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AWO in Ostwestfalen-Lippe4300 Mitarbeiter und 120 Kitas – AWO OWL meldet Insolvenz an

Der Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe der Arbeiterwohlfahrt mit 4300 Mitarbeitern und über 200 Einrichtungen will sich im Rahmen einer Insolvenz in Eigenverwaltung neu aufstellen. Was heißt das für die Betroffenen?Henryk Hielscher 05.10.2023 - 08:40 Uhr aktualisiert

Mehr als 120 Kindertageseinrichtungen hat der AWO-Bezirksverband.

Foto: dpa

Der Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe der Arbeiterwohlfahrt ist ein Schwergewicht im Sozialwesen. Der Verband mit Sitz in Bielefeld dient als Dachorganisation für rund 200 Einrichtungen in der Region und beschäftigt 4300 Mitarbeiter, unter anderem in Pflegeheimen für Senioren, Beratungsstellen und in mehr als 120 Kindertageseinrichtungen. Doch schon seit geraumer Zeit kämpft die AWO OWL mit finanziellen Problemen: Im Januar musste der Bezirksverband aus der Tarifbindung aussteigen, weil Zulagen nicht gezahlt werden konnten. Dann sorgte der Abgang des Finanzvorstands für Unruhe.

Schon zuvor war ein Sanierungskonzept auf den Weg gebracht worden, das den Verkauf von Immobilien und die Trennung von bestimmten Einrichtungen vorsah. Doch die Sparmaßnahmen konnten offenbar schnell genug umgesetzt werden. 

Nun will sich der als Verein organisierte Bezirksverband im Rahmen einer Insolvenz in Eigenverwaltung neu aufstellen. Dabei bleibt das bisherige Management im Amt, wird aber von einem Sanierungsexperten unterstützt und von einem vorläufigen Sachwalter beaufsichtigt. Im Fall der AWO leitet der erfahrene Restrukturierer Andreas Budnik von der Kanzlei AndresPartner nun als Generalbevollmächtigter die operative Sanierung. Stefan Meyer von der Kanzlei Pluta wurde vom Amtsgericht Bielefeld zum vorläufigen Sachwalter bestellt. 

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Der Betrieb in den Einrichtungen geht weiter

„Im Rahmen der Eigenverwaltung soll nun die nachhaltige Sanierung der AWO OWL im Interesse aller wesentlichen Beteiligten sichergestellt werden“, heißt es in einer Pressemitteilung. „Unsere Aufgabe ist es jetzt, unseren vorliegenden Sanierungsplan im Rahmen der Eigenverwaltung schnellstmöglich umzusetzen‘‘, kündigte Vorstandsmitglied Christoph Lützenkirchen an.

Zunächst läuft der Betrieb in den Einrichtungen jedoch wie gewohnt weiter. Erst in den nächsten Wochen und Monaten wird feststehen, welche Dienste eingeschränkt oder eingestellt werden müssen, um die Kosten zu senken. „In den anstehenden Wochen werden wir Gespräche mit allen wesentlichen Beteiligten führen und auf der Grundlage dessen unsere Pläne zur weiteren Sanierung der AWO OWL vorantreiben“, kündigte Restrukturierungsexperte Budnik an. 

Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind dabei für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert. Zudem betrifft das Insolvenzverfahren ausschließlich den AWO Bezirksverband Ostwestfalen-Lippe e.V., nicht betroffen seien alle weiteren Organisationen der Arbeiterwohlfahrt, wie Tochtergesellschaften, Ortsvereine und Kreisverbände, sowie andere Bezirksverbände. 

Ostwestfalen-Lippe dürfte dennoch nicht der einzige AWO-Verband mit finanziellen Problemen sein. Am Donnerstag werden in Berlin die Ergebnisse einer Umfrage zu sozialen Belastungen vor dem Hintergrund der Haushaltskürzungen vorgestellt. Von Juni bis September 2023 hat der AWO-Bundesverband Daten zur aktuellen Situation in Einrichtungen und Projekten der AWO erhoben. Absehbar ist schon jetzt, dass die Lage durch die Kürzungen nicht einfacher geworden ist. 

Lesen Sie auch: Das Geschäftsmodell der Altenpflege: ist selbst ein Pflegefall. Das zeigt die Insolvenz der Pflegeheimkette Convivo. 

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