Auslandspraktikum: Das müssen Studenten beachten, die im Ausland arbeiten wollen
Praxiserfahrung sammeln, Sprachkenntnisse verbessern und interkulturelle Kompetenzen erwerben: Für ein Praktikum im Ausland spricht viel. Doch wer beschließt, mehrere Monate in einem anderen Land zu verbringen, sollte genug Vorlaufzeit zur Organisation einplanen.
„Generell ist es eher unwahrscheinlich, dass Sie heute die Idee haben und schon einen Monat später im Ausland sind“, erklärt die Berufs- und Karriereberaterin Maja Skubella von der Karriereberatung „Karriere und Entwicklung“. „Man sollte schon mit drei Monaten bis einem halben Jahr Vorlaufzeit rechnen“
Ist die grundsätzliche Entscheidung für ein Praktikum gefallen, stellt sich eine entscheidende Frage: Selber suchen oder eine Agentur beauftragen? Die Vorteile einer Agentur liegen auf der Hand: Weniger Stress mit der Organisation und ausgewählte Praktikumsstellen. Ein großer Nachteil aber auch: Es kostet Geld. Wer es sich leisten kann, eine Agentur für sich suchen zu lassen, sollte aber auf die Seriosität der Vermittlungsstelle achten. Wenn das Unternehmen schon länger am Markt ist, ist das schon einmal ein gutes Zeichen. Auch die Lektüre von Erfahrungsberichten im Netz kann helfen, schwarze Schafe auszusortieren.
Wer sich dazu entscheidet selber zu suchen, kann sich auch an die deutsche Außenhandelskammer seines Ziellandes wenden. Außerdem bietet der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) eine Übersicht über kostenlose und kostenpflichtige Praktikumsbörsen.
Spätestens wenn es an die Bewerbung geht, sollten Studenten sich mit den benötigten Sprachkenntnissen auseinandersetzen. Für manche Stellen kann es nötig sein, Sprachkenntnisse durch ein anerkanntes Zertifikat wie TOEFL (Test of English as a Foreign Language) oder DELF (diplôme d’études en langue française) nachzuweisen. Möglicherweise genügt auch der Nachweis eines Sprachkurses an der Uni oder Volkshochschule. Auch vorherige Praktika oder andere Auslandsaufenthalte können unter Umständen das Sprachniveau belegen.
Neben der Frage nach Sprache und Zielland, sollte ein Auslandspraktikant in spe sich auch über die Branche klar sein, in welcher er arbeiten möchte. „Im besten Fall findet das Praktikum in dem Bereich statt, in dem man später auch gerne arbeiten möchte. Dann kann mit dem Lebenslauf eine schöne runde Geschichte erzählen“, erklärt Karriereberaterin Skubella.
Sind die vorangegangenen Punkte entschieden und hat der Student die Zusage für einen Praktikumsplatz erhalten, fängt ein Großteil der bürokratischen Arbeit erst an. Wer sich für eine Stelle außerhalb der Europäischen Union entschieden hat, muss sich möglicherweise um Visa kümmern. Vor allem in diesem Fall ist also ausreichend Vorlaufzeit wichtig. Am besten informiert man sich bei der Botschaft des entsprechenden Landes, wie man zu dem benötigten Visum kommt. Für manche Länder sind bestimmte Impfungen sinnvoll oder sogar verpflichtend, bevor die Einreise gewährt wird. Auch der Abschluss von Kranken-, Unfalls und Haftpflichtversicherungen für das Ausland ist zu empfehlen. Inzwischen bieten viele Versicherungsdienstleister Komplettpakete an, die extra auf die Bedürfnisse von Studenten zugeschnitten sind.
All das verursacht Kosten, die noch zu anderen Ausgaben für An- und Abreise, Unterkunft und Lebenshaltung hinzugerechnet werden müssen. Wer ein Praktikum im Ausland macht, kann leider nicht unbedingt davon ausgehen, dass es vom Anbieter auch bezahlt wird. Um die drohende finanzielle Lücke zu schließen, gibt es einige Möglichkeiten sich fördern zu lassen.
Platz 13: Deutschland
Eine Studie der britischen Bank HSBC zeigt, welche Länder für Gaststudenten richtig kostspielig werden. Deutschland landet unter den bewerteten 13 Ländern auf dem letzten Platz. Studenten, die ein Jahr in Deutschland leben und studieren wollen, müssen demnach für das Studium an sich 635 Dollar (etwa 470 Euro) pro Jahr rechnen. Für Miete und Lebenshaltungskosten kommen durchschnittlich noch einmal 5650 Dollar oder 4200 Euro pro Jahr hinzu.
Foto: dpaPlatz 12: Spanien
In Spanien fallen für ausländische Studenten laut der Studie durchschnittliche Kosten in Höhe von 7006 Dollar (5212 Euro) pro Jahr an. Studiengebühren machen davon rund 1000 Dollar aus, der Rest entfällt auf Lebensmittel, Miete oder Kleidung. Wer dagegen zum Studieren für ein Jahr nach Taiwan geht (Platz 11), muss schon etwas mehr Geld zur Verfügung haben. 8257 Dollar oder 6143 Euro kostet das Studium dort pro Jahr. An Studiengebühren fallen durchschnittlich 3270 Dollar an.
Platz 10: China
Ebenfalls ein beliebtes Ziel für ausländische Studenten ist China. Wer dort zwei Semester an der Uni verbringen möchte, muss mit 3983 Dollar (2963 Euro) Studiengebühren und 4783 Dollar (3559 Euro) Lebenshaltungskosten rechnen.
Foto: APPlatz 9: Russland
In Russland kostet das Studium pro Jahr durchschnittlich 3131 Dollar. Hinzu kommen noch einmal gut 6310 Dollar an Lebenshaltungskosten. Insgesamt kostet ein Jahr in Russland Studenten also 9441 Dollar oder 7024 Euro.
Foto: dpaPlatz 8: Japan
Deutlich teurer ist das Auslandsstudium in Japan: 19.164 Dollar (14.258 Euro) kostet ein Jahr wohnen, essen und studieren im Land des Lächelns. 6522 Dollar davon sind Studiengebühren, 12.642 Dollar fallen für Lebenshaltungskosten an.
Foto: REUTERSPlatz 7: Hongkong
Noch einmal fast 3000 Dollar teurer ist das Studium in Hongkong. 22.443 Dollar (16.698 Euro) kostet das Jahr in der Sonderverwaltungszone an der Südküste Chinas.
Foto: REUTERSPlatz 6: Singapur
In Singapur zahlen ausländische Studenten rund 14.885 Dollar Studiengebühren und 9363 Dollar für Miete, Essen und Kleidung. Insgesamt kostet der Aufenthalt also 24.248 Dollar (18.041 Euro) im Jahr.
Foto: dpaPlatz 5: Kanada
Studenten, die ein Jahr nach Kanada gehen wollen, sollten mit Kosten von mindestens 26.000 Dollar (19.344 Euro) rechnen. Der Großteil, nämlich 18.474 Dollar, fallen dabei an Studiengebühren an.
Foto: dpaPlatz 4: Vereinigte Arabische Emirate
Wer in Abu Dhabi, Adschman, Dubai, Fudschaira, Ra’s al-Chaima, Schardscha oder Umm al-Qaiwain studieren möchte, muss mit durchschnittlichen Kosten in Höhe von 27.375 Dollar (20.367 Euro) pro Jahr rechnen. Auch in den Vereinigten Arabischen Emiraten machen die Studiengebühren mit durchschnittlich 21.371 Dollar pro Jahr den Löwenanteil aus.
Foto: REUTERS
Platz 3: Großbritannien
Noch exotischer sind die Kosten für ein Studium in England: Ausländische Studenten zahlen dort im Durchschnitt 30.325 Dollar (22.562 Euro) pro Jahr. Auf die Studiengebühren entfallen 19.291 Dollar, die Lebenshaltungs kosten schlagen mit 11.034 Dollar zu Buche.
Foto: APPlatz 2: USA
Noch teurer ist der Auslandsaufenthalt in den Vereinigten Staaten von Amerika: 25.226 Dollar kostet das Studium im Schnitt pro Jahr. Hinzu kommen 10.479 Dollar für Miete, Essen und Kleidung. Macht insgesamt 35.705 Dollar (26.565 Euro) pro Jahr.
Foto: APPlatz 1: Australien
Am teuersten ist das Studium mit durchschnittlich 38.516 Dollar (28.656 Euro) pro Jahr in Australien. Die reinen Studiengebühren betragen im Schnitt pro Jahr 25.375 Dollar, hinzu kommen noch einmal gut 13.140 Dollar für den Unterhalt.
Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gmsWenn das Praktikum im Zusammenhang mit dem Studium steht, können Studenten zum Beispiel Förderung durch Erasmus+ oder Auslands-Bafög bekommen. Beim Auslands-Bafög gelten dann auch andere Einkommensgrenzen, sodass auch Studenten, die sonst nicht Bafög-berechtigt sind, Anspruch auf Förderung haben können. Außerdem bieten zum Beispiel der DAAD und andere gemeinnützige Organisationen Stipendien an.
Vor dem ersten Tag des Praktikums ist es vor allem wichtig, sich über die kulturellen Gepflogenheiten im fremden Land informiert zu haben. Während die Unterschiede innerhalb Europas noch relativ gering sind, wird das umso wichtiger, wenn man sich in andere Kulturkreise begibt. Der DAAD bietet auf seiner Internetseite einen Überblick über das Leben in verschiedenen Ländern. Dort gibt es oft auch Erfahrungsberichte von Studenten, die im jeweiligen Land gearbeitet oder studiert haben.
Doch was machen Studenten, wenn sich das Praktikum ganz anders gestaltet, als eigentlich erwartet? Sie sich beispielsweise zum fremdsprachigen Kaffeekoch-Beauftragten degradiert fühlen? Berufsberaterin Skubella rät dazu, das Gespräch zu suchen: „Am besten wenden Sie sich erstmal an einen Vorgesetzten und versuchen über Probleme und mögliche Lösungen zu sprechen.“ Wer über eine Stiftung oder Agentur im Ausland ist, kann sich auch dort an einen Verantwortlichen wenden.
Von dem vorzeitigen Abbruch des Praktikum sei abzuraten, meint Skubella: „Den Schritt würde ich nur tun, wenn die Zustände wirklich untragbar erscheinen. Ansonsten sollten Sie das Praktikum immer noch als wertvolle Erfahrung verbuchen.“ Denn auch wenn die eigentliche Arbeit vielleicht nicht erfüllend ist, gibt es schließlich noch anderes, das man während seines Auslandsaufenthalts lernen kann: Nicht zuletzt die Sprache des Gastlandes und dessen Kultur. „Besonders die Situation, sich alleine in einem fremden Land zurechtfinden zu müssen, ist nochmal eine ganz andere Erfahrung, als ein Praktikum in Deutschland. Das fördert deutlich mehr die Selbstständigkeit“, sagt Skubella.
Gegen Ende oder nach dem Ende des Praktikums sollten Studenten unbedingt ein Empfehlungsschreiben erbitten, um einen Nachweis für den Lebenslauf zu haben. „Ein Arbeitszeugnis, wie wir es kennen, ist außerhalb des deutschen Sprachraums eher unbekannt. Vor allem typische Formulierungen wie ‚in besonderen Maße’ oder ‚zu vollster Zufriedenheit’ sorgen eher für Verwirrung.“ Explizit nach einem Empfehlungsschreiben zu fragen, ist deshalb oft die bessere Idee. Wenn möglich sollte das auf Englisch ausgestellt werden. Wird es in der jeweiligen Landessprache geschrieben, kann auch eine professionelle Übersetzung für den deutschen Arbeitsmarkt sinnvoll sein.
Hat das Praktikum im Rahmen des Studiums stattgefunden, steht nun oft noch ein Bericht an. Auch einige Förderprogramme verlangen von ihren Teilnehmern Erfahrungsberichte. Welche Anforderungen die erfüllen müssen, erfragt man am besten vorher bei seiner Hochschule oder seinem Stipendiengeber.