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Zufriedene MitarbeiterDas macht Feelgood-Manager so wertvoll

Immer mehr Firmen leisten sich einen Feelgood-Manager. Die Fortbildungen boomen. Doch was genau machen diese Zufriedenheitsbeauftragten – und was bringen sie den Unternehmen?Nina Jerzy 19.11.2023 - 06:40 Uhr

Happiness-Managerin Constanze Jäger (r.) im Einsatz.

Foto: Murtaza Rashidi

Der Job war zwar völlig neu, für Constanze Jäger aber genau der richtige. „Ich habe die Stellenausschreibung gelesen und wusste – da steht dein Name drauf“, erinnert sich die 43-Jährige. Das Städtischen Klinikum Braunschweig (SKBS) suchte eine Glücksbeauftragte. Was vor zwei Jahren noch die Ausnahme war, findet inzwischen immer mehr Anklang: Die Nachfrage nach Feelgood-Managern boomt, die Fortbildungen zum Zufriedenheitsbeauftragten sind gefragt wie nie. 

„Es geht um weit mehr als Obstkörbe, Behördengänge oder Work-Life-Balance“, meint Udo Albert. Der Bereichsleiter Weiterbildung an der IHK Würzburg-Schweinfurt hat im Sommer zum ersten Mal einen Lehrgang zum Feelgood-Manager angeboten. Die Nachfrage hat auch den Experten überrascht. Der nächste Kurs im November war im Nu ausgebucht. Für die Termine im Februar, April und Juni 2024 gibt es ebenfalls schon zahlreiche Anmeldungen. „Das zeigt, wie relevant das Thema in den Unternehmen ist“, kommentiert Albert. Firmen hätten endlich verstanden, dass zufriedene Beschäftigte mehr leisten, weniger krank sind und seltener kündigen.

Die Aufgaben eines Feelgood-Managers

Der Weiterbildungsexperte glaubt an einen echten Sinneswandel in den Führungsetagen. „Man schickt nicht Mitarbeiter in eine kostenpflichtige Weiterbildung, wenn man nicht offen ist für Neues und die damit verbundenen Veränderungen“, meint Albert. Mittlerweile steige auch die Nachfrage in eher konservativen Bereichen, beispielsweise Behörden.

Dass es in Braunschweig die erste Happiness-Managerin an einem deutschen Krankenhaus gab, war ein Zufall. Thu Trang Tran, Leiterin der Kommunikationsabteilung am SKBS, war im Urlaub von dem Concierge ihres Hotels derart begeistert, dass ihr die Idee kam: Könnte so ein Rundumdienstleister nicht auch Arbeitskräfte anziehen und halten? „Vor allem im Gesundheitswesen ist der Fachkräftemangel gravierend und für uns als Klinikum auch essenziell bedrohlich“, sagt sie. Im Wettstreit um Fachkräfte reiche es daher nicht mehr aus, in Stellenanzeigen mit familienfreundlichen Arbeitszeiten oder Abos für Fitnessstudio zu werben: „Denn diese Angebote haben alle.“

Fünf Tipps zur Stressbewältigung
Sagen Sie auch mal „Nein“. Haben Sie gerade keine Kapazitäten für eine neue Aufgabe oder ein Projekt, sagen Sie frühzeitig Bescheid. Selbstverständlich gibt es Situationen, in denen Sie mit „Ja“ antworten müssen. Aber vielleicht hat ein Kollege gerade mehr Zeit oder die Aufgabe ist doch nicht ganz so dringend.
Niemand ist perfekt, stellen Sie daher keine zu hohen und unrealistischen Erwartungen an sich selbst. Damit blockieren Sie sich nur.
Identifizieren Sie die Auslöser. Jeder Mensch gerät durch andere Dinge unter Druck. Um einen Überblick zu behalten, hilft es, sich eine Liste mit seinen persönlichen Stressfaktoren anzulegen. Stört Sie zum Beispiel das ständige „Pling“ eingehender E-Mails, stellen Sie den Computer auf lautlos und bestimmen Sie einen festen Zeitraum, in dem Sie Mails beantworten.
Stress zu unterdrücken, ist auf lange Sicht keine Lösung. Früher oder später wird er wieder hochkommen. Um das zu vermeiden, sprechen Sie darüber mit einem Kollegen und beziehen Sie auch ihren Chef mit ein. Allein das Gefühl, aktiv etwas gegen den Stress zu tun, hilft bei der Bewältigung.
Machen Sie Sport – Bewegung ist eine gute Methode, um Stress entgegenzuwirken, denn durch Sport werden Glückshormone wie Dopamin ausgeschüttet.Im Alltag hilft schon ein kurzer Spaziergang zur Kantine oder morgens eine Station früher auszusteigen und den restlichen Weg zur Arbeit zu laufen. Nehmen Sie die Treppe statt den Aufzug und laufen Sie zum übernächsten Drucker statt zum nächstgelegenen.

Tran kannte das Konzept des Feelgood-Managers bereits aus der Start-up-Szene. Sie wünschte sich aber jemanden, der sich ganz und gar auf die persönlichen Probleme der Kollegen konzentrieren konnte. Häufig fallen auch innerbetriebliche Themen in den Bereich der Wohlfühlmanager, etwa die Gestaltung flexibler Arbeitszeiten. Klassische Personalbereiche wie Gleichstellung oder betriebliches Gesundheitsmanagement waren laut Tran bereits über andere Stellen am Klinikum abgedeckt gewesen. „Das Schöne an der Stelle: Sie ist für alle da, vom Azubi bis zur Chefärztin – berufs- und hierarchieübergreifend“, sagt Tran. 

Genau dieser Status als Grenzgänger zwischen den Hierarchien macht den Feelgood-Manager so wertvoll – aber als Konzept häufig auch schwer greifbar. „Es gibt in diesem Sinne keinen eigentlichen Bereich eines Feelgood-Managers, weil seine Aufgaben alle Unternehmensbereiche betreffen und bis in die Unternehmenskultur hineinreichen“, sagt IHK-Experte Albert. Entsprechend unterschiedlich können die Jobbezeichnungen ausfallen, von „Botschafter“ über „Wertewächter“ bis „Zufriedenheitsbeauftragter“. Der Feelgood-Manager setzt sich laut Albert aber immer mehr durch. 

Aus Sicht des Experten hat der Feelgood-Manager vor allem zwei große Aufgaben. Er müsse stets für die Beschäftigten ansprechbar sein und wissen, was sie benötigen, um zufriedener zu sein. Dadurch könne er als eine Art „Zufriedenheitsseismograf“ für die Führungsebene fungieren und dort dafür sorgen, das Wohlbefinden der Mitarbeiter stärker in den Fokus zu rücken. 

Die Glücksbeauftragte in Braunschweig ist oft in privater Mission unterwegs. Jägers Auftrag lautet: Kollegen die Alltagsprobleme abnehmen, damit sie den Kopf frei haben für den Job. Denn genau im Privatleben hakt es manchmal so sehr, dass Arbeitszeit reduziert werden muss oder eine neue Stelle gar nicht erst angetreten werden kann. Entsprechend aufwändig kann ein neuer Kunde für Jäger werden. Sie ist oft die erste Ansprechpartnerin, wenn ein Mitarbeiter für den Job nach Braunschweig zieht. Sie hilft dann bei der Suche nach einer Wohnung, einem Kitaplatz oder einem Pflegeheim für Verwandte. Wenn nötig, schaut sich Jäger sogar nach einem Job für den Partner des neuen Kollegen um.

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Nicht immer ist der Job für die Feelgood-Managerin selbst die reine Freude. „Alles, was mit Ämtern zu tun hat, zieht sich leider auch oft hin und ich bin nicht die Geduldigste“, sagt Jäger. Anfangs wurde die neue Stelle auch etwas misstrauisch beäugt. Viele Mitarbeiter hätten sich nichts unter ihrem Job vorstellen können, berichtet Jäger. Nach den ersten erfolgreich erledigten Anfragen habe es sich aber rasch herumgesprochen: Die Glücksbeauftragte produziert nicht nur heiße Luft, sie kann tatsächlich helfen.

Wo Feelgood-Manager in Unternehmen helfen können

Manchmal bekommt es Jäger auch mit Schicksalsschlägen zu tun. „Natürlich ist das kein Job, bei dem man die Tür hinter sich schließt und man hat alles vergessen“, sagt die Feelgood-Managerin. Es belaste sie aber nicht, denn meist ließen sich Lösungen für Probleme finden. Am Ende stimmt für Jäger die eigene Jobzufriedenheit vor allem wegen der dankbaren Kollegen. 

Auch ihre Chefs sind mit der neuen Feelgood-Managerin zufrieden. Jägers Stelle war als Pilotprojekt zunächst auf zwei Jahre angelegt. Mittlerweile ist die dreifache Mutter entfristet angestellt und kann sich gut vorstellen, ihre 75-Prozent-Stelle aufzustocken. Da Tran die Idee für die Position hatte, ist die Feelgood-Managerin in der Kommunikationsabteilung des Klinikums angesiedelt. Klassischerweise werden Feelgood-Manager häufig von der Personalabteilung gesteuert. Erfahrung in der Personalarbeit könne helfen, sei aber keine Voraussetzung für einen guten Feelgood-Manager, sagt IHK-Experte Albert. Denn bei der Stelle gehe es darum, Lösungen jenseits der klassischen Personalaufgaben zu finden.

So werden Sie in Ihrem Unternehmer zum Konfliktlöser
Der unternehmensinterne Konfliktmoderator sollte professionell trainiert sein. Die Lektüre von Fachtexten zum Konfliktmanagement kann hilfreiche Impulse liefern. Sie kann aber eine professionelle Qualifikation nicht ersetzen. Als Konfliktmoderator ist es entscheidend, auch die psychischen Prozesse des Konfliktes zu erkennen und zu berücksichtigen. Wer das nicht kann, muss sich entweder weiterbilden oder einen externen Experten beauftragen.Quelle: Institut für Konfliktmanagement und Führungskommunikation (www.ikuf.de).
Der Vorteil eines unternehmensexternen Konfliktmoderators ist, dass dieser in den meisten Fällen ein größeres, fachspezifisches Know-how hat und in der Begleitung von Konfliktmoderationsprozessen geübter ist. Außerdem wird eine externe Person eher als überparteilich wahrgenommen – und nicht als „verlängerter Arm“ der Geschäftsführung. Dies ist unter anderem bei der Moderation von Konflikten zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern relevant.
Es ist wichtig, wie der Anlass einer Konfliktmoderation kommuniziert wird – insbesondere wenn die Mitwirkung der Streitenden nicht freiwillig ist. Stellen Sie keine Problembeschreibungen in den Vordergrund, sondern positive Ziele des Konfliktmoderationsprozesses, für deren Erreichen sich Mitmachen und auch Anstrengungen lohnen.
Setzen Sie sich in Ihrem Unternehmen für eine konstruktive Fehler-Kultur ein, die Fehler nicht als Schuldfrage behandelt, sondern als Möglichkeit zur Weiterentwicklung. Sie verhindern dadurch, dass Konflikte von Führungskräften „unter den Teppich gekehrt werden“ und die Illusion eines konfliktfreien Unternehmens entsteht.
Wenn Führungskräfte ihren Mitarbeitern Rückmeldungen über deren Leistungen geben, sind dies Situationen, die leicht zu Konflikten führen können. Bilden Sie Ihre Führungskräfte in der Feedback-Kommunikation fort, damit diese konfliktvorbeugend und auch deeskalierend handeln können.

In dem IHK-Lehrgang lernen angehende Feelgood-Manager unter anderem, wie man wertschätzend kommuniziert, Konflikte löst, Workshops plant und die Unternehmenskultur beeinflusst. Albert warnt dabei aber davor, die Stelle zu überfrachten. „Ein Feelgood-Manager ist kein Coach, Trainer, Mediator oder jemand, der kleine Benefits und Incentives verteilt“, sagt er. Im kleinen Rahmen könne ein Feelgood-Manager all diese Dinge zwar leisten. Bei größerem Bedarf sollte aber externe Unterstützung hinzugezogen werden. 

Was muss ein Feelgood-Manager können?

Entscheidend ist für Albert bei dem Job die richtige Einstellung. „Es geht immer um Menschen. Daher sind die menschlichen Anforderungen an die Stelle deutlich wichtiger als die fachlichen Aspekte“, sagt er. Seiner Ansicht nach sollte ein guter Feelgood-Manager diese Eigenschaften und Erfahrungen mitbringen: 
•    Interesse an Menschen
•    Empathie
•    Verständnis für die Unternehmenskultur
•    Selbstreflektion
•    Beharrlichkeit auch gegenüber der Chefetage
•    Interesse an Psychologie, Hirnforschung, Gruppendynamik

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„Eine gewisse Lebenserfahrung ist auch nicht hinderlich“, findet Happiness-Managerin Jäger. „Als dreifache, berufstätige Mutter, Ehefrau und Hundebesitzerin bringe ich schon viele Schnittstellen mit.“ Jäger hatte vor ihrem aktuellen Posten als Erzieherin an der Kinderklinik des SKBS gearbeitet und sich zur Mediatorin und Fachwirtin für soziale Arbeit fortgebildet. Den Betrieb schon zu kennen, habe ihr beim Start in den neuen Job geholfen. „Ich weiß, mit welchen Problemen unser pflegerisches und ärztliches Personal zu kämpfen hat. Viele Menschen in der Klinik kannte ich bereits und viele auch mich.“

Vorteil Eigengewächs

IHK-Experte Albert rät ebenfalls, einen Feelgood-Manager nach Möglichkeit im eigenen Betrieb zu suchen. „Am wichtigsten sind das Interesse und die Begeisterung für das Thema“, unterstreicht er. In größeren Unternehmen könne es deshalb ratsam sein, dass sich Mitarbeiter mittels eines Motivationsschreibens auf eine solche Stelle bewerben. Vorgesetzte könnten aber auch gezielt auf Kollegen zugehen, die bereits Talent für den Job bewiesen hätten. Hier bieten sich laut dem Experten Beschäftigte an, die erfolgreich in einem Konflikt vermittelt haben oder schwierigen Kollegen gegenüber besondere Wertschätzung an den Tag legen. 

„Auch ein Bereichsleiter, Abteilungsleiter oder ein Mitglied der Geschäftsleitung kann sich als Feelgood-Manager verstehen“, findet der Experte. Kleinen Betrieben, die kein Budget für eine zusätzliche Stelle haben, rät er dazu, sich nach einem externen Berater umzuschauen. „Oder man könnte innerhalb des Unternehmens ein Gremium installieren, das dieses Thema sozusagen nebenamtlich bearbeitet.“ Dafür müsse die Geschäftsführung aber genügend Zeit einräumen.

Mit einem einzelnen Feelgood-Manager ist es übrigens nicht unbedingt getan. Denn was Mitarbeiter zufrieden macht, kann je nach Unternehmensbereich unterschiedlich ausfallen. Albert hält es deshalb für eine gute Idee, dass größere Firmen in den verschiedenen Sektoren oder Filialen jeweils eigene Feelgood-Manager einsetzen. Sein Rat an Führungskräfte: Werden Sie beim Thema „Zufriedenheit“ kreativ.

Lesen Sie auch: Aus unserer Reihe „Von Japan lernen“ - Wie japanische Manager ihre Mitarbeiter hegen und pflegen

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