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Céline Flores Willers„Finde es schlimm, nicht die Wahrheit über die Arbeitszeit zu sagen“

Sie geriet in einen Shitstorm für ihr Kurzvideo mit dem Titel „Warum 8 Stunden arbeiten zu wenig ist“: Die Gründerin und Influencerin Céline Flores Willers spricht über Arbeitsmoral und erklärt, warum sie selbst ihren Beschäftigten regelmäßig an Freitagen freigibt.Svenja Gelowicz 17.02.2023 - 15:39 Uhr

Céline Flores Willers ist Gründerin und Influencerin.

Foto: imago images

Vier oder sechs Stunden pro Tag reichen nicht, um „ganz oben auf die Karriereleiter zu kommen“, erklärt Céline Flores Willers in einem Kurzvideo auf der Plattform TikTok. Und führt aus: Wer mehr erreichen wolle als der Durchschnitt, müsse auch mehr arbeiten. Und gerade jüngere Beschäftigte könnten sich gut verausgaben, schließlich hätten die oft wenig Verpflichtungen: Sie selbst arbeite deshalb gerne an manchen Tagen 18 Stunden. Dafür bekam sie einen kleinen Shitstorm – und sah sich zu einem langen Statement auf LinkedIn veranlasst. Im Gespräch mit der WirtschaftsWoche ordnet sie ihre Aussagen ein.

WirtschaftsWoche: Frau Willers, Sie haben auf der Videoplattform TikTok ein Kurzvideo veröffentlicht, in dem Sie über 18-Stunden-Tage berichten und sagen, dass manche Schritte auf der Karriereleiter nicht in einer normalen Arbeitswoche zu schaffen sind. Es folgte ein Shitstorm. Waren Sie überrascht?
Céline Flores Willers: Ich hatte gemischte Gefühle. Mir war klar, dass das Thema Arbeitszeit eines ist, das polarisieren könnte. Ich bin selbst Verfechterin davon, achtsam mit der eigenen Zeit umzugehen und auf die mentale Gesundheit zu achten. Interessant fand ich: Es gab auch viel Zuspruch von Personen, die sich darin selbst sehen. Das waren dann aber eher die Boomer oder Millennials bei LinkedIn. Gerade bei TikTok gab es Kritik an meinen Aussagen – da sieht man deutlich, wie sich das Arbeitsethos der Nutzerinnen und Nutzer beider Plattformen unterscheidet.

Zur Person
Céline Flores Willers (29) hat das Unternehmen The People Branding Company gegründet. Sie ist außerdem Influencerin, ihrem LinkedIn-Account folgen etwa 150.000 Personen.

Sie haben ein Unternehmen gegründet und sind Influencerin. Hätten Sie diese Ziele mit einer normalen Woche erreichen können, also üblicherweise nicht mehr als 40 Stunden?
Nein, ich denke nicht, dass ich persönlich das hätte erreichen können, wenn ich immer um 17 oder 18 Uhr den Stift fallen gelassen hätte. Am Anfang bist du als Solo-Gründerin CEO, CMO, CFO und alle weiteren Funktionen auf einmal. Es war mir faktisch nicht möglich, all das zu stemmen, ohne lang zu arbeiten. Als Gründerin macht man das auch, weil die eigene Existenz davon abhängt. Kurz gesagt: Du kannst sonst deine Miete nicht zahlen. Wenn ich nicht genug reinstecke, bekomme ich nicht genug heraus.

Überstunden gelten in manchen Unternehmen als verpönt. Dennoch schaffen Arbeitnehmer manche Aufgaben nicht in der normalen Wochenarbeitszeit. Sie leisten heimlich Mehrarbeit, damit niemand merkt, dass sie länger gebraucht haben. Wie finden Sie das?
Wir müssen ehrlicher sein. Ich finde es schlimm, nicht die Wahrheit über die Arbeitszeit zu sagen. Das baut schließlich einen unfassbaren Druck auf Leute auf, die ihre 40 Stunden arbeiten, und dennoch gewisse Ziele nicht erreichen. Lange Arbeitstage sind eine Seite der Medaille, die man auch zeigen sollte. Ich sehe es auch als meine Verantwortung, mit meiner Reichweite darauf aufmerksam zu machen.

Jetzt würden manche sagen: Wer effektiv genug arbeitet, schafft es auch in weniger Zeit.
Wir haben bereits etliche Workflows automatisiert und unsere Produktivität um ein Vielfaches steigern können. Dennoch gibt es manchmal Deadlines und unvorhergesehene Dinge treten ein. Da ist es egal, wie gut du vorbereitet bist. Solche Tage, in denen ich 18 Stunden arbeite, sind ja auch nicht ständig – aber sie kommen vor.

Sie haben selbst ein Unternehmen, The People Branding Company. Ihr Team ist jung. Bekanntermaßen legen jüngere Beschäftigte großen Wert auf Freizeit. Können diese Entwürfe von Work-Life-Balance koexistieren?
Das sind zwei verschiedene paar Schuhe. Denn es ist ja mein Unternehmen. Mein Team weiß, dass ich diese Erwartungshaltung nicht habe. Natürlich fallen in einer High-Scale-Beratung auch mal Überstunden an. Aber ich achte darauf, dass diese ausgeglichen werden. Aus dem Grund habe jetzt sogenannte Fresh Fridays eingeführt – jeder Mitarbeiter bei mir hat den ersten Freitag im Monat frei, sprich insgesamt zwölf bezahlte Urlaubstage zusätzlich.

Sie sprechen in Ihrem Statement auch an, auf vieles verzichtet zu haben. Haben Sie ein Beispiel?
Da gibt es viele. Im ersten Jahr der Gründung war ich eine Woche auf Mallorca mit meiner Mama – und wir mussten neue Mitarbeiter onboarden. Ich konnte nicht alles stehen und liegen lassen und war dann letztlich nur ein einziges Mal den ganzen Tag lang am Strand und sonst nur im Hotelzimmer. Das ist hart und ich habe mich so geärgert. Es ist nicht immer alles cool, sondern es tut manchmal weh und Dinge leiden darunter. Aber ich weiß, wofür ich es mache.

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