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J. Weck GmbH & Co. KGHersteller der Weck-Gläser findet neuen Eigentümer

Der Begriff „Einwecken“ geht auf den Glashersteller Weck zurück. Im Juni musste die Kultfirma Insolvenz anmelden. Doch nun ist Weck gerettet: Eine Beteiligungsgesellschaft übernimmt das Traditionsunternehmen.Henryk Hielscher 23.11.2023 - 13:30 Uhr

Der Traditionshersteller Weck kann weiter Gläser produzieren.

Foto: dpa Picture-Alliance

Die 8000-Euro-Frage hatte es in sich: „Welches Verb geht auf einen Firmengründer zurück, dessen Unternehmen im Juni nach 123 Jahren Insolvenzen anmelden musste?“, wollte Wer-wird-Millionär-Moderator Günther Jauch vor ein paar Wochen von einem Kandidaten der Quizshow wissen. A: abflexen, B: kärchern, C: einwecken oder D: popeln?

Leser der WirtschaftsWoche kannten die Antwort: C – einwecken. Am 20. Juni hatte die WirtschaftsWoche die Insolvenz J. Weck GmbH & Co. KG vermeldet, jenes Unternehmens, das mit seinen Einmachgläsern tatsächlich den Begriff „Einwecken“ geprägt hat. 

Rund fünf Monate nach dem Insolvenzantrag gibt es wieder Nachrichten zu Weck: Die Gläser, verziert mit einer stilisierten Erdbeere und der Aufschrift „Weck“ wird es weiterhin geben. Das Unternehmen hat einen neuen Eigentümer gefunden, der Weck nun aus der Insolvenz heraus übernimmt und die Marke weiterentwickeln will. Nach Informationen der WirtschaftsWoche wurde bei einer Mitarbeiterversammlung im baden-württembergischen Wehr die börsennotierte Beteiligungsgesellschaft Aurelius als neuer Investor präsentiert. Ein Sprecher von Aurelius bestätigte gegenüber der WirtschaftsWoche die Übernahme.

Demnach soll Aurelius einen zweistelligen Millionenbetrag für den Kauf des Unternehmens und für die Markenrechte bezahlen und hat damit offenbar einen weiteren Interessenten aus der Private-Equity-Branche ausgestochen. Die Gläubiger können nun auf eine komplette Befriedigung ihrer Forderungen hoffen.   

Einziger Haken: Der angeschlossene Weck-Verlag für Zeitschriften und Ratgeber mit rund 30 Beschäftigten wird nicht verkauft und dürfte abgewickelt werden. 

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Insgesamt aber ist die nun gefundene Lösung ein echter Erfolg. In ähnlichen Krisensituationen in der Vergangenheit gelang es oft nur, die Markenrechte auf einen neuen Eigentümer zu übertragen, während der Betrieb abgewickelt wurde. Bei Weck ist das nun anders, wofür auch die Zusammenarbeit innerhalb des Sanierungsteams verantwortlich gewesen sein dürfte. Während Insolvenzverwalter Thilo Braun von der Freiburger Kanzlei Nehrig, Braun und Sozien Weck durch das Insolvenzverfahren dirigierte, führte Restrukturierungsberater Ralf Strehlau von der Anxo Management Consulting das Unternehmen operativ durch die Krise, stabilisierte Weck und soll nun offenbar an Bord bleiben, bis Aurelius die Nachfolge in der Chefetage geregelt hat. Christian Scharfenberger von der Stuttgarter M&A-Beratung Wintergerst organisierte schließlich den erfolgreichen Verkaufsprozess, der sich zum Bieterwettstreit entwickelte. 

Wecks Markenkern ist weiter intakt

Für das große Interesse an Weck dürfte es gleich mehrere Gründe geben. Zum einen hatte vor allem Fehlentscheidungen des früheren Managements das Unternehmen in die Krise manövriert. Aber Wecks Markenkern ist weiter intakt. Das zeigte sich bereits kurz nach dem Insolvenzantrag, als es zu einem regelrechten Bestellboom bei Weck kam. In den ersten Tagen seien „die Bestellungen im Onlineshop regelrecht explodiert“, berichtete Insolvenzverwalter Braun im September gegenüber der WirtschaftsWoche. Weck sei plötzlich als Marke wieder präsent gewesen und „viele Kunden hatten sicherlich auch Angst, künftig auf ihre Gläser verzichten zu müssen“, vermutete Braun.

„An einzelnen Tagen hatten wir das 30-Fache des üblichen Bestellvolumens, inzwischen verkaufen wir online immer noch doppelt so viel wie vor der Insolvenz.“ Der unerwartete Auftragsboom war vor allem die Beschäftigten „ein Kraftakt“, so Braun. Aber sie hätten „voll mitgezogen und demonstriert, wie sehr sie für das Unternehmen kämpfen.“  

Der Investor Aurelius dürfte nun vor allem die Weiterentwicklung der Marke in Angriff nehmen. Denn Weck sei eine echte „love brand“, schwärmte Braun zuletzt und stehe für „Tradition, Qualität und einen Hauch Nostalgie“. Gut möglich, dass der Name Weck demnächst also nicht mehr nur Einweck-Gläser ziert. 

Lesen Sie auch: Weck: Boom dank Insolvenz

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