Hausverkäufer: Neun von zehn Eigentümern haben zu hohe Preiserwartungen
Verkäufer können immer seltener die Preise erzielen, die sie in Anzeigen aufrufen.
Foto: imago imagesDer Immobilienmarkt entwickelt sich immer mehr vom Verkäufer- zum Käufermarkt. Das zeigt eine neue Umfrage des Immobilienmaklernetzwerks Remax unter deutschen Maklern. Neun von zehn befragten Maklern geben an, dass Verkäufer zu hohe Preiserwartungen hegten. Dabei könnten Eigentümer ihre Immobilie immer seltener zum gewünschten Preis verkaufen.
Auch die Dauer, bis eine Immobilie verkauft wird, hat sich demnach deutlich erhöht. Zwei von drei Maklern sprechen von einer durchschnittlichen Vermarktungszeit von vier bis sechs Monaten. Befragt wurden 100 Makler in elf Bundesländern.
„Wir befinden uns in einem anhaltenden Käufermarkt“, erklärt Remax-Deutschland-CEO Samina Julevic. „Der Käufer hat momentan das Sagen – und er sagt nein oder abwarten.“
Verkaufen wollen demnach gerade ältere Menschen. Knapp neun von zehn Maklern bestätigen dies. Gleichzeitig habe mit dem Anstieg der Bauzinsen die Zahl derjenigen zugenommen, die ihre Immobilie verkaufen wollen.
Bei Käufern dominieren hingegen junge Familien. Die hätten jedoch oft ebenfalls falsche Preisvorstellungen, wie die Umfrage ergeben hat. „Gerade bei älteren, sanierungsbedürftigen Immobilien fordern Käufer häufig überzogene Preisnachlässe“, erklärt Julevic.
Tatsächlich sind die Preise für sanierungsbedürftige Häuser bereits stark gesunken. Bereits im Frühjahr zeigte eine Auswertung von Immoscout24 einen Wertverlust von 36 Prozent für Immobilien der Effizienzklasse G gegenüber solchen der Klasse A. Auch in den Klassen E, F und H waren es jeweils mehr als 30 Prozent minus.
Über die Hälfte aller Immobilien (52 Prozent) fallen laut Immobilienscout24 in eine dieser vier Klassen.
Könnten Verkäufer für ein 100-Quadratmeter-Haus der Klasse A beispielsweise 500.000 Euro verlangen, so wären es für ein Klasse-G-Haus statistisch betrachtet nur 320.000 Euro.
Um dennoch nicht deutlich unter Preis zu verkaufen, rät der Maklerverband dazu, eigene Gutachter zu beauftragen. Die sollten direkt auch realistische Sanierungskosten errechnen. Das Gutachten koste zwar Geld, sei aber eine gute Argumentationsbasis, um sich vom Käufer nicht zu tief herunterhandeln zu lassen.
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