Trend zur Luxus-Kochstelle: "Eine Küche für 100.000 Euro braucht kein Mensch"
Tolle Möbel, wenig Kochen - die deutschen Hersteller von Küchen legen zu.
Foto: dpaOb Sous-vide-Garen im vakuumversiegelten Plastikbeutel wie im Sterne-Restaurant oder japanische Spezialitäten von der heißen Teppan-Yaki-Platte: Wenn es um die neuen Trends der Küchenbranche geht, sind Feinschmecker gefragt.
Beleuchtete Regale für den Anbau von frischen Küchenkräutern gibt es ebenso wie extra große Kühlschränke und Herde oder Spezialküchen für Veganer oder Vegetarier. Stil-Dauerbrenner sind seit einigen Jahren offene Wohnküchen, die nach Angaben der Branche bereits in gut jedem vierten deutschen Haushalt zu finden sind.
„Die Küche wird zum Mittelpunkt des Zuhauses und einmal mehr zum Statussymbol der Deutschen“, erklärt der Geschäftsführer des Küchenhersteller-Verbands AMK, Kirk Mangels, am Montag bei der Vorlage des Jahresberichts in Köln. Mit einem Umsatzplus um knapp 5 Prozent auf etwa 12 Milliarden Euro hätten die deutscher Hersteller im vergangenen Jahr wieder gute Geschäfte gemacht. Auch für 2017 werde mit einem weiteren Wachstum gerechnet.
Profitieren konnten die Firmen zudem von einer starken Nachfrage im Export - auch der deutsche Luxusküchenhersteller Poggenpohl verweist auf gute Geschäfte im Ausland. „In den Märkten USA, Großbritannien und in Asien verzeichnen wir aktuell sehr positive Entwicklungen“, berichtet das Unternehmen aus dem westfälischen Herford. Die Frage nach Verkaufspreisen für Luxusküchen bleibt dagegen unbeantwortet.
Wachstumstreiber ist derzeit vor allem ein Trend zu immer teureren Ausstattungen. Mit einem Durchschnittspreis von 6700 Euro ließen sich die Käufer ihre Neuanschaffung im vergangenen Jahr rund 900 Euro mehr kosten als noch vor fünf Jahren. Während die Nachfrage nach Küchen im Wert von weniger als 5000 Euro zurückging, boomte das Luxussegment mit Preisen ab 20.000 Euro, sagt Markus Wittmann vom Marktforschungsunternehmen GfK.
Doch wird angesichts solch hoher Investitionen dann auch mehr selbst gekocht? Die Küchenbranche sieht einen Trend zu „genussvollem Kochen“. Es sei davon auszugehen, dass während der Woche etwas weniger, aber am Wochenende mehr gekocht werde, sagt Mangels.
Das Ranking:
Seit 2012 listet Ernst & Young alljährlich die Top Luxusunternehmen Deutschlands auf. Neben dem Ursprung in Deutschland als Aufnahmekriterium müssen die Produkte das höchste Segment der jeweiligen Branche bedienen, für den Endverbrauch gedacht sein und nicht auf reinen Dienstleistungen beruhen.
Foto: dpaDie Wertung:
Das Ranking besteht aus einem harten „Facts“- und einem weichen „Emotions“-Score, die beide gleichgewichtet sind. Ersterer setzt sich aus Umsatz, Exklusivität und Qualität zusammen, letzterer aus Aspekten wie Markenbindung und persönlichem Nutzen. Neben einer Jury wurden auch Markenbefragungen zur Bewertung herangezogen.
Foto: dpaRang 10: Porsche
Im Vorjahr schaffte es Porsche noch auf Platz acht, in diesem Jahr müssen sich die Stuttgarter mit dem zehnten Platz begnügen mit einem Gesamtergebnis von 71,94 Prozent. Auf der emotionalen Ebene schafft es der Autobauer auf 89,99 Prozent – und ist damit in dieser Kategorie zweiter. Grund dafür ist sowohl die weltweite Präsenz als auch die Symbolkraft für Erfolg und Wohlstand, schreiben die Autoren.
Foto: REUTERSRang 9: Walter Knoll
Der Stuttgarter Möbelproduzent muss ebenfalls zwei Ränge einbüßen und landet mit 72,09 Prozent auf Rang 9. In puncto Nachhaltigkeit landet Walter Knoll auf Platz 2. Allerdings beeinflusst Nachhaltigkeit die Kaufentscheidung nicht, wie E&Y-Partner Florian Huber sagt.
Foto: PRRang 8: Dedon
Der Produzent von exklusiven Außenmöbeln holt drei Plätze gegenüber dem Vorjahr auf und kommt insgesamt auf 72,19 Prozent. Das erst 1990 vom Ex-Fußballprofi Bobby Dekeyser gegründete Unternehmen hat zahlreiche Designpreise gewonnen. Im „Emotions“-Rating kommt es trotzdem nur auf 70,18 Prozent.
Foto: gmsRang 7: Bechstein Piano
Die C. Bechstein Pianofortefabrik AG Berlin schafft es durch Steigerungen im Emotions- und Fakten-Rating erstmals unter die Top 10 mit einem Ergebnis von 73,92 Prozent.
Foto: C. BechsteinRang 6: BMW i8
Der Hybrid von BMW landet auf Platz 6 mit 74,16 Prozent, nachdem er im Vorjahr noch Platz 9 belegte. Noch vor Porsche führt BMW das „Emotions“-Rating an mit 90,54 Prozent. Auch in puncto Nachhaltigkeit ist der BMW ganz vorne. „Im Automobilbereich liefert BMW mit der Vermarktung des i3 bzw. i8 ein Paradebeispiel für die Bespielung des Neuen Luxus“, schreiben die Autoren von E&Y.
Foto: REUTERSRang 5: Bulthaup
Auch in diesem Jahr hat sich auf den vordersten Plätzen kaum etwas getan. Der Küchenmöbelhersteller mit Sitz in Aich ist von Platz 4 auf 5 gefallen mit einem Ergebnis von 75,26 Prozent.
Foto: PRRang 4: Glashütte Original
Abgelöst hat Bulthaup das Uhrenwerk Glashütte. Das Unternehmen, das seit 2000 zur Swatch Group gehört, hat einen Platz gut gemacht. Es glänzt vor allem durch die hervorragende Platzierung im „Facts“-Ranking, wo das Unternehmen 90,91 Prozent erhält. Insgesamt kommt es auf 79,74 Prozent
Foto: dpaRang 3: A. Lange & Söhne
Ebenfalls aus Glashütte kommt die Lange Uhren GmbH, zu der die Marke A. Lange & Söhne gehört. Im vergangenen Jahr kam die Uhrenmanufaktur noch auf den 2. Platz, diesmal reicht es nur für den 3. mit 85,97 Prozent. Wie auch Glashütte Original besticht A. Lange & Söhne im „Facts“-Ranking mit dem herausragenden Wert von 94,45. Auch im „Emotions“-Ranking kommt das Unternehmen unter die Top 5.
Foto: dpaRang 2: Leica
Leica kommt insgesamt auf 88,36 Prozent und macht damit im Vergleich zum Vorjahr einen Platz gut. Sowohl im „Facts“- wie im „Emotions“-Rating landet das Unternehmen auf Platz 3.
Foto: dpaRang 1: Montblanc
Wie auch schon im Vorjahr belegt der Hamburger Hersteller von Schreibgeräten, Schmuck, Armbanduhren und Lederwaren mit 89,40 Prozent Rang 1. Kein Unternehmen kommt im „Facts“-Rating an der 1906 gegründeten Firma vorbei.
Foto: REUTERS„Die Küchen werden immer teurer, dafür wird immer weniger gekocht“, meint dagegen Hans Hauner vom Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin der TU München. Wichtigstes Kochgerät sei in vielen Haushalten mittlerweile die Mikrowelle. „Viele Menschen haben es nie gelernt, selber zu kochen“, sagt Hauner. Und wenn dann gekocht wird, werde das zum seltenen „Event“. Für die Zubereitung eines gesunden Essens reiche dabei bereits eine ganz einfache Ausstattung: „Eine Küche für 30.000 Euro oder 100.000 Euro braucht kein Mensch.“
Der Küchenkauf ist nicht nur oft eine Großinvestition für den Verbraucher - die Preise sind auch noch besonders schwer zu vergleichen. In ihren Prospekten werben Küchenhäuser mit Rabatten von bis zu 50 Prozent, die es etwa bei einer Neueröffnung zusammen mit einem Glas Sekt geben soll.
Verbraucher sollten indes auch bei hohen Nachlässen nicht blind zugreifen, sondern die Preise über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgen, rät Gabriele Bernhardt von der Zentrale zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs: „Der Preiswettbewerb im Möbelhandel ist sehr hart. Wenn der Verbraucher anfängt, ein bisschen rumzuschauen, wird sich einiges bewegen.“