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InvestmentfondsDie wahren Fondsperlen machen auch mal Pause

Es gibt sehr gute Fonds, die keine weiteren Anleger brauchen. Sie öffnen sich nur gelegentlich. Was hinter dem "Soft Closing" steckt und warum Anleger solche Fonds besonders im Blick behalten sollten.Peter Hermann 17.05.2017 - 16:57 Uhr

Fonds mit Soft-Closing nehmen vorübergehend keine Anlegergelder mehr an.

Foto: Getty Images, Montage

Woran erkennen Anleger einen guten Fonds? Fondsanleger informieren sich im Vorfeld einer Investition gern und ausführlich in Bestenlisten, die regelmäßig von verschiedenen Geldinstituten oder Rating-Agenturen veröffentlicht werden. Hier finden sie die erfolgreichsten Finanzprodukte ihrer bevorzugten Fonds-Kategorie. Das meinen sie jedenfalls. Tatsächlich sind es oft die allerbesten Fonds, die aufgrund unterschiedlicher Kriterien in besagten Bestenlisten gar nicht erst auftauchen.

"Oh je – mein Investmentfonds ist aus dem Handel genommen"

Wenn ein Offener Investmentfonds geschlossen wird, ist das für Anleger meist nicht gerade ein Grund zum Jubeln. Als die Bundesregierung vor einigen Jahren neue Regeln für offene Immobilienfonds einführte und Investoren deswegen ihr Geld abzogen, mussten eine ganze Reihe dieser Finanzprodukte dicht machen. Und zwar in Form eines Hard Closings, was viele Investoren kalt erwischte.

Mitte bis Ende der Nullerjahre waren die verbliebenen Anteilseigner gezwungen, teils Ewigkeiten auf die Auszahlung ihrer Fondsanteile zu warten. Dabei erhielten schließlich oft deutlich weniger als 100 Prozent der Investitionssumme zurück, was für sie am Ende ein fettes Minus bedeutete (von den ausgefallenen Renditen ganz zu schweigen). Und das bei vielen Immobilienfonds -  selbst bei einst so attraktiven Investments wie dem Kanam grundinvest oder dem Grundbesitz-Invest der Deutschen Bank. Am Ende führte es dazu, dass wie im Falle des Kanam grundinvest die Fonds nach und nach sämtliche Immobilien veräußern mussten.

Soft Closing – wegen (zu großem) Erfolg geschlossen

Beim sogenannten Soft Closing ist alles anders. Was im alltäglichen Geschäftsleben wie ein schlechter Witz klingt, ist ein Phänomen, das in der Finanzwirtschaft gar nicht so selten vorkommt: wegen zu großem Erfolg geschlossen. Denn es ist durchaus möglich, dass ein Aktienfonds einen so großen Zuspruch erlebt, dass die Fondsmanager im wahrsten Sinne des Wortes gar nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld ihrer Anleger.

Jüngstes Beispiel ist der DWS Aktien Strategie Deutschland (ISIN DE0009769869/ WKN 976986). Die offizielle Mitteilung der Fondsgesellschaft lautete: Beim DWS Aktien Strategie Deutschland wurde zum Schutz der bereits investierten Anleger die Anteilsausgabe zum 18.03.2016 13:30 Uhr bis auf weiteres eingestellt. Das Finanzprodukt hatte mit einem Volumen von rund 3,2 Mrd. Euro seine Kapazitätsgrenze erreicht.

Was war geschehen? Der DWS Fonds hatte es seit seiner Auflegung Anfang 1999 geschafft, seinen Vergleichsindex Dax über eine Reihe von Jahren hinweg immer um einige Prozent zu übertrumpfen. Klar, dass das vielen Marktteilnehmern nicht verborgen blieb und immer mehr Geldgeber sich die Klinke in die Hand gaben.

10. Platz: Aktien

Der comdirect Spar- und Anlageindex ist im September den sechsten Monat in Folge gesunken. Er erreichte mit 93,8 Punkten den niedrigsten Stand seit Dezember 2015. Die Deutschen sparen also immer weniger. 40 Prozent legten im September gar nichts oder weniger als 50 Euro zurück. Im Schnitt sparte jeder Deutsche 105,62 Euro.

Aktien sind als Geldanlage bei den Deutschen nicht sehr beliebt. Mit einem Anteil von 14 Prozent reicht es nur für den zehnten Platz des Rankings.

(Quelle: comdirect)

Foto: dpa

9. Platz: Festgeld

Schon etwas beliebter als die Aktien ist das Festgeld. Immerhin 19 Prozent der Geldanlagen fallen in diesen Bereich.

Dass insgesamt wenig angelegt wird, hängt unter anderem mit der andauernden Niedrigzinsphase zusammen. Da noch nicht klar ist ob, und falls ja, wann die Europäische Zentralbank die Zinsen wieder hebt, wird Anlegern empfohlen, ihr Geld in Produkten mit höheren Renditechancen (und gleichzeitig aber auch höherem Risiko) als den aktuell sehr schlecht verzinsten klassischen Sparprodukten anzulegen.

Foto: dpa

8. Platz: Fonds

Fonds befinden sich mit dem Festgeld gleichauf. Sie liegen ebenfalls bei 19 Prozent. Im Gegensatz zum August konnten sie um drei Prozent zulegen und sich so einen Platz nach oben schieben.

Im Norden und im Osten Deutschlands wurde im September vergleichsweise besonders wenig gespart. Im Norden sparte man durchschnittlich 94,37 Euro und im Osten 91,96 Euro pro Person. Im Süden legte der Durchschnittsparer mit 121,26 Euro deutlich mehr zurück.

Foto: gms

7. Platz: Altersvorsorge

Die Altersvorsorge wird in Deutschland zu einem immer wichtigeren Thema. Immerhin 26 Prozent der Ersparnisse werden hierzulande in diesem Bereich angelegt, was der Anlageform zu einem siebten Platz in diesem Ranking verhilft.

Absolut gesehen planen die Deutschen gemäß der Studie aber zukünftig weniger zurück zu legen. Nur 11 Prozent der 1.600 Befragten gaben an, dass sie ihre Sparrate erhöhen möchten. 13 Prozent wollen ihr Verhalten nicht ändern und 13 Prozent sagten, dass sie in Zukunft weniger sparen möchten.

Foto: dpa

6. Platz: Lebensversicherung

Die Lebensversicherung schafft es in diesem Ranking auf den sechsten Platz. Mit 29 Prozent ist sie aber auch weit vom Spitzenplatz der beliebtesten Geldanlage für die Ersparnisse entfernt.

Dass die Sparquote insgesamt zurück gegangen ist, liegt vor allem an dem hohen Anteil der Menschen, die so gut wie nichts sparen. Insgesamt legten 40 Prozent der Deutschen weniger als als 50 Euro zurück.

Foto: dpa

5. Platz: Bausparvertrag

Im Mittelfeld dieses Rankings findet sich der Bausparvertrag. Die Deutschen legen 30 Prozent ihrer Ersparnisse in dieser Form an. Somit ist der Bausparvertrag deutlich beliebter als die Aktien, Fonds und das Festgeld. Auch zu den nächsten Plätzen fehlt nicht viel.

Foto: dpa

4. Platz: Bargeld

Nur ein Prozent vor dem Bausparvertrag liegt das Bargeld. Es bewahren also 31 Prozent der Deutschen ihre Ersparnisse als Bargeld auf. Die Vorstellung, dass viele Deutsche ihr Geld in einem Sparstrumpf „anlegen“ ist also weiterhin zutreffend.

Foto: dpa

3. Platz: Tagesgeld

Auf das Treppchen dieser Einordnung hat es das Tagesgeld geschafft. 34 Prozent reichten, um sich vor den anderen Geldanlagemöglichkeiten zu platzieren. Der Abstand zu den ersten beiden Plätzen ist allerdings groß.

Der Anteil des Einkommens, den Deutsche insgesamt sparten, betrug im September knapp 7 Prozent.

Foto: dpa

2. Platz: Sparbuch

Großer Beliebtheit erfreut sich immer noch das Sparbuch. Mit 51 Prozent wurde es ganz knapp Zweiter. Trotz geringer Rendite ist es also eine der häufigsten Anlageformen in Deutschland. Im Gegensatz zum Vormonat hat es allerdings zwei Prozent eingebüßt.

Foto: dpa

1. Platz: Girokonto

An der Spitze thront auch im September das Girokonto. Wie auch im Vormonat nahm es die Spitzenposition ein. 55 Prozent deutscher Ersparnisse liegen auf Girokonten. Allerdings hat auch das Girokonto – wie das Sparbuch – im Vergleich zum August ein paar Prozent verloren.

Foto: dpa

Da der Fonds nicht nur in deutsche Standardwerte und wachstumsstarke Mid Caps sondern auch in kleinere Werte investiert und wie viele andere vergleichbare Produkte nur eine begrenzte Zahl von Investments eingeht, konnten die einzelnen Investitionen nicht ohne Ende erhöht werden. So kam es dann im Frühjahr 2016 zum Erreichen der Kapazitätsgrenze.

Wie die DWS auf der eigenen Internet-Seite weiter bekannt gibt, können „Anleger ... somit vorerst nicht mehr neu investieren oder ihr bestehendes Engagement weiter aufstocken. Eine Rückgabe der Fondsanteile zum täglich berechneten Nettoinventarwert (NAV) zur im Verkaufsprospekt festgelegten Orderannahmezeit ist weiterhin täglich möglich.“ Eine aktuelle Nachfrage der WirtschaftsWoche ergab, dass eine zeitnahe Wiedereröffnung des Fonds aktuell nicht geplant ist. Außer dass eben bis auf weiteres Anteile des Fonds nicht mehr erhältlich sein werden, gibt es also in diesem Fall für Anleger keinen Grund zum Klagen.

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Mit regelmäßigen Sparplänen ein Vermögen aufbauen

von Martin Gerth und Heike Schwerdtfeger

Viele Fonds müssen Mittelzuflüsse begrenzen

Das Soft Closing kommt in unterschiedlichen Ausprägungen vor. Ziel einer solchen Maßnahme ist es aber freilich immer, Mittelzuflüsse zu begrenzen, um die eingeschlagene Anlagestrategie beibehalten zu können. Und es muss auch nicht immer in der gleichen Art und Weise ausgestaltet sein.

Mal sind die Höchstsummen des Nachkaufs in einem gewissen Zeitraum begrenzt, mal sind Neukunden außen vor und ein anderes Mal sind Sparpläne vom Closing ausgenommen oder nicht. In den allermeisten Fällen können Anleger beim Soft Closing jederzeit aber über ihr Geld verfügen. Weitere Fonds, die derzeit ein Soft Closing verhängt haben finden sie in unserer Chartgalerie von Seite eins.

Das Sparverhalten der Deutschen im Ländervergleich
Sparbuch: 53,8 ProzentFestgeld: 41,6 ProzentWertpapiere/Fonds: 31,1 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 29,2 ProzentFonds: 12,7 ProzentFondssparpläne: 9,5 ProzentQuelle Forsa/Union Investment; Stand: März 2017
Sparbuch: 59,8 ProzentFestgeld: 41,5 ProzentWertpapiere/Fonds: 34,9 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 29,0 ProzentFonds: 17,4 ProzentFondssparpläne: 9,5 Prozent
Sparbuch: 36,5 ProzentFestgeld: 37,5 ProzentWertpapiere/Fonds: 26,3 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 27,9 ProzentFonds: 9,9 ProzentFondssparpläne: 5,7 Prozent
Sparbuch: 40,0 ProzentFestgeld: 40,1 ProzentWertpapiere/Fonds: 28,9 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 27,9 ProzentFonds: 10,6 ProzentFondssparpläne: 10,5 Prozent
Sparbuch: 55,3 ProzentFestgeld: 36,0 ProzentWertpapiere/Fonds: 31,0 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 19,7 ProzentFonds: 13,7 ProzentFondssparpläne: 10,0 Prozent
Sparbuch: 53,3 ProzentFestgeld: 44,3 ProzentWertpapiere/Fonds: 34,0 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 28,3 ProzentFonds: 14,7 ProzentFondssparpläne: 9,9 Prozent
Sparbuch: 42,8 ProzentFestgeld: 36,2 ProzentWertpapiere/Fonds: 18,1 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 15,0 ProzentFonds: 8,2 ProzentFondssparpläne: 3,8 Prozent
Sparbuch: 52,3 ProzentFestgeld: 34,4 ProzentWertpapiere/Fonds: 25,1 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 25,1 ProzentFonds: 10,1 ProzentFondssparpläne: 10,9 Prozent
Sparbuch: 56,3 ProzentFestgeld: 38,0 ProzentWertpapiere/Fonds: 28,4 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 28,2 ProzentFonds: 12,3 ProzentFondssparpläne: 8,1 Prozent
Sparbuch: 56,0 ProzentFestgeld: 42,0 ProzentWertpapiere/Fonds: 28,0 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 28,7 ProzentFonds: 14,3 ProzentFondssparpläne: 9,1 Prozent
Sparbuch: 40,3 ProzentFestgeld: 43,2 ProzentWertpapiere/Fonds: 25,2 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 22,7 ProzentFonds: 12,6 ProzentFondssparpläne: 7,0 Prozent
Sparbuch: 47,9 ProzentFestgeld: 32,9 ProzentWertpapiere/Fonds: 21,4 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 22,6 ProzentFonds: 11,2 ProzentFondssparpläne: 4,2 Prozent
Sparbuch: 53,2 ProzentFestgeld: 36,7 ProzentWertpapiere/Fonds: 32,7 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 25,2 ProzentFonds: 16,3 ProzentFondssparpläne: 11,4 Prozent
Sparbuch: 46,3 ProzentFestgeld: 35,0 ProzentWertpapiere/Fonds: 24,9 ProzentVermögenswirksame Leistungen: 29,0 ProzentFonds: 13,4 Prozent Fondssparpläne: 9,3 Prozent

Selbst Rating Agenturen verlieren Fonds-Perlen manchmal aus den Augen

Es kann sogar vorkommen, dass selbst Rating-Agenturen Fonds aus den Augen verlieren, die ein- oder sogar mehrmals ein Soft Closing durchgeführt haben. Beispielsweise ist das geschehen beim First Eagle Amundi International. Beim First Eagle Amundi International handelt es sich um einen weltweit anlegenden Value-Aktienfonds. Den First Eagle Global Fund, wie er in den USA heißt, gibt es seit 1970. Seither hat er Kapital in Höhe von mehr als 50 Milliarden US-Dollar eingesammelt.

In Europa wird die hier seit 1996 vertriebene Tranche als First Eagle Amundi International bezeichnet. Diese weist derzeit ein Volumen von 8,28 Milliarden Euro auf. Wie erfolgreich er ist? Die europäische Variante hat wohlgemerkt seit 1996 jedes Jahr rund 10,5 Prozent zugelegt. Sein Vergleichsindex, der MSCI World, zeigt im gleichen Zeitraum nur ein durchschnittliches Plus von etwa 6,6 Prozent.

Privatanleger machen vermeidbare Fehler

Eine Studie der Wirtschaftsprofessoren Andreas Hackethal und Steffen Meyer für das Magazin „Finanztest“ hat knapp 40.000 Wertpapierdepots von Direktbankkunden im Zeitraum von 2005 bis 2015 ausgewertet.

Das Ergebnis zeigt, dass die Anleger weit hinter den Wertzuwächsen des Gesamtmarktes liegen. Während eine Rendite von jährlich 8,7 Prozent realistisch gewesen wäre, kommen die Anleger nur auf einen Wertzuwachs von 3,1 Prozent. Mangelnde Finanzkenntnisse müssen nicht die Ursache sein. Zu Einbußen führen meist kurzfristiges Denken, Gier und Aktionismus. Die vier gängigsten Fehler sind leicht zu beheben. Wir stellen sie vor – und entsprechende Gegenstrategien.

Das Bild zeigt die Börse von Abu Dhabi. Hier handeln Privatanleger mit größeren Beträgen als in Deutschland.

Foto: REUTERS

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Befund

Sie ist die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche Geldanlage – dennoch vernachlässigen sie viele Anleger: die Risikostreuung. Wie die Studie zeigt, streuen Anleger ihre Wertpapiere zu wenig; die Aktienkonzentration ist höher als noch vor zehn Jahren. Eines der untersuchten Depots beinhaltet heute im Schnitt zwölf Aktien.

In Santiago de Chile bedient ein Mitarbeiter der chilenischen Zentralbank eine Sicherheitstür.

Foto: REUTERS

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Folgen

Zwischen der Streuung und dem Chance-Risiko-Verhältnis besteht laut den Autoren ein klarer Zusammenhang. Selbst die relativ breit aufgefächerten Depots reichen nicht entfernt an das Verhältnis des Weltaktienindexes MSCI World heran.

In manchen Depots befindet sich nur eine einzige Aktie. Wenn diese auch noch ein spekulativer Titel ist, unterliegt das Depot enormen Kursschwankungen.

Am 24. Oktober 1929, dem „Schwarzen Donnerstag“ kommen Menschen vor der New York Stock Exchange zusammen.

Foto: AP

Fehler 1: Mangelnde Streuung - Gegenmittel

Es ist leicht, ein breit gestreutes Depot aufzubauen: durch börsengehandelte Indexfonds (ETF). Sie beteiligen Anleger, je nach Art, an 1600 bis 2500 internationalen Aktien. Für Staatsanleihen gibt es ebenfalls ETFs.

Bestehende Depots umzubauen, ist nicht nicht ganz einfach. Anleger sollten sich von Verlustpositionen trennen. Ein Papier erst zu verkaufen, wenn es seinen einstigen Kaufpreis erreicht hat, ist irrational. Es sollten triftige Gründe für eine zu erwartende Wertsteigerung vorliegen.

Ein chinesischer Investor analysiert im August 2015 eine Kurstafel.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Befund

Der Fehler erinnert an das Muster von Sportwetten: Unerfreuliche Ergebnisse werden ausgeblendet, Erfolgserlebnisse übermäßig hochgehalten. Anleger sollten aber ausschließlich die langfristige Entwicklung des Gesamtdepots im Blick haben.

Oft suchen sie ihr Heil in einer Kombination aus Einzelaktien: Im Falle eines Missgriffs ist es eine beliebte Methode, die Position aufzustocken, um den durchschnittlichen Einstandspreis zu senken und von der erwarteten Erholung zu profitieren. Das kann jedoch auch weiteres Unheil anrichten: Das sogenannte Klumpenrisiko, eine Übergewichtung einzelner Anlagen im Depot, steigt. Private Anleger haben gegenüber Profis hier offenbar schlechtere Karten.

Das Foto vom 20. Oktober 1987 zeigt Händler in der Frankfurter Börse. Am 19. Oktober 1987 erlebte die Wall Street einen ihrer schwärzesten Tage.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Folgen

Vom Aktien-Picken betroffene Depots bringen nur 3,1 Prozent Rendite. Mit einer Indexmischung, die die durchschnittliche Vermögensaufteilung der Anleger widerspiegelt, hätten sie dagegen 8,7 Prozent erzielt.

Jeder fünfte Deutsche legt sein Geld in Fonds an. Diese werden von Fondsmanagern verwaltet, die das eingesammelte Geld in Aktien, Obligationen, Immobilien und andere Wertpapiere anlegen.

Foto: dpa

Fehler 2: Aktien-Picken - Gegenmittel

Aktien- und Renten-ETFs sind auch hier ein probates Mittel. Passionierte Zocker von einer solchen Strategie zu überzeugen, fällt manchmal schwer. Wer unbedingt eigenhändig zusammenstellen will, sollte zwingend auf eine möglichst gleichmäßige Verteilung auf die wichtigsten Branchen achten.

Die USA gelten als Nation der Aktienbesitzer.

Foto: dpa

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Befund

Ein typischer Anleger verändert auf Jahressicht knapp ein Viertel seines Portfolios. Die aktivsten krempeln ihr Depot zweimal im Jahr komplett um. Das bringt nichts: Die eifrigen Händler erhalten die schlechteste Rendite. Übrigens auch, wenn man die Handelskosten abzieht.

Broker stehen am 25. Oktober 1929 zu Beginn der Weltwirtschaftskrise in der New Yorker Börse. Innerhalb weniger Tage verloren Millionen Amerikaner ihr Vermögen, die Panik griff weltweit auf die Börsenplätze über.

Foto: AP

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Folgen

Kauf- und Verkaufskosten verringern die Rendite um annähernd ein Prozent. Dieser Wert steigt bei besonders aktiven Händlern deutlich (3,3 Prozent). Passivere kommen dagegen der Rendite des großen Index MSCI World nahe.

Händler der Investmentbank Lehman Brothers arbeiten in der New Yorker Börse am 17. Juni 2008 – drei Monate vor der Insolvenz.

Foto: dpa

Fehler 3: Übermäßiges Handeln - Gegenmittel

Wer vom Start weg auf weltweite Indexfonds setzt, hat in der Folge wenig Grund, sein Portfolio zu verändern. In schlechten Börsenzeiten muss die Verlusttoleranz allerdings strapazierfähig sein. Hektische Reaktionen machen die ausgegebene Taktik zunichte. Ein Logbuch kann helfen, die Transaktionssummen im Blick zu behalten.

Die Flamme eines Feuerzeuges beleuchtet eine Euro-Münze aus Griechenland. Wer Geduld bewahrt und sein Portfolio ausgewogen gestaltet, ist vor hohen Verlusten gefeit.

Foto: dpa

Fehler 4: Zu viel Deutschland - Befund

Die nachvollziehbare Einstellung, nur bekannte Unternehmen – also vornehmlich deutsche – ins Portfolio aufzunehmen, geht zulasten der Streuung. Während der Anteil deutscher Aktien im MSCI World drei Prozent beträgt, vertrauen in den untersuchten Depots 43 Prozent auf hiesige Aktiengesellschaften. Obwohl es leichter geworden ist, ausländische Aktien zu handeln, bleibt dieser Wert relativ konstant. Ein weiteres Problem ist die Zusammensetzung der deutschen Titel: Sie ist oft nicht repräsentativ für den Gesamtmarkt. Gängige Indizes schneiden hier besser ab.

Eine Gruppe von Menschen steht am 13. Juli 1931 vor der Darmstädter und Nationalbank (Danatbank) in Berlin. Die (im Zusammenhang mit den Turbulenzen bei Hypothekenbanken 2008 als Vergleich herangezogene) Bankenkrise von 1931 hat ihre Wurzeln in der Weltwirtschaftskrise von 1929 und dem damit verbundenen Börsencrash.

Foto: AP

Problem 4: Zu viel Deutschland - Folgen

Die Wertschwankungen steigen, das Ergebnis wird weniger berechenbar. Glück hatten die Anleger vor allem deutscher Titel vor allem dann, wenn der Markt hierzulande schlicht gut lief. Untersuchungen belegen, dass ein international ausgelegtes Portfolio ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis verspricht.

Auch Gold, hier ein Barren aus der chilenischen Nationalbank, stellt eine beliebte Anlageform dar.

Foto: Reuters

Fehler 4: Zu viel Deutschland - Gegenmittel

Als Beimischung sind deutsche Aktien sehr gut geeignet. Einen Anteil von 20 Prozent halten die Studienautoren noch für akzeptabel. Wer nur ein geringes Vermögen anlegen will, dem sei eine Kombination aus MSCI World und Dax-ETF empfohlen. Fünf bis zehn Titel aus verschiedenen Branchen sollten es schon sein.

Ein junger Russe spielt mit unechten US-Dollarscheinen – ein Werbegag, mit dem eine Vermögensberatung auf der Millionärsmesse in Moskau finanzstarke Kunden locken wollte.

Studien-Quelle: Finanztest

Foto: dpa

Ob es nun daran liegt, dass der First Eagle bereits einige Male ein Soft Closing verhängt hatte oder dass die Rating-Agentur ihn in eine breit gefasste (und daher undeutliche) Kategorie eingefügt hat, hat das Finanzprodukt trotz glänzender Performance-Daten und Kennzahlen in der Fondsdatenbank der Analysten von Morningstar (hier wird er unter der Kategorie „Mischfonds USD aggressiv“ geführt) nur vier Sterne und zählt unter den Aspekten der dortigen Bewertung nur zum Mittelmaß.

Im Fondsportal FWW FundStars gehört der First Eagle Amundi International zum Fondssektor „Mischfonds flexibel Welt“ und ist mit der Höchstnote – mit fünf Sternen – ausgezeichnet. Bei den FWW FundStars hat wahrscheinlich die herausragende Sharpe Ratio (grob dargestellt: dem Verhältnis von Gewinn zum Risiko) von knapp vier ein höheres Gewicht als dies bei Morningstar der Fall ist.

Anleger sollten also immer nach Fonds Ausschau halten, die von einem Soft Closing betroffen waren oder sind. Wenn solche Fonds-Perlen, was ja durchaus möglich ist, zum Investitionszeitpunkt nicht zu haben sind, können diese immer noch auf die Beobachtungsliste (Watchlist) genommen werden.

Den Bewertungen der Rating-Agenturen sollte dagegen nur bedingtes Vertrauen geschenkt werden.

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