Sandalenhersteller geht an die Börse: Birkenstock: Ein seltener wie spektakulärer Erfolg

Bereit fürs Parkett: die Birkenstock-Sandale, Model „Arizona“
Foto: imago imagesÜber Geschmack lässt sich streiten. Über Erfolg nicht. So simpel lässt sich der nun in New York beantragte Börsengang von Birkenstock zusammenfassen. Denn optisch und ästhetisch mag man von den Sandalen halten, was man will; was aber die neuen Geschäftsführer und die neuen Eigentümer binnen weniger Jahre aus der Sandalenfirma gemacht haben, ist nichts weniger als eine spektakuläre Management- und Marketingleistung. Laut „Bloomberg“ könnte die Gesamtbewertung von Birkenstock beim Börsengang bei umgerechnet rund 7,5 Milliarden Euro liegen.
Die Situation, in die die Birkenstock-Erben ihre Firma Anfang der 2000er-Jahre manövriert hatten, ist typisch für deutsche Familienunternehmen: In einer Blockadehaltung lähmten sich Karl Birkenstock und seine drei Söhne gegenseitig. Dass sich die Familie dazu durchringen konnte, erstmals in der rund 240-jährigen Geschichte zwei externe Manager an die Spitze zu holen, ist im Nachhinein betrachtet der erste Glücksgriff. Seit Ende 2012 führt der frühere Footballspieler und Sport1-Chef Oliver Reichert die Geschäfte von Birkenstock, bis April 2021 zusammen mit dem langjährigen Birkenstock-Vertriebler und -Produktentwickler Markus Bensberg.
Der zweite Schritt ist noch gewichtiger: Im Frühjahr 2021 verkauften die beiden übriggebliebenen Erben Alexander und Christian Birkenstock die Mehrheit ihrer Unternehmensanteile an die Beteiligungsfirma L Catterton sowie Financière Agache. Hinter beiden Finanzunternehmen steckt Bernard Arnault, Chef und Miteigentümer des Pariser Luxuskonglomerats LVMH.
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Was in dieser Dekade passiert ist: Im Geschäftsjahr 2014/2015 (das Birkenstock-Geschäftsjahr endet am 30. September) setzte Birkenstock etwas mehr als 400 Millionen Euro um. Im Geschäftsjahr 2021/2022 stieg der Umsatz um 29 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro. Birkenstock-Sandalen avancierten – auch weil bekannte Designer weltweit die Modelle nachahmten – zum Mode-Statement, vor allem bei Hollywood-Schauspielern und vergleichbaren Berühmtheiten. Die von Apple-Mitgründer Steve Jobs getragenen Birkenstock-Latschen wurden 2022 für umgerechnet rund 200.000 Euro versteigert. Zuletzt war die Sandale im sehr erfolgreichen „Barbie“-Kinofilm prominent platziert.
Arnault beherrscht das Geschäft mit Luxusartikeln wie kaum ein zweiter auf der Welt. Doch ihm allein den Birkenstock-Erfolg zuzuschreiben, greift zu kurz. Zuvor hatte das Duo Reichert/Bensberg entscheidende wie notwendige Vor- und Aufräumarbeit zu leisten am Firmensitz in Linz am Rhein. Das Loslassen-Können der Erben, ihr Vertrauen in den Fleiß der beiden externen Manager kombiniert mit dem Interesse von Bernard Arnault machen den Erfolg der Birkenstock-Geschichte aus. Zu alledem kann man den Beteiligten Respekt zollen. Denn in dieser Kombination ist das leider eine Seltenheit.
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