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IranDie Gefahren des Iran-Geschäfts

Mit dem Ende der EU-Sanktionen hoffen deutsche Unternehmen auf gute Geschäfte im Wachstumsmarkt Iran. Die wird es aber vorerst kaum geben. Die Banken halten sich mit Krediten zurück, weil sie hohe Risiken sehen.Florian Willershausen, Rüdiger Kiani-Kreß 25.01.2016 - 14:37 Uhr

Warten auf den Aufbruch: Nach der Aufhebung der Sanktionen, wollen Iraner die Wirtschaft wieder zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit führen.

Foto: dpa Picture-Alliance

Die Linienflieger nach Teheran sind dieser Tage gut gebucht. Voller Euphorie pilgern Vertreter deutscher Mittelständler neuerdings in den Iran. Mit dem Fall der EU-Sanktionen gegen das Land mit rund 80 Millionen Einwohnern öffnet sich für sie ein Markt mit einem gewaltigen Modernisierungsbedarf.

Es fehlt an allem: Ölfelder liegen brach, weil die Nachfrage nach iranischem Öl wegen der Sanktionen eingebrochen ist. Es bedarf neuer Pumpen und Kompressoren, um die Förderung wieder hochzufahren. Fabriken verlieren an Wettbewerbsfähigkeit, allein weil man für die vielfach deutschen Maschinen darin keine Ersatzteile bekommt. Krankenhäusern fehlt die Ausstattung mit Medizintechnik, den Autoverkehr dominieren uralte Dreckschleudern.

Logisch, die Deutschen sind voller Erwartungen ob des großartigen Neugeschäfts. Vor Ort treffen sie auf Iraner, die sehr genau wissen, was sie wollen und deutschen Exporteuren und erst Recht Investoren große Wertschätzung entgegenbringen.

Wissenswertes zum Iran
Der Iran ist schon alleine wegen der Bevölkerungszahl von fast 80 Millionen eine Macht in der Golf-Region. Der Gottesstaat war jedoch wegen seiner kompromisslosen Atompolitik in den vergangenen zehn Jahren international isoliert. Die im Zusammenhang mit dem Atomstreit verhängten Sanktionen führten in dem öl- und gasreiche Land auch zu einer Wirtschaftskrise. Viele Beobachter rechneten daher mit einem zweiten Nordkorea am Persischen Golf.
Mit dem Sieg von Hassan Ruhani bei der Präsidentenwahl 2013 im Iran änderte sich jedoch das Bild. Sein Wahlslogan „Versöhnung mit der Welt“ führte im Juli 2015 zu einem Atomabkommen mit dem Westen. Der Iran wurde plötzlich zu einem potenziellen politischen und wirtschaftlichen Partner des Westens in einer von Krisen geschüttelten Region. Besonders im Syrien-Konflikt hofft der Westen auf eine positive Rolle Teherans.
Mit seinen beiden gut ausgerüsteten Streitkräften - der klassischen Armee und den Revolutionsgarden - kann der Iran besonders im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) eine entscheidende Rolle spielen. Diese Rolle aber ist innerhalb der Region höchst umstritten, unter anderem bei der anderen Regionalmacht Saudi-Arabien. Ideologische und besonders religiöse Differenzen zwischen dem schiitischen Iran und den sunnitisch-wahhabistischen Saudis sorgen daher immer wieder für Spannungen in der Region.

„Ideale Bedingungen mit weitgehender Steuerfreiheit oder Visa-freier Einreise in die Sonderwirtschaftszonen“ gelobt ihnen etwa Mohammed Khazaee, der Vize-Minister für Wirtschaft und Finanzen. Nader Maleki, ein auf das Land spezialisierter Berater aus Frankfurt, sagt aber: „Der Iran wird sicherlich 100 Milliarden Dollar aufwärts investieren müssen, um die Wirtschaft wieder zu internationaler Wettbewerbsfähigkeit zu führen.“

Offen bleibt indes die Frage: Wer soll das bezahlen? Zwar ist der Iran reich an Öl und Gas, doch der Export der Rohstoffe ist beim aktuell niedrigen Ölpreis keinesfalls profitabel. Zwar werden mit der Lockerung der Sanktionen rund 100 Milliarden Dollar eingefrorenen iranischen Staatskapitals verfügbar. Doch es wird rasch im hoch defizitären Staatshaushalt verschwinden. Unternehmen müssen zudem Verbindlichkeiten gegenüber asiatischen Lieferanten begleichen.

Kurzum: Im Land fehlt bis auf weiteres das Geld für große Einkäufe. Aber was ist mit Kapital von den internationalen Märkten? Theoretisch wird es einfacher für (westliche) Investoren, in den Iran zu liefern. Praktisch halten sich alle Financiers bis auf weiteres zurück.

Der Iran feiert die Einigung im Atomstreit und das Ende der Sanktionen. Auch die deutsche Wirtschaft hofft nach der Einigung auf milliardenschwere Geschäfte mit dem Iran. "Innerhalb von zwei Jahren können sich unsere Exporte dorthin auf rund fünf Milliarden Euro verdoppeln", sagte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. Voraussetzung dafür sei, dass neben dem Wegfall der Sanktionen auch die Finanzierung von Geschäften erleichtert werde, sagte Treier, der sich derzeit in Teheran aufhält. Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) hält mittelfristig ein Exportvolumen von mehr als zehn Milliarden Euro für möglich.

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"Insbesondere die Modernisierung der Ölindustrie eröffnet dem Maschinen- und Anlagenbau große Marktchancen", sagte BDI-Präsident Ulrich Grillo. Die iranische Regierung spricht von einem Finanzbedarf von 200 Milliarden Dollar, um die Rohstoffe des Landes auf den Weltmarkt zu bringen. Besonders bei Großprojekten wie dem weltgrößten Gasfeld "South Pars" (im Bild) hoffen die Unternehmen auf neue Aufträge.

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Im Förder- und Energiegeschäft sind unter anderem die Münchner Konzerne Siemens und der Gas-Spezialist Linde aktiv. Siemens ist etwa seit 1868 im Iran vertreten und hat auch während der Sanktionen den Kontakt nie ganz abreißen lassen.

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Im wahrsten Sinne des Wortes noch eine Rechnung offen hat Shell. Der niederländisch-britische Ölkonzern schuldet dem Iran noch rund zwei Milliarden Dollar. Im Zuge eines Großauftrags in South Pars aus dem Jahr 1999 hatte Shell bereits Lieferungen erhalten, konnte wegen der dann verabschiedeten Finanzsanktionen die Ausstände aber nicht mehr begleichen. Das will Shell jetzt nachholen. Bei einer Opec-Tagung im Juni trafen Firmenchef Ben van Beurden und der iranische Ölminister aufeinander, um die Rückzahlung zu klären. "Iran ist ein wunderbares Land mit einer fantastischen Rohstoffbasis", so van Beurden. "Sobald es eine legitime Gelegenheit gibt, werden wir uns den Iran ansehen."

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Mit einem ähnlichen Problem hatte auch der italienische Energiekonzern Eni zu kämpfen – unbezahlte Rechnungen wegen der Finanzsanktionen. Die Italiener haben die "außenstehende Kreditposition" aber bereits einen Monat vor Shell geklärt: Bereits im Mai war Konzernchef Claudio Descalzi in Teheran. Neben den Rechnungen ging es bei den Gesprächen um die Möglichkeit, wieder in die Öl- und Gasindustrie zu investieren.

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Stark profitieren könnten auch die großen Flugzeugbauer Airbus und Boeing. Seit Beginn der ersten Sanktionen 1979 konnte IranAir keine neuen Flugzeuge mehr kaufen. Entsprechend gehört die Flotte der iranischen Fluglinie heute zu den ältesten der Welt. Hunderte museumsreife Maschinen könnten jetzt aussortiert werden, Experten beziffern das Gesamtvolumen auf 20 Milliarden Dollar. "Es gibt keinen Zweifel, dass das Potenzial speziell für Airbus und Boeing, eine große Zahl an Flugzeugen zu verkaufen, groß ist", sagt der US-Luftfahrtanalyst Adam Pilarski. Allerdings dürften die Chancen für Boeing größer sein: Die unnachgiebige Haltung der französischen Regierung bei den Verhandlungen dürften für Airbus nicht gerade ein Vorteil sein.

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Großes Wachstumspotenzial erwartet die Baubranche. "Nach und nach wird der Wirtschaftsmotor dort wieder anlaufen, in diesem Zusammenhang wird sicher der ein oder andere Auftrag für die Bauindustrie kommen", sagte ein Sprecher des Branchenverbandes HDB. Allerdings werde es auch einen intensiven Wettbewerb geben. "Die Konkurrenz aus Ländern wie Frankreich, China und den USA wird sehr groß sein." Der HDB sieht vor allem für Firmen wie Hochtief oder Bauer gute Aussichten auf neue Geschäfte. "Die Unternehmen waren früher schon im Iran tätig und bekommen heute immer wieder Aufträge aus dem Nahen und Mittleren Osten", sagte der Verbandssprecher.

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Die Bundesregierung soll daher nach Ansicht des Nah- und Mittelostvereins der deutschen Wirtschaft (Numov) schnell Minister in den Iran schicken. "Die Reise eines Ministers wäre jetzt sehr wichtig, um die deutsche Wirtschaft zu unterstützen", sagte Numov-Geschäftsführerin Helene Rang. "Es kann nicht sein, dass die deutsche Wirtschaft bei der Öffnung des Landes gegenüber anderen benachteiligt wird." Ihrem Wunsch wird entsprochen: Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel will kurzfristig in den Iran fliegen. Die Bundesregierung hatte in der Vergangenheit betont, ein führender Vertreter Deutschlands werde erst nach der Einigung die Islamische Republik besuchen.

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Auch für die Autoindustrie sind Chancen da. Wie groß diese sind, ist heute aber schwer abzuschätzen. Der Iran mit seinen 80 Millionen Einwohnern ist ein großer Markt, bislang sind deutsche Hersteller dort aber kaum vertreten. Im Gegensatz zu Peugeot: Aufgrund der Kooperation mit dem führenden iranischen Autobauer Khodro sind die Modelle von Peugeot bereits auf den Straßen von Teheran etabliert. Die Franzosen hoffen jetzt, von diesem Vorteil auch in Zukunft profitieren zu können.

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Etwas auf die Euphoriebremse treten die Maschinenbauer. Die internationalen Maschinenexporte in den Iran lagen dem Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) zufolge 2014 bei gut fünf Milliarden Euro, wovon 630 Millionen Euro auf Deutschland entfielen. Mittelfristig könnte das Gesamtvolumen auf acht Milliarden Euro steigen. "Das sind interessante Perspektiven, aber kein Eldorado", so VDMA-Experte Klaus Friedrich.

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Die USA haben die Sanktionen nur abgespeckt, nicht aufgehoben, sagt Ludovic Subran, Chefvolkswirt des Pariser Exportkreditversicherers Euler Hermes. Für jedes Geschäft müsse man also weiter „umfassend prüfen“, ob etwa einer der Anteilseigner der Spedition vor Ort mit den Revolutionswächtern in Zusammenhang steht – was als Verstoß gegen das US-Sanktionsregime teuer werden könnte. Subran registriert ein großes Interesse mittelständischer Kunden am Iran-Geschäft, warnt aber: „Vorläufig bleibt der Iran ein Markt mit hohen Risiken.“

Mittelständler sollten geduldig und vorsichtig sein, so Subran: „Mit zweistelligen Wachstumsraten ist schon wegen des niedrigen Ölpreises sowieso nicht zu rechnen.“ Euler Hermes plant für dieses Jahr, ein Büro in Teheran zu eröffnen – und 2017 sei dann mit einer Wiederaufnahme des Geschäfts zu rechnen. Im Bundeswirtschaftsministerium heißt es, man „prüfe“ die Wiederaufnahme der Vergabe von Hermes-Bürgschaften. Will heißen: Es wird so rasch keine Garantien geben

Akteure im Atomkonflikt mit Iran
Der US-Präsident war 2009 mit einer „Politik der ausgestreckten Hand“ angetreten, wollte Kooperation statt Konfrontation mit feindlich gestimmten Ländern. Doch die Strategie hatte kaum Erfolg. Ein Abkommen mit dem Iran wäre ein außenpolitischer Befreiungsschlag, ein historischer Triumph. Doch Obama ist nicht naiv - schließlich wird er sich auch nach dem Ende seiner Präsidentschaft 2017 rechtfertigen müssen, falls ein Abkommen negative Folgen hätte.
Abgeordneten beider US-Parteien drohen offen damit, im Kongress gegen einen Vertrag zu stimmen. Kürzlich griffen sogar 47 republikanische Senatoren zu einem beispiellos drastischen Mittel und schrieben an die Führung in Teheran, jede Vereinbarung mit Obama wäre ohne das „Ja“ des republikanisch beherrschten Kongresses wertlos. Zudem könne der nächste Präsident die Vereinbarung „mit einem Federstrich widerrufen“. Das Weiße Haus tobte, weil die Autorität des Präsidenten untergraben werde; der habe weiterhin die außenpolitische Oberhoheit.
Der israelische Ministerpräsident, dessen konservative Likud-Partei gerade wieder die Wahlen gewonnen hat, gilt als Hauptfeind jeder Vereinbarung im Atomstreit mit dem Iran. Der 1949 in Tel Aviv geborene Sohn eines Historikers vergleicht Teheran oft mit biblischen Erzfeinden des jüdischen Volkes und sogar mit den Nationalsozialisten. In der Vergangenheit hatte der Regierungschef, der vor seiner vierten Amtszeit steht, mehrmals indirekt mit einem Militärschlag auf die iranischen Atomanlagen gedroht. Israel versucht vor allem über die USA, Einfluss auf den Ausgang der Gespräche zu nehmen. Weil Netanjahus Verhältnis zu Präsident Obama schlecht ist, versucht er es über den US-Kongress.
Frankreichs Außenminister Laurent Fabius wie auch Präsident François Hollande gelten als Hardliner in den Gesprächen und haben 2014 bereits eine Vereinbarung ausgebremst. Sie betonen die Notwendigkeit effizienter Kontrollen der Abmachungen und technischer Details wie der Anzahl der Uran-Zentrifugen und der Forschungskapazitäten des Irans. Frankreich sieht den Iran, der einst an der Urananreicherung in Frankreich beteiligt war, kritisch wegen dessen militärischer Rolle in den Krisenstaaten Irak, Syrien und Libanon, die früher wichtige Rollen in Frankreichs Arabienpolitik spielten.
Präsident Hassan Ruhani hat viel in die Atomverhandlungen investiert. Eine umfassende Lösung wäre für den moderaten Kleriker und den gemäßigten Flügel in Teheran wichtig für das politische Überleben. Ein Scheitern könnte das Ende seiner prowestlichen Politik und eine Rückkehr der harten Islamisten bedeuten. Um die akute Wirtschaftskrise im Land zu beenden, braucht Ruhani außerdem eine schnelle Aufhebung der Sanktionen. Ein Ende des Atomstreits würde auch das Ende der Isolierung der Islamischen Republik bedeuten.
Ajatollah Ali Chamenei steht als höchste religiöse Instanz der Islamischen Republik über dem demokratisch gewählten Präsidenten. Er hat damit auch das letzte Wort im Atomkonflikt mit dem Westen. Der Kleriker war schon am Anfang der islamischen Revolution 1979 ein Vertrauter des Revolutionsführers Ruhollah Khomeini. 1989 wurde er zu dessen Nachfolger ernannt. Chamenei steht dem konservativen Flügel näher als den Reformern, hat aber eine gute Beziehung zu Präsident Hassan Ruhani. Im Atomstreit hat er dessen Kurs unterstützt.
Deutschland hat bei den Verhandlungen über das iranische Atomprogramm gerade am Anfang eine maßgebliche Rolle gespielt. Auch auf deutsche Initiative hin gab es bis 2005 mit Teheran rund 15 Treffen auf verschiedenen Ebenen. 2005 schien eine Einigung nahe, bis mit der Wahl des Hardliners Mahmud Ahmadinedschad zum iranischen Präsidenten 2006 die Lage eskalierte und fortan die UN-Vetomächte USA, Russland und China ins Boot kamen. Deutschland betont, dass ein diplomatischer Erfolg sehr wichtig für den von Konflikten erschütterten Mittleren Osten wäre, fordert aber klar nachprüfbare Ergebnisse der Gespräche.

Im Alltag jedes Mittelständlers spielen Bürgschaften und Exportkreditversicherungen eine ganz entscheidende Rolle. Die Versicherer springen ein, wenn ein Abnehmer zahlungsunfähig wird – was bei neuen und komplizierten Märkten durchaus denkbar ist. Kaum ein Mittelständler würde ein Handelsgeschäft ohne Absicherung wagen. Und wenn die Versicherungen am Markt nicht verfügbar sind, gibt es eben keinen Handel.

Kritischer noch als die Versicherer schätzen Großbanken das Iran-Geschäft ein. Bei der Commerzbank will sich niemand auch nur im Hintergrund zum Business in einem der größten Wachstumsmärkte der Welt äußern. Die Frankfurter sind gebrannte Kinder: Wegen Verstößen gegen US-Exportrecht plus anschließender Verschleierung verdonnerte die dortige Justiz die Bank im März 2015 zu einer Strafzahlung über 1,45 Milliarden Dollar – es war ein Vergleich, mit dem man den Einzug der Banklizenz für den US- und Dollar-Markt verhindern konnte.

Glimpflicher kam die Deutsche Bank davon (Vergleichshöhe: 258 Millionen Dollar), noch schlimmer traf es Frankreichs BNP Paribas (8,9 Milliarden Dollar).

Entsprechend schlottern den Bankern die Knie. Ein Marktteilnehmer sagt, was sie in der Branche offenbar alle denken: „Wir werden nicht gegen die Sanktionen verstoßen, selbst wenn wir kein US-Geschäft haben. Denn wir emittieren in US-Dollar und das soll auch so bleiben.“ Auch nachdem die Amerikaner ihr Sanktionspaket zusammengestrichen haben, hingen die Banken „zwischen Baum und Borke“: Wie rigoros setzen die US-Behörden ihr Sanktionsrecht außerhalb des Landes durch? Das ist die Frage, an der die Finanzierungen im Moment hängen.

Unabhängig davon fällt es gerade den vorsichtigen Deutschen schwer, das Dickicht der iranischen Wirtschaftsstrukturen zu durchschauen. „Es gibt einige Unternehmen, die vor den Sanktionen bereits im Iran im Geschäft waren“, sagt Thomas Wülfing, Chef der auf den Iran spezialisierten Hamburger Unternehmensberatung Germela. „Aber für die meisten Investoren ist der Iran eine Art ‚Black Box‘.“ Wülfing weiß: Wer im Iran Fuß fassen will, muss sich „wohl oder übel auf eine gewisse Staatsnähe seiner Partner einlassen“.

Aber welche Personen stehen auf den US-Sanktionslisten? Mit wem kann man Geschäfte machen? Wülfing sagt, wohl nicht ganz uneigennützig: Es brauche ein regelrechtes Navigationssystem vor Ort, die die Beziehungen zu den unterschiedlichen Machtgruppen Teherans durchschauen.

Manche Unternehmen stehen den Religionswächtern nahe, andere dem Militär, wieder andere stehen unter Kontrolle von Investmentfonds, die das Vermögen des Schahs verwalten. „Mit allen Machtgruppen gleichzeitig kann man keine Geschäfte machen“, sagt Wülfing. Für alle von ihnen gelte aber: „Sie sind so offen für Gemeinschaftsunternehmen wie nie zuvor.“

Und so wagen sich vorher nur wenige aus der Deckung: Daimler will mit früheren Partnern im Iran die Fertigung von Lkw und Motoren wieder aufnehmen. Siemens hofft auf die Lieferung von 500 Zügen. Beide Konzerne sind groß genug, um die damit verbundenen Risiken abzusichern.

Für den deutschen Mittelstand gilt das nicht. Und so werden die meisten hiesigen Unternehmer vom großen Geschäft im Iran vorerst nur träumen dürfen.

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