Grüne Geldanlage: Die besten Broker für ESG-Anleger
Ausgetrocknete Flüsse und verdorrte Wiesen, Starkregen und Hochwasser – der Klimawandel ist mehr als spürbar. Wenig verwunderlich, dass den meisten Menschen die finanziellen Auswirkungen des Klimawandels große Sorge bereiten. Das geben 85 Prozent der Befragten in einer repräsentativen Studie der Gothaer Versicherung an. Auch bei der Geldanlage hat die Nachhaltigkeit einen unverändert hohen Stellenwert. 53 Prozent der Anleger und Anlegerinnen ist dieser Punkt wichtig oder eher wichtig. Bei den 18- bis 29-Jährigen liegt der Anteil sogar bei 60 Prozent. Auch bei den Anlegern, die in Fonds investieren, steht bei der Fondsauswahl das Thema Nachhaltigkeit weiterhin hoch im Kurs. 29 Prozent der Befragten entscheiden sich für Nachhaltigkeitsfonds. 2020 waren es nur sechs Prozent.
Die Auswahl nachhaltiger Fonds und börsengehandelter Indexfonds (Exchange Traded Funds, kurz ETFs) ist groß und wird immer größer, doch sie ist nicht bei jedem Broker gleich gut. „Die Anzahl der nachhaltigen Angebote bei aktiven Fonds und ETFs hat insgesamt zugenommen“, sagt Ania Scholz-Orfanidis von der FMH-Finanzberatung. „Dennoch gibt es immer noch einige Broker, die nur wenige Angebote haben.“
Für die WirtschaftsWoche hat die FMH-Finanzberatung exklusiv das Angebot von 18 Onlinebrokern analysiert und die Anbieter mit dem besten Preis-Leistungs-Verhältnis gekürt. Kriterien waren die Anzahl von nachhaltigen Fonds beziehungsweise ETFs und wie viele davon sparplanfähig sind sowie die Kosten. Die Kostenstruktur hat sich in den vergangenen Monaten zwar nicht verändert. „Es gibt jedoch immer wieder interessante Sonderaktionen, bei denen ETFs kostenfrei oder zu Sonderkonditionen erworben werden können“, sagt die Expertin. „Was natürlich dieses Jahr für Anleger sehr verlockend und interessant ist, sind die Guthabenzinsen auf Verrechnungskonten.“
Anleger, die in aktiv gemanagte Fonds investieren wollen, haben die Wahl zwischen sieben „sehr guten“ Brokern. Angeführt wird das Ranking von der Comdirect. Hier finden Anleger 6281 nachhaltige Fonds, 559 davon sind sparplanfähig. Bei 5320 Fonds ist der Ausgabeaufschlag reduziert, davon sind 185 kostenfrei. Neukunden bekommen zwölf Monate lang 3,25 Prozent Zinsen auf dem Tagesgeldkonto. Auf den Plätzen folgen Consorsbank, 1822direkt, Targobank und S-Broker, die ebenfalls ein großes Angebot haben und Neukunden zwischen 2,9 und 3,5 Prozent Zinsen auf das Tagesgeld beziehungsweise Verrechnungskonto zahlen. Die ING verzichtet auf solche Neukundenaktionen.
Bei Scalable Capital gibt es 2,3 Prozent, wenn die Kunden das Prime+ Depot wählen, dass aber 4,99 Euro pro Monat kostet. Auf Geld, dass im Juni einging, gibt es für drei Monate sogar noch einen Bonus von 1,2 Prozent. Auf Depotgebühren verzichten übrigens alle ausgezeichneten Broker. Üppige Rabatte auf den Ausgabeausschlag gibt es bei allen, bei Scalable entfällt dieser Kostenpunkt sogar ganz.
ETF-Anleger können zwischen drei Brokern wählen, die mit einem „sehr gut“ ausgezeichnet wurden. Scalable führt die Bestenliste an, gefolgt von der Consorsbank und ING. Depot-Kosten gibt es nicht, die Transaktionskosten variieren aber recht stark. Während Scalable für die Einmalanlage 0,99 Euro pauschal berechnet und die Sparpläne kosten frei sind, kostet die Einmalanlage bei der Consorsbank zwischen 9,95 und 69 Euro – je nach Ordergröße.
Beim Sparplan werden 1,5 Prozent pro Rate fällig. Bei der ING kostet die Einmalanlage 4,90 Euro plus 0,25 Prozent der Ordersumme, Sparpläne sind kostenfrei. Aktions-ETFs gibt es bei einer Order ab 1000 Euro kostenfrei. Bei Scalable und Consors gibt es auch für ETF-Anleger die Neukunden-Aktionen, wie beispielsweise die Zinsen auf das Verrechnungskonto.
Nachhaltige Geldanlagen sind weiterhin auf Wachstumskurs, wie das Forum nachhaltige Geldanlagen (FNG) bestätigt. Die Gesamtsumme nachhaltiger Publikumsfonds lag 2021 bei 246 Milliarden Euro, was einem Wachstum von 130 Prozent entspricht, heißt es im aktuellen Marktbericht der Experten. „Für Anleger, die nicht nach einem bestimmten Fonds oder ETF suchen, ist es ratsam, ein Depot zu wählen, das eine größere Auswahl an handelbaren Fonds oder ETFs bietet“, sagt Scholz-Orfanidis.
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