Glücksatlas 2023: In diesen Branchen sind Beschäftigte am unzufriedensten
Manch einer dürfte sich wundern: Die glücklichsten Beschäftigten arbeiten mit Abstand in der Finanz- und Versicherungsbranche. Also in einer Branche, die eher als trocken und bürokratisch gilt. Die Kreativeren folgen erst auf Platz zwei: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bereich Marketing und Kommunikation, aber auch Beschäftigte bei IT-Dienstleistern.
Das zeigt eine repräsentative Umfrage unter 1443 Erwerbstätigen ab 18 Jahren des Marktforschungsinstituts Ipsos für den SKL Glücksatlas 2023, die der WirtschaftsWoche vorab vorliegt.
Wer „was mit Menschen“ macht, ist der Auswertung zufolge am unzufriedensten. Auf den hinteren Rängen landen Beschäftigte, die im Gesundheits- und Sozialwesen – Ärztinnen, Pfleger, Sozialarbeiterinnen – und im Bildungsbereich arbeiten., wie Lehrerinnen und Erzieher. Das rühre vor allem aus dem Gefühl, unter Zeitdruck zu stehen und gehetzt zu sein, geben knapp 42 Prozent der Befragten aus der Branche an. Zum Vergleich: Unter den Beschäftigten im Finanz- und Versicherungswesen ist es noch nicht einmal jeder Dritte.
Auch der Kontakt mit Kunden in den Branchen Handel und Gastgewerbe sorgt nicht für Lebensglück: Beschäftigter beider Branchen wie Restaurantfachmänner oder Einzelhandelskaufrauen landen auf dem letzten Platz. Im Mittelfeld landen Branchen, in denen Menschen vor allem körperlich arbeiten.
Zeitliche Flexibilität sorgt für Zufriedenheit
Die Ergebnisse zeigen auch: Die Glücksunterschiede zwischen den Branchen sind nicht nur auf die unterschiedlichen Gehaltsklassen zurückzuführen. Der Auswertung zufolge könnte diese Lücke nur zu 20 Prozent durch Einkommensunterschiede erklärt werden. Die übrigen 80 Prozent hingen an den Lebensumständen, darunter Faktoren wie Geschlecht und Alter.
Einen Faktor haben die Forscher dabei genauer untersucht: zeitliche Flexibilität. Sie unterscheidet sich in den neun untersuchten Branchen deutlich – und erklärt, warum Versicherer oder auch Tätige in der Verwaltung oder bei IT-Dienstleistern zufriedener sind. Denn in diesen Jobs können Beschäftigte häufig im Homeoffice arbeiten und so besser Neben- oder Freizeitbeschäftigungen nachgehen.
Wer hingegen Präsenzpflicht am Arbeitsplatz hat oder im Schichtsystem arbeitet, ist weniger flexibel – und zudem abhängiger von Schulen, Kitas oder Verwandten.
Über den Glücksatlas
Der Glücksatlas entsteht seit 2011. Er untersucht, wie zufrieden Menschen mit ihrem Leben sind – und von welchen Faktoren das abhängt. Bernd Raffelhüschen, Wirtschaftswissenschaftler und Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, leitet die Forschung. Die neue Ausgabe des Glücksatlas erscheint am 9. November.
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