Editorial: Wenn allem Anfang ein Zauber innewohnt – wer verrät einem die Tricks?
Der WiWo-Chefredakteur Horst von Buttlar
Foto: WirtschaftsWocheAls Journalist musste ich oft über die Kunst des Neuanfangs schreiben. Schnell bewegt man sich da ja zwischen Hermann Hesse und Kalendersprüchen, zwischen Change und Tschakka. Wenn aber allem Anfang ein Zauber innewohnt – wer verrät einem die Tricks?
Vor einigen Jahren interviewte ich einen Manager, der in sehr jungen Jahren Chef einer strauchelnden Reederei geworden war. Er hatte sich akribisch vorbereitet, sogar das Standardwerk „The first 90 days“ von Michael D. Watkins durchgearbeitet. Eine These des Leitfadens ist, dass man nicht nur einen Plan, sondern eine gute Vorbereitung braucht – davor aber vor allem einen „mental break“. (Wenn dies ein Comic wäre, würde ich jetzt „schluck“ schreiben.) Interessant fand ich Watkins' Hinweis, man solle nicht den Fehler machen, in eine neue Organisation mit „der Antwort“ einzufliegen, sondern lieber schnell und viel lernen.
Als ich 2013 junger Chefredakteur wurde, fragte ich einen der dienstältesten Chefredakteure, ob er einen Rat für mich habe. „Alles, was früher funktioniert hat, funktioniert nicht mehr“, sagte er. Na super, dachte ich. So viel zum Rat der Weisen.
Ein interessantes Bild für die Art, eine Aufgabe anzugehen, kam mir einmal unter, als ich ein kompliziertes Projekt umsetzen sollte: Unterscheide zwischen Efeu und Beton. Beton stabilisiert ein Gefüge, manchmal aber muss man ihn durchbohren, wenn er im Weg ist. Ohne dass etwas zum Einsturz kommt. Bei Efeu muss man immer schauen, wie er gewachsen ist. Er kann halten, schmücken, wuchern, manchmal erdrücken. Wenn man von oben nur ein Stück abreißt, hat man nichts gewonnen.
All das rief ich mir in Erinnerung, als ich Anfang des Monats die Chefredaktion der WirtschaftsWoche übernommen habe. Vorab: Das mit dem „mental break“ habe ich schon mal nicht hinbekommen. Den Rest habe ich auch zunächst aus meinem Kopf verbannt. Schon in den Wochen vor dem Start durfte ich in den vielen Reaktionen und guten Wünschen erfahren und spüren, was für eine großartige Marke fortan meine journalistische Heimat ist. Wie tief sie verankert ist im Maschinenraum und den wirtschaftlichen Herzkammern unseres Landes – und der Weltwirtschaft.
Und ich verspreche Ihnen, liebe Leserinnen und liebe Leser, dass ich fortan meine gesamte Erfahrung und Leidenschaft für Journalismus in die WirtschaftsWoche stecken werde. Ich tue das mit großem Respekt vor der Geschichte dieser Marke – und vor den Menschen, die sie bisher gestaltet und geprägt haben.
Der Rhythmus, der im Namen der WiWo steckt, ist für Magazinmarken übrigens der Beste in der heutigen Zeit. Weil man in jenen Situationen andockt, in denen man überhaupt noch in Köpfe vordringt, wenn sie am Wochenende innehalten. Was nicht heißt, dass man in diesem Rhythmus verharrt, im Gegenteil, längst erreicht Sie die WiWo auf allen Kanälen zu fast jeder Zeit. Ich war überrascht, wie reich das Universum schon ist, das die WiWo bietet. Darauf will ich aufbauen und es ausbauen.
Eine letzte Bemerkung zu „der Antwort“. Oft schaut man in den ersten Tagen in neuen Teams in fragende Gesichter. Ich kann Ihnen verraten, dass ich in dieser Redaktion in Gesichter mit vielen Antworten geschaut habe – vor allem zu den Themen, die Sie bewegen und von denen Sie von uns jeden Tag und jede Woche Einordnung erwarten.