Karneval: Rosenmontag: Frei für alle – oder für niemanden!

An Rosenmontag haben vielerorts Kitas und Schulen zu.
Foto: imago imagesHelau und alaaf! Oder vielleicht doch eher: Herzliches Beileid? Und damit adressiere ich nicht all jene, die Karnevalsmuffel sind und unter der ausgelassenen Feierei ihrer Mitmenschen leiden. Nein, ich meine all die Eltern, die an den Tagen rund um Karneval weder ausgelassen feiern noch arbeiten können, weil sie auf ihre Kinder aufpassen müssen. Und all jene, die die Arbeit dieser Eltern auffangen müssen.
Denn es gibt nicht wenige Hochburgen in diesem Land, die Karneval, Fasching oder Fastnacht ziemlich hoch hängen. Allen voran Städte im Rheinland, in Rheinhessen, aber auch in Schwaben und Baden. Für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bedeutet das oft, sie dürfen mindestens an Rosenmontag frei nehmen, Überstunden abbauen oder haben gar inoffiziell frei. Das gilt auch für das Personal in Kitas und Großtagespflegen, für Tagesmütter und Tagesväter und für Lehrerinnen und Lehrer, deren Schulen einen oder gar mehrere variable Ferientage für die Karnevalszeit einsetzen.
Ich habe von Kitas gehört, die nicht nur am Rosenmontag geschlossen sind, sondern bereits am Freitag davor oder noch am Dienstag danach. Ich habe von Tagesmüttern gehört, die erst zwei Wochen vorher darüber informiert haben, dass sie am Rosenmontag nun doch nicht arbeiten werden.
Die Eltern haben das Nachsehen. Sofern nicht etwa die Großeltern der Kinder als Betreuung einspringen können, müssen sie sich organisieren oder fallen bei der Arbeit aus. Und das in einer Phase, in der sie ohnehin höhere Fehlzeiten aufweisen, weil ihre Kinder oder sie selbst im Kita-Viren-Teufelskreis gefangen sind und von Erkältungen heimgesucht werden.
Wenn so viele ausfallen, wer macht dann die ganze Arbeit? Sofern ohnehin alle im Team frei haben, mag das kein Problem sein. Dann bleibt die Arbeit eben liegen. Es ist sehr wohl aber ein Problem, wenn in Betrieben Prozesse nicht stillstehen können. Man denke nur an Krankenhäuser oder Pflegeheime. Dann müssen die wenigen einspringen, die an diesem Tag im Dienst sein können, weil sie keine privaten Verpflichtungen haben, und die Arbeit der fehlenden Kolleginnen und Kollegen auffangen. Oft sind das Menschen ohne Kinder. Auch irgendwie unfair.
Wie können Führungskräfte dieses Dilemma nun lösen? Ganz einfach: Schafft die schwammige Regelung eines Brauchtumstags am Rosenmontag ab, an dem jeder und jede tun und lassen kann was er oder sie möchte. Entweder Feiertag für alle – oder für niemanden!
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