Die Höhe der jährlichen Prämie, die für 2014 immerhin bei 8200 Euro lag, soll sich an der Betriebszugehörigkeit orientieren. Darüber hinaus wird die 34-Stunden-Woche am Stammsitz in Zuffenhausen, die Ende 2016 ausläuft, nicht verlängert. Die Porsche-Arbeiter kehren also zur 35-Stunden-Woche zurück.