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PharmafirmenNur jeder vierte Arzt legt Zuwendungen offen

Im Jahr 2016 haben Pharmakonzerne 562 Millionen Euro an Mediziner und Kliniken gezahlt. Als die Firmen angefragt haben, ob sie diese Zuwendungen veröffentlichen dürfen, hat nur jeder vierte Arzt zugestimmt. Eine Recherche von Correctiv und „Spiegel Online“.Irene Berres, Heike Le Ker, Stefan Wehrmeyer, Christina Elmer, Markus Grill 14.07.2017 - 18:00 Uhr

abbvie Deutschland

Umsatz 2015: 22,8 Milliarden US-Dollar

Aus der Pharmasparte von Abbott ging 2013 das BioPharma-Unternehmen abbVie hervor, das an den deutschen Standorten in Wiesbaden, Ludwigshafen und Berlin circa 2600 Mitarbeiter beschäftigt. Diese sind für die jährliche Produktion von etwa 1,8 Milliarden Tabletten und Kapseln zur Behandlung von Krebs, Hepatitis C und Erkrankungen des zentralen Nerven- sowie Immunsystems verantwortlich. Innerhalb von drei Jahren hat sich die ehemalige forschungsbasierte Pharmasparte laut Studie eine derart gute Reputation in Facharztkreisen erarbeitet, dass der Konzern - gemessen an der Gesamtbeurteilung - auf Platz 18 im Pharma-Trend-Ranking landet.  

Quelle: Pharma-Trends 2016

Foto: Presse

Gilead Sciences
Umsatz 2015: circa 32 Millionen US-Dollar

Die deutsche Niederlassung des biopharmazeutischen Unternehmens Gilead Sciences besteht seit 1991 in München. Der Konzern, der innovative Therapeutika für Bereiche entwickelt und vermarktet, in denen der medizinische Bedarf bisher noch nicht gedeckt werden konnte, hat sich eigenen Angaben zu Folge zum Ziel gesetzt, die Versorgung von Patienten zu verbessern,  die an lebensbedrohlichen Krankheiten leiden. Am deutschen Standort liegt der Fokus auf dem Vertrieb medizinischer Produkte.

Die im Rahmen der Studie befragten Fachärzte schätzen das Unternehmen nicht nur aufgrund seiner Marketing-, Vertriebs- und Servicequalitäten, die sich der Konzern selbst auf die Fahne schreibt, sondern auch hinsichtlich der Gesamtwirkung, die im Ranking ebenso stark gewichtet wurde. Insgesamt landet Gilead Science auf einem soliden 17. Platz.

Foto: AP

Celgene Deutschland
Umsatz 2015: 9,2 Milliarden US-Dollar 

Das 1986 in den USA gegründete biopharmazeutische Unternehmen Celgene ist seit 2006 auch in Deutschland am Standort München vertreten und beschäftigt dort inzwischen 300 Fachkräfte, die sich neben der Behandlung von bösartigen hämatologischen Erkrankungen außerdem für die Onkologie, entzündliche Erkrankungen und Erkrankungen des Immunsystems engagieren. Da Celgene (ähnlich wie der Konkurrent Gilead Science) von sich selbst sagt durch die Entwicklung innovativer Arzneimittel Menschenleben retten zu wollen, fließt ein überdurchschnittlicher hoher Anteil der Gelder in die Forschung und Entwicklung.

Wenn man nach den Studienergebnissen geht, scheinen Fachärzte dieses Engagement zu würdigen. In dem Ranking, das unter anderem auf der Grundlage der fachärztlichen Beurteilung der Innovationskraft, dem Geschäftserfolg und dem ethischen Handeln basiert, landet Celgene Deutschland auf Platz 16.

Foto: Presse

Biogen
Umsatz 2015: 10,8 Milliarden US-Dollar

Aufgrund der Wirksamkeit und Innovationskraft des Medikaments Tecfidera wurde der US-amerikanische Biotechnologiekonzern Biogen im letzten Jahr bereits im Rahmen der Pharma-Trend-Awards mit der „Goldenen Tablette“ zur Behandlung von Multiple Sklerose ausgezeichnet. Auch in diesem Jahr ist der Konzern, der seit 1997 auch über eine Niederlassung in Ismaning bei München verfügt, wieder im Ranking der besten Pharma-Unternehmen Deutschlands vertreten. In der Gesamtbeurteilung landet Biogen auf Platz 15. Seinen guten Ruf hat der Biotechnologiekonzern insbesondere seinen Entwicklungen im Bereich der Therapien für Autoimmunerkrankungen und dem und seinen ökologischen Prinzipien zu verdanken, für die Biogen 2014 sogar zum Spitzenreiter des Dow Jones Sustainability Index erklärt wurde.   

Foto: AP

Pfizer
Umsatz 2015: 48,9 Milliarden US-Dollar

Mehr als 200 Millionen Medikamentenpackungen wurden 2014 alleine an den deutschen Niederlassungen des Pharmakonzerns Pfizer hergestellt. Das lässt die Relevanz der 2000 Mitarbeiter in Berlin, Freiburg, Karlsruhe und München zumindest erahnen – zumal das „grüne Werk“ am Standort Freiburg nach Angaben des Unternehmens als Vorreiter „in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit in der pharmazeutischen Industrie“ fungieren soll. Die Beurteilung der Fachärzte, die unter anderem die Dimensionen „Ethisches Handeln“, „Verantwortung“ und „Gesamtwirkung“ bewerten mussten, scheint diese Aussage zu bestätigen. Insgesamt reicht die Bewertung für Platz 14.

Foto: dpa

Platz 13: Bayer HealthCare
Umsatz 2015: 46,3 Milliarden Euro

Bayer kann auf eine 150-Jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken und wirbt mit seinen innovativen Produkten „für ein besseres Leben“. Die Kernkompetenzen des Life-Science-Unternehmens liegen in den Bereichen Gesundheit und Agrarwirtschaft. Von den weltweit 55.900 Mitarbeitern sind alleine 36.7000 an den zahlreichen deutschen Standorten beschäftigt. In der medizinischen Forschung liegt der Fokus unter anderem auf Infektionskrankheiten, Onkologie, Neurologie und Kardiologie. Aufgrund der Gesamtbeurteilung der befragten Fachärzte landet Bayer (Deutschland) auf Platz 13 des Rankings.

Foto: REUTERS

Sanofi
Umsatz 2015: 34,54 Millionen Euro

Die im Rahmen der diesjährigen Pharma-Trend-Studie durchgeführten Fachärztebefragungen über die deutschen Tochtergesellschaften von Sanofi fielen insgesamt sehr positiv aus, sodass der Pharmakonzern auf Platz zwölf des Pharma-Trend-Rankings landet. Insgesamt etwa 9200 Mitarbeiter sind an den deutschen Niederlassungen in Frankfurt und Berlin beschäftigt, alleine 8400 bei der Sanofi-Aventis Deutschland GmbH in Frankfurt. An den beiden Standorten kümmern sie sich genauso um die Produktion, Fertigung und Verwaltung wie um die Forschung und Entwicklung neuer Wirkstoffe für Arzneimittel. Die Forschungsschwerpunkte liegen hier bei Diabetes und Alterserkrankungen.

Foto: Presse

MSD
Umsatz 2015: 39,5 Milliarden US-Dollar; davon in Deutschland 1,4 Milliarden Euro

Allein am Umsatz gemessen ist MSD der fünftgrößte Arzneimittelhersteller der Welt, der Corporate Responsibility groß schreibt. Zum Kerngeschäft des Pharmaunternehmens gehören neben verschreibungspflichtigen Arzneimitteln auch Impfstoffe und Präparate für die Tiergesundheit. Von den weltweit circa 68.000 Mitarbeitern sind etwa 1800 in Deutschland tätig. Im Ranking der besten Pharmaunternehmen landet MSD nach der Bewertung von Fachärzten auf Platz elf.

Foto: dpa

Merck Deutschland
Umsatz 2015: 12,8 Milliarden Euro

Unter die besten zehn Unternehmen der Pharmabranche haben es die deutschen Merck-Gesellschaften geschafft. Die Niederlassung in Gernsheim ist Produktionsstandort und ist eigenen Angaben zufolge der zweitgrößte Arbeitgeber im Kreis Groß-Gerau. Die im Rahmen der Studie befragten Fachärzte waren sich darüber einig, dass der Chemiekonzern, der in den Bereichen Healthcare und Life Science zu Hause ist, zu Recht eine gute Reputation genießt. In der Gesamtwertung landet Merck Deutschland daher auf Rang zehn.

Foto: Presse

AstraZeneca
Umsatz 2015: 24,7 Milliarden US-Dollar

Auch für AstraZeneca spielt gesellschaftliche Verantwortung eine große Rolle – das zumindest geht aus den eigenen Angaben des Unternehmens hervor, laut denen das Forschungsunternehmen 12 Patientenorganisationen und Selbsthilfegruppen finanziell unterstützt. AstraZeneca gehört nicht nur zu den weltweit führenden Arzneimittelherstellern, sondern auch zu den Marktführern Deutschlands. Seit 1978 werden am Produktionsstandort in Wedel Tabletten, Kapseln, Tuben, Ampullen und Flaschen verpackt, die Beschwerden von Patienten mit Atemwegs-, Herz-Kreislauf-, Stoffwechsel- und entzündlichen Erkrankungen mindern sollen. Auch für Krebs-Erkrankungen, Infektionen und neurologische Krankheiten wird stetig an innovativen Medikamenten geforscht.

Unter Berücksichtigung der Dimensionen „Kompetenz“, „Zuverlässigkeit“, „Empfehlung“, „Transparenz“ und „Verantwortung“ schneidet AstraZeneca bei den befragten Fachärzten gut ab, was für einen soliden neunten Platz im Ranking reicht.

Foto: Presse

Astellas Pharma
Umsatz 2015: 109 Millionen Euro

Astellas Pharma, das 2005 aus der Fusion der japanischen Firmen Fujisawa und Yamanouchi entstanden ist, beschäftigt mittlerweile 17.000 Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Am deutschen Standort in München arbeiten etwa 400 Fachkräfte an der Herstellung, Vermarktung und dem Vertrieb von Arzneimitteln für verschiedene medizinische Fachbereiche, darunter Transplantation, Schmerztherapie und Onkologie. Fachärzte scheinen das Leitbild wertzuschätzen, laut dem „Patienten oberste Priorität“ in der Forschung genießen und „therapeutische Lücken“ geschlossen werden sollen. Platz acht im Ranking.

Foto: dpa

Bristol-Myers Squibb
Umsatz 2015: 16,6 Milliarden US-Dollar

Den achten Platz teilt sich Astellas Pharma mit Bristol-Myers Squibb, dem weltweit operierenden Pharma- und Biotech-Unternehmen, das seinen deutschen Sitz in München hat. Einen besonderen Fokus legt Bristol-Myers Squibb auf Innovationen, die im Pharma-Trend-Ranking als Unterkategorie „Innovationskraft“ eine starke Beachtung finden und von Fachärzten als Dimension bewertet wurden. Therapeutisch liegt der Fokus auf der Entwicklung verschreibungspflichtiger Arzneimittel für Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, HIV, Hepatitis und Krankheiten des Immunsystems.

Foto: Presse

Boehringer-Ingelheim
Umsatz 2015: 14,8 Millionen Euro

Mit einem Umsatz von 14,8 Millionen Euro im letzten Geschäftsjahr zählt auch Boehringer-Ingelheim zu den umsatzstärksten Pharmaunternehmen der Welt. Zudem kommt das global orientierte Unternehmen, das bereits seit 1885 besteht, bei Fachärzten gut an. Das zumindest geht aus der Studie hervor. Durch eine gute Gesamtbeurteilung landet das Unternehmen, das am Standort Deutschland rund 14.893 Mitarbeiter beschäftigt, auf Platz sieben im Ranking.

Foto: dpa

Novo Nordisk
Umsatz 2015: 65,9 Millionen DKK

Das dänische Unternehmen Novo Nordisk erlangte durch die Produktion des Medikaments Insulin in den 20er Jahren weltweiten Ruhm. Seitdem gehört der Arzneimittelhersteller zu den Weltmarktführern im Bereich der Diabetesversorgung und konzentriert sich zudem auf die Herstellung von Blutgerinnungsmedikamenten und Wachstumshormontherapien. Der Deutschlandsitz befindet sich seit 1958 in Mainz. Unter den insgesamt 39 bewerteten Pharmaunternehmen zählt Novo Nordisk – laut fachärztlicher Gesamtbeurteilung – zu den sechs besten der Welt.

Foto: REUTERS

Lilly Pharma
Umsatz 2015 (Deutschland): 610,1 Millionen Euro

Mit einem Jahresumsatz von circa 20 Millionen US-Dollar zählt auch Lilly Pharma zu den größten Pharmaunternehmen der Welt. Alleine in Deutschland sind 956 Mitarbeiter für den Pharmakonzern tätig, sodass die Tochterfirma auch hierzulande zu den umsatzstärksten zählt. Die Hauptniederlassung befindet sich in Bad Homburg. Seinen Aufstieg hat das Unternehmen vor allem dem Antidepressivum Prozac zu verdanken. Bis heute liegen die Forschungsschwerpunkte bei der medizinischen Behandlung von Diabetes, Krebserkrankungen und psychischen Krankheiten - das umsatzstärkste Präparat ist Zyprexa gegen Schizophrenie. Das scheinen Fachärzte zu schätzen zu wissen, denn laut deren Beurteilung landet Lilly Pharma auf Platz fünf.

Foto: Presse

Novartis Pharma (Novartis AG)
Umsatz 2015: 49,4 Milliarden US-Dollar

Nach der Beurteilung der Fachärzte landet Novartis auf Platz vier der besten Pharmaunternehmen Deutschlands. Überzeugen kann es insbesondere durch seine Erfahrungswerte. Novartis Pharma ist 1996 aus der Fusion der beiden ehemaligen Basler Pharma- und Chemieunternehmen Ciba-Geigy AG und Sandoz hervorgegangen und kann auf eine rund 250-Jährige Unternehmensgeschichte zurückblicken. Im letzten Jahr machte der Konzern durch die Übernahme der Krebssparte des Konkurrenten GlaxoSmithKline von sich Reden, dem das Unternehmen im Gegenzug die eigene Impfstoff-Produktion für 7,1 Milliarden Dollar verkaufte.

Foto: obs

GlaxoSmithKline
Umsatz 2015: 23.923 Millionen britische Pfund

Gleich zwei Pharmariesen landen auf Platz drei des diesjährigen Rankings – GlaxoSmithKline ist eines davon. Als weltweit sechstgrößtes Pharmaunternehmen zählt es auch deutschlandweit nicht nur gemessen am Umsatz und der Anzahl der Mitarbeiter zu den größten Konzernen, sondern schneidet auch bei Fachärzten überdurchschnittlich gut ab. An den deutschen Produktionsstätten forschen rund 3800 von weltweit rund 100.000 Mitarbeitern in den drei Geschäftsbereichen Pharma, Biologicals und Consumer Healthcare.   

Foto: WirtschaftsWoche

Roche Pharma
Umsatz 2015: circa 44 Milliarden Euro

Über die gleiche Platzierung kann sich Roche Pharma mit Hauptsitz in Basel freuen. Der Konzern beschäftigt mehr als 90.000 Mitarbeiter in über 100 Ländern; die Standorte in Deutschland zählen zu der zweitwichtigsten Länderorganisation des Konzerns. Alleine in Berlin, Grenzach, Mannheim, Penzberg und Waiblingen arbeiten rund 15.400 Mitarbeiter in der Forschung und Entwicklung. Den Forschungsschwerpunkt bilden die Gebiete Onkologie, Virologie und Transplantationsmedizin. Den Erkenntnisgewinn wissen auch Fachärzte zu schätzen. Platz drei.

Foto: dpa/dpaweb

Takeda Pharma
Umsatz 2015: 1,78 Milliarden Yen

Gemessen an der fachärztlichen Beurteilung landet Takeda deutschlandweit auf dem zweiten Platz im Ranking. Das weltweit operierende Pharmaunternehmen ist seit 1981 auf dem deutschen Markt vertreten. Während am Hauptsitz in Berlin das Hauptaugenmerk auf dem Vertrieb liegt, steht im Stadtteil Oranienburg die Herstellung fester, flüssiger und steriler Arzneimittel im Vordergrund. Neben der reinen Medikamentenforschung engagiert Takeda Deutschland sich – eigenen Angaben zu Folge für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems.

Foto: dpa

Janssen-Cilag
Umsatz 2015: 1,07 Milliarden Euro

Das seit 1959 auch in Deutschland vertretene Forschungs- und Entwicklungsunternehmen Janssen-Cilag schneidet nach der fachärztlichen Beurteilung im diesjährigen Ranking am besten ab. Das Unternehmen, das am Hauptsitz in Neuss mehr als 800 Mitarbeiter beschäftigt, hat im letzten Jahr allein in Deutschland einen Umsatz von 1,07 Milliarden Euro erwirtschaftet und überzeugt durch Innovationskraft, insbesondere auf den Forschungsgebieten der Infektiologie, Immunologie, Psychiatrie und Onkologie. Seit 2003 hat der Gesundheitskonzern als Teil von Johnson & Johnson mehr als 20 Produkte neu auf dem Markt eingeführt, davon sechs alleine im Jahr 2014.

Foto: Presse

Wenn ein Arzt einem kranken Menschen helfen möchte, verschreibt er häufig Medikamente. Der Patient erwartet, dass sein Arzt nötige Präparate nach bestem Wissen und Gewissen auswählt. Doch Mediziner können in einen Interessenkonflikt geraten, wenn sie zugleich finanzielle Verbindungen zu Herstellern bestimmter Medikamente haben.

2016 finanzierten die Pharmaunternehmen Tausenden Ärzten Besuche auf Kongressen, bezahlten sie für ihre Vorträge bei Tagungen, erstatteten ihnen Hotelrechnungen und zahlten Honorare für Studien. Bei der freiwilligen Initiative FSA legen 54 Pharmafirmen, die nach eigenen Angaben 75 Prozent des Gesamtmarktes abdecken, ihre Zahlungen offen.

Sie allein haben 2016 insgesamt rund 66.000 Ärzte, Apotheker und andere Gesundheitsberufler sowie rund 6020 Institutionen wie Kliniken und Praxen finanziell unterstützt. Die Zahlungen beliefen sich auf insgesamt 562 Millionen Euro.

So lassen sich die Zahlungen aufteilen
... erhielten die Empfänger für sogenannte Anwendungsbeobachtungen (AWB) und klinische Studien
... bekamen einzelne Ärzte, Apotheker und Heilberufler für Vorträge, Fortbildungen und Beratung.
... empfingen Krankenhäuser und andere Einrichtungen für Sponsoring, Beratung und Veranstaltungen.

Nicht jede Verbindung zwischen der Industrie, Kliniken und Ärzten ist zu verteufeln. So ist es zum Beispiel wichtig, dass praktizierende Ärzte Unternehmen bei der Entwicklung neuer Medikamente beraten. Anders als bei Medizinern steht bei den Firmen jedoch nicht allein das Wohl der Patienten im Mittelpunkt, sondern auch das Streben nach einem möglichst großen Gewinn.

Diese verschiedenen Interessen können die unabhängige Urteilskraft von Ärzten beeinflussen, müssen es aber natürlich nicht. Studien haben allerdings gezeigt, dass Mediziner mit vielen Verbindungen zur Pharmaindustrie Gefahr laufen, Nebenwirkungen eher herunterzuspielen oder eher teure Medikamente verschreiben.

Die US-Regierung reagierte bereits 2010 auf die Problematik und schuf ein Gesetz, das die Offenlegung aller Pharma-Zahlungen an Mediziner vorschreibt. Um eine solche Regelung in Deutschland zu verhindern, starteten die Lobbyorganisationen VfA und FSA 2015 den Transparenzkodex. Dieser sieht vor, dass die 54 Mitgliedsunternehmen neben Gesamtsummen jeweils eine Liste mit den Namen einzelner Ärzte und den an sie gezahlten Leistungen veröffentlichen.

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Das Problem: Die Firmen nennen die Namen nur, wenn Zahlungsempfänger der Veröffentlichung zugestimmt haben. Im vergangenen Jahr waren dazu 31 Prozent der Empfänger bereit, in diesem Jahr lag die Quote nur noch bei 25 Prozent - also nur bei jeder vierten Person, die Pharmaleistungen empfangen hat. Anders gesagt: Drei Viertel aller Betroffenen wollen die Zahlungen geheim halten. Trotz des geringen Anteils liefern die Dokumente die Namen von mehr als 16.500 Personen, die zusammen Leistungen im Wert von knapp 24 Millionen Euro erhalten haben.

Um auf Basis dieser Daten eine größtmögliche Transparenz zu schaffen, hat Correctiv gemeinsam mit dem Datenteam von „Spiegel Online“ die Informationen aus den Dokumenten zusammengefasst und die Datenbank „Euros für Ärzte“ 2016 erstellt. Darin lassen sich die Summen für jene Ärzte und Fachkreisangehörige suchen, die einer Namensnennung zugestimmt haben. Auch die Institutionen, Organisationen und Kliniken sind auffindbar samt erhaltener Summe. Außerdem gibt es so genannte „Null-Euro-Ärzte", die Pharmazahlungen laut eigenen Angaben ablehnen.

Pegasys

Oben: Original

Unten: Fälschung

Die Original-Spritze ist aus Glas, enthält eine graue Schutzkappe und einen roten Kolben. Im Herbst 2013 tauchte eine gefälschte Pegasys-Spritze (gegen Hepatitis C) bei deutschen Importeuren und in Apotheken auf. Roche verschickte Warnbriefe an die Ärzte.

Foto: WirtschaftsWoche

Viagra

Links: Original

Rechts: Fälschung

Kein anderes Arzneimittel wird so häufig gefälscht wie die blaue Potenzpille des US-Konzerns Pfizer. Erst im vergangenen Sommer wurden im Hamburger Hafen 100.000 gefälschte Viagra-Tabletten sichergestellt. Viele der nachgemachten Pillen stammen aus China und Indien; das Geschäft in dubiosen Internet-Apotheken blüht.

Foto: WirtschaftsWoche

Herceptin

Links: Original

Rechts: Fälschung

Tausende Packungen des Roche-Brustkrebsmittels Herceptin verschwanden vor wenigen Monaten aus italienischen Kliniken; deutsche Behörden gaben darauf Warnungen heraus. Gestohlenes Herceptin ist auch deshalb gefährlich, weil die Kühlung nicht gewährleistet wurde.

Foto: WirtschaftsWoche

Lipitor

Links: Original

Rechts: Fälschung

Mit einem Jahresspitzenumsatz von mehr als zehn Milliarden Dollar war der Cholesterinsenker Lipitor von Pfizer lange Jahre das umsatzstärkste Medikament der Welt. Seit das Exklusiv-Patent vor drei Jahren auslief, geht es mit den Pfizer-Umsätzen zwar bergab. Organisierte Kriminelle verdienen an Fälschungen aber immer noch prächtig.

Foto: WirtschaftsWoche

Die meisten der aufgeführten Ärzte und sogenannten Fachkreisangehörigen bekamen weniger als 1000 Euro, wie die folgende Auflistung verdeutlicht:

Daneben gab es jedoch auch Einzelpersonen mit enorm hohen Beträgen. Rund 1,3 Prozent der Ärzte kam auf mehr als 10.000 Euro. Dem Spitzenreiter der Liste ließen Pharmafirmen sogar eine Summe von knapp 200.000 Euro zukommen. Er ist allerdings der einzige Arzt in der Datenbank, bei dem die Summe die 100.000-Euro-Marke überstieg.

Diese Pharmafirmen zahlten 2016 die größten Geldsummen an Mediziner, Fachkreisangehörige und Institutionen
23,6 Millionen Euro
17 Millionen Euro
12,1 Millionen Euro
11,7 Millionen Euro
11,2 Millionen Euro

Gezahlt wurden die Gelder vor allem für Beratungs- und Dienstleistungshonorare sowie Reise- und Übernachtungskosten im Zusammenhang mit Fortbildungen.

Die im vergangenen Jahr zum ersten Mal aufgeschlüsselten Daten bedeuten eine Zäsur. Noch nie erhielt die Öffentlichkeit einen so detaillierten Einblick in die finanziellen Verbindungen von Medizinern, Kliniken und der Industrie. Dennoch krankt das aktuelle System neben dem Prinzip der Zustimmung für eine Offenlegung noch an einem weiteren Punkt: Es klammert einen Großteil der Zahlungen aus.

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Die detailliert aufgeschlüsselten Angaben umfassen aktuell nur Leistungen im Zusammenhang mit Beratung, Fortbildung oder etwa Sachspenden. Welche Personen und Institutionen wie viel Geld im Zusammenhang mit Forschungsprojekten bekommen haben, halten die Unternehmen weiterhin geheim. Damit verschweigen sie Details über eine Summe von 356 Millionen Euro - mehr als 60 Prozent der Gesamtzahlungen.

Kritiker sehen darin Kalkül, da die Unternehmen so Ausgaben für eine umstrittene Praxis verschweigen können. Neben wichtigen klinischen Studien, bei denen potenzielle neue Medikamente vor ihrer Zulassung erprobt werden, enthält die Summe von 356 Millionen auch Zahlungen für sogenannte Anwendungsbeobachtungen. Dabei erhalten Mediziner Geld, wenn sie ihren Patienten ein bestimmtes Medikament verordnet haben und anschließend einen Fragebogen etwa zur Verträglichkeit ausfüllen.

Die wissenschaftliche Qualität der Anwendungsbeobachtungen sei äußerst schlecht, wird oft kritisiert. Statt dem Wohl der Patienten dienen sie demnach vor allem dazu, die Ärzte für die Verordnung des neuen Mittels zu bezahlen und die Behandelten langfristig an das Präparat zu binden. Die Unternehmen hingegen rechtfertigen die Untersuchungen als wichtige Praxisprobe - und wollen deshalb auch bei der Veröffentlichung der Zahlen keine Unterscheidung zwischen diesen und gesetzlich vorgeschriebenen klinischen Studien machen.

Die Recherche beruht auf einem gemeinsamen Datenprojekt von „Spiegel Online“ und dem Recherchezentrum Correctiv.org.

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