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Verheerende SilvesternachtHört auf, von einem Böllerverbot zu reden

Der Reflex, permanent irgendwelche Verbote zu fordern, ist gefährlich für unsere freiheitlich demokratische Ordnung. Ein guter Neujahrsvorsatz wäre es, damit aufzuhören. Und sich über Lösungen Gedanken zu machen, die die Freiheiten nicht einschränken. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Thomas Stölzel 02.01.2023 - 14:51 Uhr

In der Düsseldorfer Altstadt waren Böller in der Silvesternacht untersagt. Manche wollen das Verbot nach Randalen und Unfällen aufs ganze Land ausweiten. 


Foto: imago images

Randalierer attackieren Feuerwehrleute und Polizisten mit Silvesterraketen und Blitzknallern. Notaufnahmen sind überlastet, weil sie Menschen versorgen, die sich beim Feuerwerk verletzt haben. Ein 17-Jähriger stirbt in Leipzig sogar an seinen Verletzungen. Die Bilanz der aktuellen Silvesternacht ist verheerend.

Und schon läuft sie auf Hochtouren, die Debatte, dass in der Bundesrepublik ein Böllerverbot her müsse. Die Polizeigewerkschaft fordert ein solches. So wie die Deutsche Umwelthilfe. Auch einige Politiker der Grünen wollen die Knallerei künftig untersagen.

Es ist daher an der Zeit für einen guten Neujahrsvorsatz. Hören wir auf, alles ständig verbieten zu wollen. Ja, Verbote sind der einfachste Weg. Einer, bei dem nicht nachgedacht werden muss, wie sich Dinge verbessern lassen. Schaffen wir sie einfach ab. Doch Verbote sind pures Gift für unsere freiheitlich demokratische Ordnung.

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Verbote sind egoistisch. Die, die Verbote fordern, tun dies meist für Dinge, die ihnen selbst nicht wichtig sind. Doch zum Schutz unserer Freiheit gehört es, Freiheiten anderer zu achten. Mir selbst ist Feuerwerk nicht wichtig. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal eine Packung Böller gekauft hätte. Und ja, sie nerven mich sogar.

Und doch zeigt ein Blick in den Nachthimmel deutscher Großstädte in der Silvesternacht, dass es Millionen Deutschen offenbar anders geht. Sie haben Spaß, bunte und knallende Raketen in die Luft feuern. Einmal im Jahr.

Beim Böllern läuft einiges schief

Irgendwelche Verbote zu fordern, hat sich bei vielen zum Reflex entwickelt. Schon der Ruf danach spaltet aber die Gesellschaft. Eine große Zahl Menschen fühlt sich zunehmend gegängelt. Sie sieht die eigene Freiheit in Gefahr, sieht sich von einem Teil der Bevölkerung, der sich für moralisch überlegen hält, in die Ecke der „Unvernünftigen“ gestellt. Nicht wenige dürften inzwischen auch deshalb ihr Wählerkreuz bei rechten Populisten und Radikalen setzen.

Ja, beim Böllern zum Neujahrsfest läuft einiges schief. Natürlich ist es inakzeptabel, wenn Feuerwehr, Polizei oder überhaupt Menschen angegriffen werden. Doch es gibt andere Wege als ein Verbot, solche Zustände in den Griff zu bekommen. Gezielte Videoüberwachung und von Beamten am Körper getragene Kameras können Strafverfolgern helfen, Täter zu überführen und zu verurteilen. Der Staat kann empfindlichere Strafen ermöglichen.

Beim Umgang Minderjähriger mit Feuerwerk können Eltern härter zur Verantwortung gezogen werden, was abschrecken dürfte. Selbst die Sprengkraft von Böllern ließe sich reduzieren.

Die Allgemeinheit mit einem generellen Verbot für die Vergehen einzelner zu bestrafen, ist jedenfalls kein guter Weg. Er ist einer, der unsere Gesellschaft mit der Zeit zerstört.

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