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Randstad-Deutschlandchef„Die Gen Z will Erklärungen, warum sie tut, was sie tut“

Richard Jager wurde mit 26 Führungskraft. Die Gen Z heute wäge mehr ab, ob sie so eine Rolle mit anderen Bedürfnissen vereinbaren könne, sagt er – und erklärt, was er anderen Chefs im Umgang mit der Generation rät.Jannik Deters 09.09.2023 - 12:11 Uhr
Foto: imago images

WirtschaftsWoche: Herr Jager, viele Boomer gehen bald in Rente. Jüngere Menschen können somit früher in verantwortungsvolle Rollen schlüpfen. Zumindest theoretisch. Was ist Ihr Eindruck: Lassen die Unternehmen sie auch?
Richard Jager: Es gibt noch viel Zurückhaltung und die Ansicht: Der muss noch ein bisschen warten und reifen. Damit bin ich nicht ganz einverstanden. Denn je stärker sich die Demographie verändert, desto mehr wirkt sich das auch auf den Arbeitsmarkt aus. Darauf müssen Unternehmen reagieren.

Ist fehlende Erfahrung denn wirklich unproblematisch?
Wer denkt, dass junge Menschen erst mal warten müssen, bis sie führen können, steht mit einem Bein im Grab – und mit dem anderen auf einer Bananenschale. Ich bin selbst ein Dinosaurier und altersmäßig weit weg von der Generation. Aber mit jungen Leuten zu arbeiten, gibt unheimlich Energie. Alter ist kein Kriterium für Führungsqualität. Es muss vielmehr darum gehen: Wer zeigt Einsatz, wer hat die Energie und wer macht seinen Job einfach gut? Wer dringt bei den Kollegen mit den Zielen durch?

Wie genau gibt Ihnen denn die Arbeit mit der Gen Z Energie?
Der Austausch, die Perspektiven – und der Widerspruch. Wir hatten gerade ein Sommerfest mit gut 2000 Leuten. Viele davon sind 26, 27 Jahre und fragen mich, warum machen wir das so und nicht so.

Der Randstad-Geschäftsführer versucht, möglichst viel in Kontakt mit allen Mitarbeitern zu kommen. Doch manchmal überfordert ihn das.

Foto: PR
Richard Jager
Jager hat vor wenigen Tagen sein sechstes Jahr als Vorsitzender der Geschäftsführung von Randstad Deutschland vollendet. Seit 2022 ist er verantwortlich für die gesamte DACH-Region. Der Niederländer übernahm seine erste Führungsposition mit 26 Jahren.

Sie lassen also zu, dass Mitarbeiter Ihnen ungefiltert ihre Meinung sagen.
Du musst erlauben, dass Leute widersprechen und Feedback geben können. Es ist unglaublich dumm, die Erfahrung der Mitarbeiter an der Basis, die täglich mit den Kunden zu tun haben, nicht zu nutzen, und stattdessen oben zu sagen: Ich weiß es besser.

Wie sorgen Sie und Ihre Führungskräfte dafür, dass alle ihre Gedanken mitteilen – und sich nicht zurückhalten?
Ich muss es fördern, dass Leute Fehler machen. Selber erzählen, welche komischen Fehler ich gemacht habe. Wenn du es hinkriegst, dass Leute auch über Fehler lachen dürfen, hast du eine Basis für natürliches Feedback. Niemand will mehr in einem Unternehmen arbeiten, in dem der Chef weit weg ist, ab und zu stundenlange Fidel-Castro-Reden hält und von einer Bühne herab erklärt, wie alles funktioniert.

Die Generationen auf dem Arbeitsmarkt
Die Baby-Boomer (1946 - 1964) sind die älteste Generation auf dem Arbeitsmarkt. Diese Jahrgänge verzeichneten die höchste Geburtenrate, daher rührt auch der Name.
Die Jahrgänge der Generation X (1965 - 1979) haben einiges miterlebt: Wirtschaftskrisen, Techniksprünge, Arbeitslosigkeit, Umweltkatastrophen. Sie gilt als eine, die vor allem Wert auf ein gutes Einkommen und einen sicheren Arbeitsplatz legt.
Die Generation Y, auch Millennials genannt, wurde zwischen 1980 und 1995 geboren. Sie sind die erste Jahrgangskohorte, die als Digital Natives gelten.
Sie treten seit einigen Jahren in den Arbeitsmarkt ein: die Generation Z, geboren von 1996 bis 2010. Sie sind von klein auf mit dem Internet aufgewachsen, digitale Medien haben ihr Leben von Beginn an geprägt.

Der nahbare CEO. Kostet es Sie nicht viele zusätzliche Ressourcen, so präsent, stets ansprechbar zu sein?
Ich höre auch oft: Komm doch mal häufiger vorbei. Aber wir haben über 500 Niederlassungen. Selbst wenn ich jeden Tag zwei besuchen würde, bräuchte ich zwei Jahre dafür. Früher habe ich mich einmal pro Monat im Intranet gemeldet. Jetzt bin ich immer häufiger im Video zu sehen oder im Chat erreichbar. Die Gen Z will Erklärungen, warum sie tut, was sie tut. Das kann ich nicht mit einer Broschüre beantworten, das muss ich selbst rüberbringen.

Wie nehmen Sie den Führungsanspruch der Gen Z wahr? Wollen junge Menschen noch Chef werden?
Zunächst einmal: Die eine Gen Z gibt es nicht. Der Wunsch, in eine Führungsrolle zu kommen, ist aber kleiner als früher. Die Gen Z macht sich viele Gedanken über die Work-Life-Balance und darüber, ob sie so eine Rolle übernehmen will. Viele wägen stärker ab, einen Job anzunehmen und dafür auf etwas anderes zu verzichten. Aber es ist eine gute Entwicklung, sich diese Freiheit zu nehmen.

Ist die Gen Z fauler?
Nein, ich sehe unglaublich viele junge Menschen, die sich reinhängen. Sie haben genauso viel Herzblut wie andere und denken mit. Früher hat man sich eben stärker über den Job definiert, heute schaut man nach dem Gesamtpaket. Wie lange fährt man zur Arbeit? Wie verbinde ich das mit meinem Leben?

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