Legalisierung: „Viele Cannabis Start-ups werden aus dem Markt ausscheiden“
Junge Cannabis-Pflanzen
Foto: dpa Picture-AllianceWirtschaftsWoche: Herr Rossoni, die Legalisierung von Cannabis kommt, aber mit größeren Einschränkungen als erwartet: Ein flächendeckender Verkauf in lizenzierten Geschäften ist vom Tisch. Stattdessen darf Cannabis nur an registrierte Mitglieder in Anbauvereinen abgegeben werden. Was bedeutet das für die Cannabis-Start-ups?
Alessandro Rossoni: Es gibt über 100 Cannabis Start-ups in Deutschland. Bislang ging es ihnen vordergründig vor allem um medizinischen Cannabis, das seit 2017 erlaubt ist. Ich schätze, dass aber lediglich die Hälfte der Start-ups überhaupt mal Cannabisblüten, Extrakte oder Rezepturzubehör an Apotheken geliefert hat. Viele haben auf die Legalisierung von Cannabis als Genussmittel gesetzt. Dabei ist nun weniger herausgekommen als gedacht. Viele Cannabis Start-ups werden wohl bald aus dem Markt ausscheiden. Die ersten zeigen schon Auflösungserscheinungen oder lassen ihre Geschäfte ruhen.
Dabei hatten sich doch mit der Wahl der Ampel-Koalition große Hoffnungen verbunden…
Ja, das hat auch für einen finanziellen Schub gesorgt. Viele internationale Investoren haben nach der letzten Bundestagswahl auch zweistellige Millionenbeträge investiert, vor allem in größere Start-ups. Solche Unternehmen verfügen über einen langen Atem. Sie sind allerdings Ausnahmen: Die meisten Start-ups verfügen lediglich über finanzielle Mittel zwischen einer und drei Millionen Euro, welche bereits vor drei oder vier Jahren eingesammelt wurden. Vielen ist es nicht gelungen, eine gute Marke aufzubauen. Bei dem aktuellen Preisdruck und der ausbleibenden Skalierung gehen die Reserven langsam, aber sicher aus.
Wie läuft denn das Geschäft mit medizinischem Cannabis bisher?
Da haben sich die großen Hoffnungen aus 2017 nicht erfüllt. Die Akzeptanz der Ärztinnen und Ärzte ist nach wie vor gering ausgeprägt, teilweise bedingt durch den Gegendruck seitens der Krankenkassen. Immerhin soll medizinisches Cannabis künftig nicht mehr als Betäubungsmittel gelten. Ich hoffe, dass sich dadurch auch die Akzeptanz in der medizinischen Community steigert. Jüngste Daten zeigen übrigens, dass medizinisches Cannabis vor allem von Selbstzahlern nachgefragt wird..
Sie sind selbst Mitgründer und Geschäftsführer des Cannabis-Start-ups Nimbus Health. Wie steht es denn um ihre eigenen Geschäfte?
Wir bauen kein Cannabis an, sondern sind Großhändler für Cannabisblüten und -extrakte sowie Zubehör mit eigenen Marken und einem sehr breiten Sortiment. Zusätzlich bieten wir Logistik und Kommissionierungsdienstleistungen im Betäubungsmittelbereich und haben eine sehr erfolgreiche Servicesparte rund um Import und Export von Arzneimittel aufgebaut. Wir haben Nimbus Health im vergangenen Jahr an den indischen Medikamenten-Hersteller Dr Reddy’s verkauft. Wir sind damit das einzige deutsche Cannabis-Start-up, das einen solchen Schritt gegangen ist. Wir sind von medizinischem Cannabis überzeugt und haben nie auf die Legalisierung als Genussmittel gesetzt. Langfristig werden sich in der Pharmabranche nicht Blüten, sondern Fertigarzneimittel durchsetzen – um die zu produzieren, brauchen wir die Unterstützung eines großen Pharmaunternehmens. Mein Kollege Linus Weber und ich sind als Geschäftsführer an Bord geblieben. Im Gegensatz zu vielen anderen Start-ups erwirtschaften wir auch einen Gewinn.
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