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Börsenwoche 413: EditorialBörsengurus – und ihre Patzer

Fehler passieren, auch an der Börse. Bei Starinvestoren sollten sie sich jedoch nicht häufen. Nach der Nvidia-Rally steht Cathie Woods Ruf auf der Kippe. Nicht als Tech-Visionärin – sondern als Investorin. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Jan-Lukas Schmitt 08.06.2023 - 10:25 Uhr

Cathie Wood

Foto: imago images

Als Finanzjournalist bekommt man so einige Tipps. Vieles ist nicht besonders spannend. Ab und zu ist aber was dabei. Vor ein paar Wochen schrieb mir ein Fondsmanager, um seine favorisierten Small-Caps vorzustellen. Aktien mit niedrigem Marktwert, vor allem aus nordischen Ländern – klingt interessant. Kurze Recherche: Der Fonds sieht gut aus, wurde von Morningstar jüngst mit der Bestnote ausgezeichnet. Der Manager ist noch jung, Top-Ausbildung, steile Karriere. Kann man mal einen Blick reinwerfen, dachte ich mir.

Erster Tipp: die Embracer Group, ein Spieleentwickler. Noch nie gehört. Die Schweden halten die Rechte an „Der Herr der Ringe“, arbeiten an über 30 AAA-Spielen, sozusagen den Blockbustern des Gamings. Vielversprechend für ein vergleichsweise kleines Unternehmen. Ernüchterung folgt beim Chart-Check: Eine Stunde, bevor die Mail mich erreichte, war die Aktie um 50 Prozent (!) eingebrochen, weil ein Mega-Deal geplatzt war. Danke für den Lacher – auf weitere Tipps verzichte ich.

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Börsengurus – und ihre Patzer

Irren gehört an der Börse aber dazu: Auch die weltbesten Fondsmanager haben sich schon verzockt. Hedgefonds-Legende Bill Ackman zum Beispiel schlug zu, als der Kurs der Netflix-Aktie im Januar 2022 durch schwache Zahlen um ein Drittel einbrach. Mit über drei Millionen Aktien wurde sein Hedgefonds Pershing Square Capital zum Großaktionär beim US-Streamingdienstleister. Jedoch nur vorübergehend. Nach einem erneuten Abrutschen der Aktie stieg Ackman wieder aus.

Bilanz der Wette: 430 Millionen Dollar Verlust in drei Monaten. Von den Opportunitätskosten ganz zu schweigen. Wäre Ackman investiert geblieben, läge er heute deutlich im Plus. Trotzdem halb so wild: Ackman macht genügend gute Deals, kann den Verlust verschmerzen – und sein Ruf hängt nicht von einzelnen Trades ab.

Bedenklich wird es hingegen, wenn Experten dem Empfinden nach häufiger falsch als richtig liegen. Bekannt für fragwürdige Einschätzungen ist Jim Cramer. Der Harvard-Absolvent war Goldman-Banker und leitete seinen eigenen Hedgefonds, bevor er begann, die Finanzsendung „Mad Money“ beim US-Sender CNBC zu moderieren. Hier gibt Cramer Investmenttipps der anderen Art. Vergangenen Oktober gestand er, den Tränen nahe, zu lange an der Meta-Aktie festgehalten zu haben: „Ich habe einen Fehler gemacht.“ Seit seinem Canossagang hat sich die Aktie mehr als verdoppelt.

Mittlerweile gibt es sogar einen ETF, mit dem Privatanleger gegen Cramer wetten können. Der Inverse-Cramer-ETF shortet die Empfehlungen des TV-Gurus. Wenn er vor etwas warnt, wird es gekauft. Bisher liegt der ETF leicht im Minus.

Der neueste und womöglich bitterste Ausrutscher widerfuhr Cathie Wood. Die Gründerin des Fondsanbieters Ark Invest setzt auf disruptive Technologie und machte unter anderem als frühe Tesla-Investorin auf sich aufmerksam. Berühmt wurde Wood während der Pandemie. Der Boom bei Techaktien war damals beeindruckend – aber ihr Flaggschifffonds Ark Innovation ETF lief noch stärker.

Seitdem geht es bergab. Letztlich wären Anleger mit einem einfachen Nasdaq-ETF besser gefahren. Wood kaufte in der Tech-Baisse stur nach, ließ nur wenige Titeln los – darunter ausgerechnet Nvidia. Sie stieg nahe des Tiefs aus und verpasste die anschließende Kursexplosion.

Foto: WirtschaftsWoche

Allmählich steht Woods Ansehen auf der Kippe. Nicht das als Tech-Visionärin. Sondern das als Investorin. Auf Twitter bezeichnet die Fondsmanagerin Nvidias Aktie inzwischen als zu teuer – und nennt andere Titel, die durch den KI-Hype wesentlich stärker profitieren sollen. In unserer Analyse haben wir recherchiert, was die Tipps taugen.

Ich wünsche Ihnen eine erfolgreiche Woche voll brauchbarer Tipps!

Foto: WirtschaftsWoche

Ihr Lukas Schmitt

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