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SpanienRegion Valencia führt Gemeinwohl-Ökonomie ein

Ausgerechnet Spaniens Korruptionshochburg Valencia bekennt sich zum Gemeinwohl-Konzept des Alternativ-Ökonomen Christian Felber. Umsetzen soll es ein Mann, der unverdächtig ist, ein linker Ideologe zu sein.Stefanie Claudia Müller 21.04.2017 - 10:18 Uhr

Viele Gemeinden in Deutschland und Spanien nennen sich inzwischen “Gemeinwohl Gemeinde”. Sie stehen für ein alternatives Wirtschaftssystem, das auf Kooperation und Solidarität beruht.

Foto: fotolia

In seiner österreichischen Heimat wird Christian Felber sehr viel weniger geschätzt als im fernen Spanien. Während österreichische Regierungspolitiker dem bekanntesten Theoretiker der Gemeinwohl-Ökonomie (GWÖ) nach dessen eigener Aussage "wenig Verständnis" entgegenbringen, gilt der 45jährige Buchautor ("Die Gemeinwohl-Ökonomie", 2014) und ATTAC-Mitgründer in Spanien als Schöpfer eines neuen wirtschaftlichen Leitbildes.

Ausgerechnet Valencia, eine der Pleite-Regionen Spaniens und besonders berüchtigt für seine korrupte Verwaltung, hat einen Plan gesetzlich verankert, nach dem Tourismus, Finanzwesen und Landwirtschaft am Gemeinwohl auszurichten sind. Im Februar diesen Jahres verabschiedete die Regional-Regierung einen Erlass, der die Anwendung des Gemeinwohls in der regionalen Gesetzgebung verankert. Die Universität von Valencia hat einen eigenen Lehrstuhl zu dieser alternativen Wirtschaftsweise eingerichtet.

Basis des GWÖ-Modells nach Felber ist die unternehmerische Gemeinwohl-Bilanz. In dieser wird unternehmerischer Erfolg nicht mehr als monetärer Gewinn gemessen wie in konventionellen Unternehmensbilanzen, sondern als Beitrag zum Gemeinwohl.

Was zeichnet die Gemeinwohl-Ökonomie aus?
Das Konzept der Gemeinwohl-Ökonomie wurde vom österreichischen Philologen Christian Felber als Vision eines alternativen Wirtschaftssystems entwickelt, das auf Werten wie Kooperation und Solidarität basiert. Es ist keine politische Bewegung. Felber zitiert immer wieder griechische Philosophen wie Aristotoles und Platón in seinen Reden. 300 vor Christus schreibt Platón bereits in der „Politeia“: „Das Gemeinwohl stellt dabei die Funktion und das Ziel der politischen Gemeinschaft dar, in ihm verwirklichen sich die Bedürfnisse, die Interessen und das Glück aller Bürger durch ein tugendhaftes und gerechtes Leben.“
Der 45jährige ist ein Querdenker und Quer-Einsteiger. Er ist Philologe, Tänzer, Buchautor und Aktivist. Geboren wurde er in Österreich, er sieht sich jedoch als Weltbürger. Seit 2008 unterrichtet er Gemeinwohl-Ökonomie an mehreren österreichischen Unis. 2014 kam der weltweite Durchbruch mit dem Buch “Die Gemeinwohl Ökonomie”, das weltweit mehr als 60.000 mal verkauft wurde und in viele Sprachen übersetzt wurde.
Die 20 inhaltlichen Eckpunkte der Gemeinwohl-Ökonomie beinhalten Vorschläge wie ein Gemeinwohl-Produkt, das Bruttoinlandsprodukt als Erfolgsindikator ablösen soll. Die Initiierung einer Fair-Handelszone („Gemeinwohl-Zone“) wird ebenso angestrebt und ein Schul- und Bildungssystem, das gemeinwohl-orientierte Werte vermittelt.
Hier finden Sie ein Netz von Gemeinden überall auf der Welt, die ihr wirtschaftliches und politisches Handeln nach dem Gemeinwohl-Prinzip ausrichten.
Andere Bewegungen und Unternehmen diesen Typs, die unter dem Namen “Neue Wirtschaft” geführt werden:Global Alliance for Banking on Values (GABV) www.mitgruenden.at – die erste genossenschaftliche Bank für Gemeinwohlwww.rethinkeconomics.org – neue Wirtschaftswissenschafts-Bewegungfairphone.com – erster Telekommunikationsanbieter, der nach Gemeinwohl-Prinzipien funktionierttriodos.nl –  Bank, die geringe Renditen mit weniger Risiken und mehr ethisch orientierten Finanzierungen und Investitionen verbindet.

Felber hat mit seinem Buch zwar unter Ökonomen erhebliche Kritik hervorgerufen, aber den Zeitgeist getroffen, auch in Deutschland: Eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung Ende 2016 ergab, dass fast 90 Prozent der Befragten eine neue Wirtschaftsordnung wollen, “in der Umweltschutz einen höheren Stellenwert hat als bisher und die den sozialen Ausgleich in der Gesellschaft anstrebt.” 341 Unternehmen, darunter zum Beispiel der Öko-Versorger Polarstern und der Bergsport-Ausrüster VauDe, haben bereits nach Felbers Prinzipien bilanziert. Es gibt 150 Regionalgruppen, 23 lokale, regionale und nationale Vereine, die die Ziele der Gemeinwohlökonomie vertreten. Und nicht zuletzt hat die grün-schwarze Koalition in Baden-Württemberg in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten: „Die Koalitionspartner begrüßen neue Formen des Wirtschaftens wie Gemeinwohlökonomien, weil sie als soziale Innovationen die Bürgergesellschaft stärken können.“

Weltweiter Vorreiter Valencia

In Valencia übernimmt die Umsetzung ein Mann, der kein linksradikaler Freak oder Populist ist, sondern weiß, was falsch läuft am Finanzmarkt. Der 70-jährige parteilose Francisco Álvarez hat nicht nur Bücher über Ethik und Finanzen geschrieben, sondern war selbst Broker, zweiter Mann der Pariser Börse und Leiter der Börse in Valencia. Er ist, wie er betont, für diese Aufgabe extra aus dem Ruhestand zurückgekommen, um die Leitung der Wirtschaftsabteilung der autonomen Region übernommen. “In Valencia haben wir jetzt erstmals ein Register der Firmen ins Leben gerufen, die nach Gemeinwohl-Prinzipien bilanzieren”, sagt Álvarez. Die regionale Regierung von Valencia verpflichtet sich, für Auftragsarbeiten nur noch Firmen aus diesem Register unter Vertrag zu nehmen. “Desto mehr sich die Gesellschaft sensibilisiert, je mehr Unternehmen werden dem Beispiel folgen, weil sie sehen, dass das gute Image für den Umsatz fördernd ist,” hofft Álvarez.

Adam Smith, Karl Marx, John Maynard Keynes und Milton Friedman: Die größten Wirtschafts-Denker der Neuzeit im Überblick.

Foto: WirtschaftsWoche

Gustav Stolper war Gründer und Herausgeber der Zeitschrift "Der deutsche Volkswirt", dem publizistischen Vorläufer der WirtschaftsWoche. Er schrieb gegen die große Depression, kurzsichtige Wirtschaftspolitik, den Versailler Vertrag, gegen die Unheil bringende Sparpolitik des Reichskanzlers Brüning und die Inflationspolitik des John Maynard Keynes, vor allem aber gegen die Nationalsozialisten.

Foto: Bundesarchiv, Bild 146-2006-0113 / CC-BY-SA

Der österreichische Ökonom Ludwig von Mises hat in seinen Arbeiten zur Geld- und Konjunkturtheorie bereits in den Zwanzigerjahren gezeigt, wie eine übermäßige Geld- und Kreditexpansion eine mit Fehlinvestitionen verbundene Blase auslöst, deren Platzen in einen Teufelskreislauf führt.

Mises wies nach, dass Änderungen des Geldumlaufs nicht nur – wie die Klassiker behaupteten – die Preise, sondern auch die Umlaufgeschwindigkeit sowie das reale Produktionsvolumen beeinflussen. Zudem reagieren die Preise nicht synchron, sondern in unterschiedlichem Tempo und Ausmaß auf Änderungen der Geldmenge. Das verschiebt die Preisrelationen, beeinträchtigt die Signalfunktion der Preise und führt zu Fehlallokationen.

Foto: Mises Institute, Auburn, Alabama, USA

Gary Becker hat die mikroökonomische Theorie revolutioniert, indem er ihre Grenzen niederriss. In seinen Arbeiten schafft er einen unkonventionellen Brückenschlag zwischen Ökonomie, Psychologie und Soziologie und gilt als einer der wichtigsten Vertreter der „Rational-Choice-Theorie“. Entgegen dem aktuellen volkswirtschaftlichen Mainstream, der den Homo oeconomicus für tot erklärt, glaubt Becker unverdrossen an die Rationalität des Menschen.

Seine Grundthese gleicht der von Adam Smith, dem Urvater der Nationalökonomie: Jeder Mensch strebt danach, seinen individuellen Nutzen zu maximieren. Dazu wägt er – oft unbewusst – in jeder Lebens- und Entscheidungssituation ab, welche Alternativen es gibt und welche Nutzen und Kosten diese verursachen. Für Becker gilt dies nicht nur bei wirtschaftlichen Fragen wie einem Jobwechsel oder Hauskauf, sondern gerade auch im zwischenmenschlichen Bereich – Heirat, Scheidung, Ausbildung, Kinderzahl – sowie bei sozialen und gesellschaftlichen Phänomenen wie Diskriminierung, Drogensucht oder Kriminalität.

Foto: dpa

Jeder Student der Volkswirtschaft kommt an Robert Mundell nicht vorbei: Der 79-jährige gehört zu den bedeutendsten Makroökonomen des vergangenen Jahrhunderts. Der Kanadier entwickelte zahlreiche Standardmodelle – unter anderem die Theorie der optimalen Währungsräume -, entwarf für die USA das Wirtschaftsmodell der Reaganomics und gilt als Vordenker der europäischen Währungsunion. 1999 bekam für seine Grundlagenforschung zu Wechselkurssystemen den Nobelpreis. Der exzentrische Ökonom lebt heute in einem abgelegenen Schloss in Italien.

Foto: dpa

Der Ökonom, Historiker und Soziologe Werner Sombart (1863-1941) stand in der Tradition der Historischen Schule (Gustav Schmoller, Karl Bücher) und stellte geschichtliche Erfahrungen, kollektive Bewusstheiten und institutionelle Konstellationen, die den Handlungsspielraum des Menschen bedingen in den Mittelpunkt seiner Überlegungen. In seinen Schriften versuchte er zu erklären, wie das kapitalistische System  entstanden ist. Mit seinen Gedanken eckte er durchaus an: Seine Verehrung und gleichzeitige Verachtung für Marx, seine widersprüchliche Haltung zum Judentum. Eine seiner großen Stärken war seine erzählerische Kraft.

Foto: dpa

Amartya Sen wurde 1933 in der Universitätsstadt Santiniketan, Indien, geboren. Er ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts). Der Ökonom erhielt 1998 den Wirtschaftsnobelpreis für seine Arbeiten zur Wohlfahrtsökonomie und wirtschaftlichen Entwicklung. Er veröffentlichte im Laufe seiner Karriere mehr als Hundert Forschungsschriften und ist Inhaber rund 90 Ehrendoktortiteln, zum Beispiel von der Universität Toronto. Ein zentraler Gedanke in seinem Werk ist die Idee der Freiheit, er betrachtet diese als die Basis des menschlichen Daseins, die jedes seiner Themen, wie Entwicklung, Armut, Hunger, Markt und Moral, durchdringt. Seine Thesen als liberaler, linker Theoretiker sind nicht unumstritten, so wird beispielsweise sein Begriff von Freiheit und Markt weder von Marktdogmatikern noch von deren Gegnern geteilt.

Foto: dpa

In seiner Heimat ist die Arbeit von Friedrich List (1789 - 18 46) fast vergessen. Die letzte Neuauflage von Lists Hauptwerk liegt 80 Jahre zurück. Er ist der gedankliche Vater des Protektionismus. In Deutschland gilt sein Werk als überholt, doch es bietet theoretisches Rüstzeug, wie der Staat die Wirtschaftsentwicklung fördern kann - und wann er besser die Hände davon lassen sollte. In vielen Schwellenländern erfreut sich die Lehre von List daher großer Popularität.

Foto: dpa

Der britische Ökonom David Ricardo (1772 – 1823) machte an der Londoner Börse gute Gewinne und konnte sich Dank seines eigenen Vermögens ganz den ökonomischen Studien widmen. Er machte sich mit dem „Kornmodell“ einen Namen, das auf dem Paper Essay on the Influence of a low Price of Corn on the Profits of Stock basiert, in dem er die freie Korneinfuhr empfiehlt. Nach ihm wurde auch die Ricardianische Äquivalenz benannt – ein Konzept, das sich mit der Wirkung von Steuersenkungen in der Gegenwart beschäftigt, die mit höheren Steuern in der Zukunft refinanziert werden sollen. Auf ihn geht auch die Theorie der komparativen Kostenvorteile zurück, ein Kernstück der Außenhandelstheorie und wesentliche Erkenntnis über die relativen Kostenvorteile internationaler Arbeitsteilung.

Foto: dpa

Im Jahr 1987 erhielt der US-amerikanische Ökonom Robert Solow (*1924) den Wirtschafts-Nobelpreis für seine Forschungen zur neoklassischen Wachstumstheorie. Solow entwickelte das sogenannte Solow-Modell, das im Gegensatz zu Keynes Auffassung die Nachfrageentwicklung nicht als bestimmende Determinante des Wirtschaftswachstums ansieht. Sein Solow-Modell erklärt das langfristiges Wirtschaftswachstum in einer Volkswirtschaft nur durch technischen Fortschritt. Solow ist Emeritus-Professor am Massachusetts Institute of Technology.

Foto: Julia Zimmermann für Wirtschaftswoche

Als Prophet war Marx (1818 – 1883) ein Versager, als Soziologe ein Riese, als Ökonom vor allem ein gelehrter Mann: Karl Marx, der Theoretiker des Industriekapitalismus, wollte nicht nur zu revolutionären Ergebnissen kommen, sondern die Notwendigkeit der Revolution beweisen. Der Mauerfall hat ihn ideologisch entlastet und als originellen Denker rehabilitiert. Seine Lehren über Produktionsfaktoren und die Verteilung von Produktionsmitteln sowie der von ihm geprägte Begriff des Mehrwerts spielen noch heute eine große Rolle.

Foto: WirtschaftsWoche, AP

Walter Eucken zählt zu den wichtigsten Vordenkern der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland. Der Mitbegründer des Ordoliberalismus hat analysiert, wie eine marktwirtschaftliche Ordnung konstruiert sein muss, die Wachstum schafft, Macht begrenzt und den Menschen dient. Der religiös geprägte Eucken glaubte an den Markt, aber nicht an dessen Unfehlbarkeit, er sah die Gefahr, dass wirtschaftliche Interessengruppen den Wettbewerb aushebeln können – und wollen. Noch während des zweiten Weltkrieges arbeitete er heimlich am theoretischen Grundgerüst der bis heute gültigen sozialen Marktwirtschaft in Deutschland.

Foto: Pressebild

Friedrich August von Hayek (1899-1992) war ein leidenschaftlicher Weltverbesserer. Sein ganzes Forscherleben hat er daran gearbeitet, Planwirtschaft und Kollektivismus wissenschaftlich zu widerlegen, er war leidenschaftlicher Gegner des Sozialismus und Modernisierer des klassischen Liberalismus. Führ ihn waren Freiheit, Eigentum, Gleichheit vor dem Gesetz, Wettbewerb und Marktwirtschaft Eckpfeiler der Zivilisation. Seine Tiraden gegen den Wohlfahrtsstaat haben jahrzehntelang die intellektuelle Brillanz seiner Theorie komplexer Ordnungen überschattet. Der gebürtige Wiener wurde als erster Ausländer an die renommierte London School of Economics berufen. Im März 1944 veröffentlicht er als seine leidenschaftliche Abrechnung mit Sozialismus und Nationalsozialismus, „Der Weg zur Knechtschaft“.

Foto: WirtschaftsWoche

John Maynard Keynes (1883 – 1946) löste mit seiner Analyse der Unterbeschäftigung in der Weltwirtschaftskrise eine Revolution des ökonomischen Denkens aus. Er forderte, der Staat solle in Krisensituationen die Nachfrage ankurbeln, um Vollbeschäftigung zu gewährleisten. Seine Ideen bedeuteten eine radikale Abkehr von der bisherigen Wirtschaftlehre, die die Angebotsseite ins Zentrum allen wirtschaftlichen Handelns stellte, und beeinflussen bis auf den heutigen Tag Ökonomen, Zentralbanker und Finanzminister.

Foto: WirtschaftsWoche

Joseph Schumpeter hat das Grundgesetz des Kapitalismus erforscht: ewiger Wandel durch „schöpferische Zerstörung“. Keiner sah so klar wie er, dass in seinen Krisen nicht nur der Kapitalismus selbst auf dem Spiel steht, sondern auch die Atmosphäre des Fortschritts. Schumpeter gilt als der größte Ökonom des 20. Jahrhunderts. Er hat in zahlreichen Wirtschaftsdisziplinen deutliche Spuren hinterlassen und Begriffe wie „Wagniskapital“, „Firmenstrategie“ und den vierten Produktionsfaktor „Unternehmertum“ sowie das Kreativitätsprinzip eingeführt. Schumpeters Erkenntnisse machen den modernen Kapitalismus bis heute aktuell.

Foto: WirtschaftsWoche

Der amerikanische Ökonom Milton Friedman hat die Geldtheorie revolutioniert und sein Leben lang für freie Märkte und weniger Staat gekämpft. Als intellektueller Gegenspieler von John Maynard Keynes spaltete er Wissenschaft und Politik gleichermaßen. Zwischenzeitlich galt er als widerlegt. Jetzt zeigt sich: Friedmans Erkenntnis, dass die Geldmenge die Konjunktur und die Inflation bestimmt, ist aktueller denn je. Die Steuerung der Geldmenge durch Staaten und Notenbanken sah er als eine der wenigen Stellgrößen einer Wirtschaft, in der staatliches Eingreifen sinnvoll und gegebenenfalls nötig war. Er entwickelte die Idee der Bildungsgutscheine, das Konzept der negativen Einkommensteuer und lieferte den Regierungen die Blaupause für flexible Wechselkurse.

Foto: AP

Reinhard Selten ist Deutschlands bislang einziger Wirtschafts-Nobelpreisträger und ein Vorreiter volkswirtschaftlicher Laborversuche. Als Pionier der experimentellen Wirtschaftsforschung hat er die Spieltheorie verfeinert und damit etwa die Analyse von Verhandlungssituationen – etwa bei Lohnverhandlungen – deutlich weiterentwickelt. Selten erhielt den Nobelpreis für Wirtschaft 1994. Er begründete ein Labor für experimentelle Wirtschaftsforschung in Bonn, dessen Koordinator er noch heute ist – im Alter von 81 Jahren..

Foto: dpa

Der US-Ökonom Robert Shiller fordert eine neue Volkswirtschaftslehre, die sich der Psychologie von Menschen und Märkten öffnet. Lange war er ein Rufer in der Wüste – in der Finanzkrise ist er zum Massenprediger geworden. Bereits 2005 warnte er vor einer US-Immobilienkrise – die letztlich Auslöser der Finanz- und Schuldenkrise war. Seine Theorien zur Verhaltensökonomie (Behavioral Economics) gelten als Gegenentwurf zur lange propagierten Rationalität der Märkte. In seinen Hauptwerken geht es um Herdentrieb und irrationale Übertreibungen.

Foto: WirtschaftsWoche

Paul Anthony Samuelson (1915-2009) wurde 1970 mit dem Ökonomie-Nobelpreis ausgezeichnet. Er zählte zu den vielseitigsten Ökonomen des 20. Jahrhunderts, und prägte die Volkswirtschaftslehre wie kaum ein anderer. Samuelson modernisierte den Keynesianismus, indem er Keynes' sowie neoklassische Theorien zu einer Synthese verband, darüber hinaus forcierte er als erster Ökonom die systematische Mathematisierung seines Fachs. Sein in 19 Sprachen übersetztes Standartwerk "Economics" ist bis heute das meistverkaufte VWL-Lehrbuch aller Zeiten.

Foto: Laif

Der schottische Ökonom Adam Smith (1723-1790) gilt als Urvater der Nationalökonomie. Er untersuchte als Erster systematisch die wohlstandsfördernde Wirkung von Arbeitsteilung und freien Märkten, und entwickelte die Ökonomie zu einer eigenständigen wissenschaftlichen Disziplin, wo sie zuvor nur als wenig beachteter Teil anderer Fachrichtungen galt. Sein Hauptwerk "Der Wohlstand der Nationen" findet sich auch heute noch auf den Literaturlisten von Volkswirtschaftsstudenten wieder, er gilt als Begründer dessen, was heute als die klassische Nationalökonomie bezeichnet wird. Seine Ideen sind noch immer Basis jeder angebotsorientierten Wirtschaftspolitik.

Foto: Pressebild

In Spanien fallen Felbers Vorstellungen offenbar auf besonders fruchtbaren Boden. Die Protestbewegung "15M" von 2011 propagierte ähnliche Ziele wie Felber. Aus ihr ging auch die neue Partei Podemos hervor, die allerdings mittlerweile in einem Prozess der Selbstzerfleischung befangen ist. "Ihre Programme waren nicht nachhaltig und ihre Vertreter zu eitel”, sagt der spanische Buchautor und politische Aktivist León Arsenal, der Podemos für tot erklärt. Doch das Bedürfnis vieler Spanier nach einer grundlegenden und dauerhaften Veränderung der Wirtschaftsordnung hat sich damit noch nicht erledigt: Spanien leidet weiter unter einer sehr hohen Jugendarbeitslosigkeit und im Vergleich mit anderen westeuropäischen Ländern niedrigen Löhnen. Vor allem aber ist das politische Leben immer noch zersetzt von Korruption. Viele Spanier müssen den Eindruck haben, dass ihre Steuer vielerorts verschwendet und falsch investiert werden. Prozesse gegen ehemalige Regierungsmitglieder wie Rodrigo Rato, die wegen Korruption Politiker angeklagt werden, und die illegale Parteienfinanzierung der regierenden Volkspartei PP dominieren die öffentliche Debatte. “Die Spanier haben angesichts dieses gesellschaftlichen Betrugs ein dringendes Bedürfnis nach mehr Mitbestimmung und Gerechtigkeit, vor allem nach den Krise-Jahren, welche viele Familien in die Armut getrieben haben”, sagt Felber.

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In den vergangenen Jahren sind viele Bewegungen gescheitert, die die Wirtschaft neu und besser erfinden zu können glaubten. In Venezuela haben sie ein ökonomisches Trümmerfeld hinterlassen. Felber und andere Verkünder neuer Wirtschaftsordnungen müssen sich wegen ihrer antikapitalistischen Haltung Kritik gefallen lassen. Börsenexperte Álvarez in Valencia glaubt jedoch, dass in seinem Fall bei der praktischen Umsetzung Ideologie gar keine Rolle spielt: “Es geht hier nicht um Kommunismus oder Anti-Kapitalismus. Natürlich können wir nicht mehr an den maximalen Gewinn für Unternehmen denken, wenn wir ein Gemeinwohl anstreben. Aber der Unternehmer muss Gewinn machen, um investieren zu können und Arbeitsplätze zu schaffen. Es ist ein langsamer Wandel, kein politisch motivierter radikaler Wandel wie er in vielen Ländern aus Eitelkeit der Leitfiguren der verschiedenen Bewegungen erfolglos initiiert wurde.”

Seine Zuversicht begründet er auch damit, dass Gemeinwohl-Ökonomie keine abstrakte Ideologie ist. “Felber ist keine Ideologe. Er hat auch nichts Neues erfunden. Er hat nur den vielen im Verlauf der Geschichte der Menschheit entstandenen Gemeinwohl-Bewegungen eine Ordnung gegeben.” Er will den Wandel langsam vollziehen und nicht gleichzeitig auf allen Ebenen. "Gemeinwohlökonomie muss bei den Unternehmen und in den Gemeinden und Regionen beginnen,” sagt Álvarez.

Auch Antonio Biondini ist des Antikapitalismus oder Kommunismus unverdächtig. Der Europa-Chef der amerikanischen Bank Lafise lebt seit vielen Jahren in Spanien. Er hat sowohl in Italien als auch in Spanien Korruption aus nächster Nähe selbst erfahren. Seine angeheiratete Unternehmer-Familie Ruiz Mateos ist in viele Skandale verstrickt, einige seiner Schwager sitzen im Gefängnis. Er und seine Frau haben sich von diesem Teil der Familie komplett distanziert: “Ich habe hautnah erlebt, dass wilde Gier den schlimmsten Schaden in einer Gesellschaft und in der eigenen Familie anrichtet. Spanien fängt an zu kapieren, dass es so nicht weitergehen kann, deswegen der Erfolg von Bewegungen wie der GWÖ.”

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