Leben mit Aktien: BIC-Aktie: Feuer fürs Depot?
Rauchen Sie? Dann hatten Sie vermutlich schonmal eines in der Tasche. Gemeint sind die Feuerzeuge von BIC, über die wir vergangene Woche im Podcast Leben mit Aktien ins Plaudern kamen. Viele Hörerinnen und Hörer haben uns danach geschrieben – und wollten wissen, wie es eigentlich um die Aktie der Franzosen steht.
Dabei ist das Einwegfeuerzeug gar nicht der Nukleus des Unternehmens, sondern ein Kugelschreiber – und zwar der legendäre BIC Cristal. Das durchsichtige Plastikdings mit der blauen Kappe, heute im Zehnerpack bei Amazon für 4,83 Euro zu haben, ist so ziemlich das Gegenteil eines kultivierten Schreibgeräts. Aber 1950, als der BIC Cristal auf den Markt kam, war das ein echter Durchbruch. Denn endlich war der 1943 vom Ungarn Laszlo Jozef Biro erfundene Kugelschreiber für breite Massen erschwinglich geworden.
Zu verdanken hatte die Menschheit das dem französischen Tüftler und Unternehmer Marcel Bich, der seine Firma eigentlich nach sich selbst benennen wollte, dann aber festgestellt hat, dass die englische Aussprache zu sehr nach „bitch“ klingt – und folglich wurde es BIC. Und mit ikonischen Werbekampagnen wurde der BIC der heute meistverkaufte Kugelschreiber der Welt. Über 100 Milliarden Stück wurden bislang produziert. Damit könnte man eine 300 Milliarden Kilometer lange Linie zeichnen, also 7,5 Millionen mal die Erde umrunden.
Anders gesagt: So ein BIC schafft drei Kilometer. Damit befindet sich der Stift eher am unteren Ende des Spektrums – je nach Technologie und Ausführung hat ein Kuli eine Schreiblänge zwischen einem und zehn Kilometern.
Die Stärke des BIC ist vor allem die Formel: billiges Plastik mit kultigem Design. BIC hat sie auch auf andere Produkte übertragen. 1973 kam das erste BIC-Einwegfeuerzeug auf den Markt. 1975 kamen Einwegrasierer hinzu – vor ein paar Jahren wurde in Frankreich sogar der BIC Shave Club gegründet hat, ein trendiges Abonnement für Rasierzubehör.
Die drei Produkte Kugelschreiber, Feuerzeuge und Einwegrasierer sind nicht gerade sexy: Geschrieben und geraucht wird immer weniger. Und auch wenn die Franzosen ihrer Société BIC eine ganze Reihe von Nachhaltigkeitspreisen verliehen haben: Einwegplastik-Kram ist nicht so zeitgeistig. Also hat sich die BIC-Konzernleitung gedacht, man muss das ein bisschen Aufladen mit hübschen Narrativen: Die Feuerzeuge heißen Flame for Live, die Kugelschreiber Human Expression und die Rasierer Blade Excellence. Kein Witz.
BIC wirtschaftet solide
Aber die Narrative ändern natürlich nichts an den Zahlen und die sehen mau aus. Von 2010 bis 2021 lag der Umsatz jedes Jahr zwischen 1,8 und 2,05 Milliarden Euro – pure Stagnation. Erst 2022 hat man mit 2,2 Mrd. Euro inflationsbesingt mal eine neue Bestmarke erreicht, aber das Ergebnis war mit Netto 209 Mio. Euro niedriger als in vielen Vorjahren (2021, 2017, 2016, 2015, 2014, 2013, 2012).
Allerdings: BIC wirtschaftet durchaus solide. Das Unternehmen hat seit über 20 Jahren jedes Jahr Gewinn gemacht und arbeitet an einer Netto-Umsatzrendite von zehn Prozent. Der freie Cashflow war seit der Jahrtausendwende stets positiv und lag zuletzt vier Mal in Folge bei 200 Millionen Euro. In diesem Jahr soll er etwas darüber liegen.
Aktionäre werden am Geschäft beteiligt. Zum aktuellen Kurs liegt die Dividenden-Rendite bei 4,3 Prozent. BIC kann es sich leisten: Der Konzern hat Netto keine Schulden, sondern eine Barreserve von 359 Millionen Euro. Die Ausschüttung betrug zuletzt gut die hälfte der freien Mittelzuflüsse – das ist nahezu idealtypisch.
Der Kurs hingegen hat in den vergangenen Jahren kräftig nachgegeben. Zurecht, denn wo keine Phantasie ist, schnurren die Bewertungen zusammen. Im Hoch 2015 war die Aktie bei 150 Euro, jetzt ist sie zurückgefallen in ihren alten Seitwärtskanal, wo sie schon vor 2011 herumgedümpelte. Immerhin scheint der Kurs dort einen Boden gefunden zu haben, auch weil sich wohl dieselbe Erkenntnis durchsetzt wie beim Öl: Die Produkte sind nicht toll, nicht glamourös – aber sie werden doch länger gebracht als der Zeitgeist es (wahrhaben) will. Die Bewertung ist mit dem Zehnfachen des Gewinns günstig.
Muss man deshalb jetzt kaufen? Billige Bewertung schön und gut, aber mir persönlich fehlt es an einem Katalysator, warum der Kurs steigen sollte – und 4 Prozent kriege ich auch in einer Anleihe (und das ohne französische Quellensteuer). Dazu kommt, dass die Familie Bich (63 Prozent der Voting Rights) nicht den Eindruck macht, dass man wirklich etwas für den Aktienkurs tun wollte. Unter 50 Euro würde ich einen Blick wagen.
Im Podcast sprechen Horst von Buttlar und Christian W. Röhl darüber, ob es sich lohnt, in Indien zu investieren und weshalb eine Keks-Aktie LVMH, ASML und Novo Nordisk abhängt. Jetzt reinhören.