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GeldpolitikWeltgrößter Staatsfonds aus Norwegen mit Rekordverlust

Der weltweitgrößte Staatsfonds leidet unter den schwächelnden Aktienmärkten. Im ersten Halbjahr verzeichnet er ein Minus von 170 Milliarden Euro. 17.08.2022 - 12:54 Uhr

Der 1996 gegründete Staatsfonds investiert die Einnahmen aus dem norwegischen Öl- und Gassektor.

Foto: dpa

Der norwegische Staatsfonds hat im ersten Halbjahr wegen der schwächelnden Aktienmärkte infolge von Kriegs-, Inflations- und Rezessionsangst einen Rekordverlust verbucht. Das Minus summierte sich auf 1,68 Billionen norwegische Kronen (170 Milliarden Euro), wie der weltgrößte Staatsfonds am Mittwoch in Oslo mitteilte.

Die Kapitalrendite des mit umgerechnet etwa 1,3 Billionen Euro schweren Fonds lag damit von Januar bis Juni bei minus 14,4 Prozent - er schnitt aber immer noch um 1,14 Prozentpunkte über der Rendite seines Referenzindexes ab.

„Der Markt war durch steigende Zinsen, hohe Inflation und den Krieg in Europa gekennzeichnet“, sagte der Chef von Norges Bank Investment Management, Nicolai Tangen. Ein Teil der Verluste – zu denen vor allem der 28-prozentige Wertverlust bei den Technologieaktien beitrug - wurden inzwischen wieder wettgemacht. Der Grund: Die Märkte sind im Juli und bislang auch im August ins Plus gedreht.

Schneller schlau: Inflation
Wenn die Preise für Dienstleistungen und Waren allgemein steigen – und nicht nur einzelne Produktpreise – so bezeichnet man dies als Inflation. Es bedeutet, dass Verbraucher sich heute für zehn Euro weniger kaufen können. Kurz gesagt: Der Wert des Geldes sinkt mit der Zeit.
Die Inflationsrate, auch Teuerungsrate genannt, gibt Auskunft darüber, wie hoch oder niedrig die Inflation derzeit ist. Um die Inflationsrate zu bestimmen, werden sämtliche Waren und Dienstleistungen herangezogen, die von privaten Haushalten konsumiert bzw. genutzt werden. Die Europäische Zentralbank (EZB) beschreibt das wie folgt: „Zur Berechnung der Inflation wird ein fiktiver Warenkorb zusammengestellt. Dieser Warenkorb enthält alle Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte während eines Jahres konsumieren bzw. in Anspruch nehmen. Jedes Produkt in diesem Warenkorb hat einen Preis. Dieser kann sich mit der Zeit ändern. Die jährliche Inflationsrate ist der Preis des gesamten Warenkorbs in einem bestimmten Monat im Vergleich zum Preis des Warenkorbs im selben Monat des Vorjahrs.“
Eine Inflationsrate von unter zwei Prozent gilt vielen Experten als „schlecht“, da sie ein Zeichen für schwaches Wirtschaftswachstum sein kann. Auch für Sparer sind diese niedrigen Zinsen ein Problem. Die EZB strebt mittelfristig eine Inflation von zwei Prozent an.
Deutlich gestiegene Preise belasten Verbraucherinnen und Verbraucher. Sie können sich für ihr Geld weniger leisten. Der Privatkonsum ist jedoch eine wichtige Stütze der Konjunktur. Sinken die Konsumausgaben, schwächelt auch die Konjunkturentwicklung.
Von Disinflation spricht man, wenn die Geschwindigkeit der Preissteigerungen abnimmt – gemeint ist also eine Verminderung der Inflation, nicht aber ein sinkendes Preis-Niveau.

Tangen, der 2021 noch den zweithöchsten Gewinn in der 26-jährigen Geschichte des Fonds vermelden konnte, hat wiederholt vor schwachen Märkten gewarnt. „Das ist durchaus im Rahmen dessen, was man erwarten kann“, sagte er zu dem Minus im ersten Halbjahr.

Den größten Verlust in seinem Aktienportfolio verzeichnete der Staatsfonds mit seinen Anteilen am Facebook-Mutterkonzern Meta, wo der Wert der Fondsanlage um 38 Milliarden Kronen sank, gefolgt von Amazon mit 35 Milliarden und Apple mit 30 Milliarden. Technologie- und Social-Media-Unternehmen machen höhere Zinsen und der zunehmende Wettbewerb zwischen den Plattformen um Werbebudgets, die durch die rasant steigende Inflation aufgezehrt werden, zu schaffen.

Zentralbanken versuchen Inflation zu bekämpfen

Die Zentralbanken haben in diesem Jahr in vielen Ländern ihre Zinssätze aggressiv angehoben, um die Teuerung zu bekämpfen. Das führt zu höheren Kreditkosten und niedrigeren Gewinnspannen für Unternehmen.

Der 1996 gegründete Staatsfonds investiert die Einnahmen aus dem norwegischen Öl- und Gassektor. Er ist weltweit an mehr als 9300 Unternehmen beteiligt, wobei er 1,3 Prozent aller börsennotierten Aktien besitzt. Seine Bewertung in Höhe von 1,3 Billionen Euro entspricht in etwa der Größe der mexikanischen Wirtschaft, die nach jüngsten Berechnungen in der Rangliste der weltweit größten Volkswirtschaft Platz 16 belegte.

Lesen Sie auch: Warum die Zinswende den Boom am New Yorker Wohnungsmarkt kaum stoppt

rtr
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