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Walt DisneyAktivistische Aktionäre können nerven – und sehr hilfreich sein

Der Management-Moment der Woche und was sich daraus lernen lässt: Disney-Chef Bob Iger hat sich gegen den prominenten Investor Nelson Peltz durchgesetzt. Trotzdem sollten Manager auf aktivistische Investoren hören.Leonard Knollenborg 07.04.2024 - 09:00 Uhr

Disney-Konzernchef Bob Iger. In einer Auseinandersetzung mit dem aktivistischen Aktionär Nelson Peltz stellten sich die Disney-Aktionäre hinter Iger.

Foto: dpa Picture-Alliance

Das ist passiert

Das Management von Walt Disney hat den Machtkampf gegen den aktivistischen Investor Nelson Peltz gewonnen: Bei der Hauptversammlung am Mittwoch stellten sich die Aktionäre des US-Unterhaltungsunternehmens hinter Konzernchef Bob Iger und wählten ihn und alle anderen Mitglieder des Verwaltungsrats wieder. Peltz erhielt dagegen keine Mehrheit. Der 73-jährige Iger ist seit Herbst 2022 wieder Disney-Chef, nachdem er das Unternehmen bereits von 2005 bis 2020 geführt hatte.

Seit seiner Rückkehr wird Iger von Peltz scharf kritisiert: Dabei geht es einerseits um die Entwicklung des Unternehmens und des Aktienkurses, der im vergangenen Jahr zeitweise auf den niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre rutschte. Andererseits wurde die Auseinandersetzung zunehmend persönlich, für ihre jeweiligen Kampagnen gaben beide Seiten Dutzende Millionen aus.

Das können Sie daraus lernen

1.    Hören Sie auf aktivistische Aktionäre!

Inhaltlich hatte Peltz in vielen Punkten Recht, meint Elias Halbig. Der Portfoliomanager ist bei Union Investment für die Aktienanalyse von Medienunternehmen zuständig und hat den Konflikt zwischen Peltz und Iger genau beobachtet – Union Investment zählt selbst zu den Anteilseignern von Disney. „Disney hatte lange keine kluge Strategie für das Streaming-Geschäft“, sagt Halbig. Der Dienst Disney+ war trotz Premiuminhalten wie der Marvel-Reihe und Star Wars zu günstig – und hatte trotzdem einen deutlich geringeren Marktanteil als Netflix. Das mediale Angebot konnte einfach nicht mithalten. „Auf diese strategischen Fehler hat auch Peltz immer wieder hingewiesen, weil er sich um den Aktienkurs gesorgt hat.“ In den vergangenen zwei Jahren habe Disney nun an wichtigen Stellschrauben gedreht: Disney+ ist deutlich teurer geworden, außerdem hat der Medienkonzern durch den Kauf von Rechten das inhaltliche Portfolio erweitert.

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Das sei das Gute an aktivistischen Investoren, findet Halbig: Sie weisen auf Fehler des Managements hin, sind auf Effizienz bedacht. Damit bilden sie aus seiner Sicht ein wichtiges Korrektiv. „Der Großteil der Aktionäre mischt sich nicht in das Management ein und hält sich mit Kritik zurück“, so Halbig. „Dadurch wird ein Management manchmal verleitet, es sich bequem zu machen und Dinge zu tun, die nicht im Interesse der Aktionäre sind.“ Deshalb sollten Manager die Hinweise aktivistischer Investoren ernst nehmen. Im eigenen Interesse. Weil sie der langfristigen Entwicklung von Unternehmen guttun. „Das gilt insbesondere dann, wenn der Aufsichtsrat nicht unabhängig genug ist und seiner Kontrollfunktion damit nicht gerecht wird.“

2.    Trennen Sie persönlich von sachlich und kurz- von langfristig!

Problematisch wird's, wenn es aktivistischen Investoren nicht nur um die Sache geht – sondern auch um persönliche Motive. Das war auch bei Peltz der Fall, meint Portfoliomanager Halbig: Was Peltz gefordert habe, setze Disney zum großen Teil schon um. Trotzdem gab der Investor keine Ruhe. „Diese Fehde hat das Management von den wichtigen Schritten abgelenkt, die in der Restrukturierung von Disney noch anstehen“, sagt Halbig. 

Ständige Störfeuer kann ein Management nicht gebrauchen. Und sollte sich davor schützen. Zumal es Zeit braucht, bis sich strategische Entscheidungen auf den Erfolg des Unternehmens auswirken. Manchen Investoren fehlt dieser langfristige Blick: Sie sind auf schnelle Gewinne aus und unterstützen daher Maßnahmen, die Aktienkurse kurzfristig oft steigen lassen, dem Unternehmen langfristig aber schaden können – zum Beispiel die Abspaltung einzelner Sparten. „Da muss das Management schon unterscheiden zwischen Investoren mit einer sehr kurzfristigen und denen mit einer längerfristigen Perspektive.“

3.    Behalten Sie stille Investoren im Blick!

Bei aller Aufmerksamkeit, die aktivistische Investoren auf sich ziehen können – die meisten Aktionäre verhalten sich ruhiger. Und die gilt es im Blick zu behalten. Um Mehrheiten zu organisieren, investieren Unternehmen vor kritischen Hauptversammlungen viel Zeit und Geld in Kampagnen. So war es auch bei Disney: Sowohl das Management als auch Investor Peltz versuchten monatelang, über die Wirtschaftsmedien und ihre eigenen Kanäle für sich zu werben. Mindestens genauso wichtig ist der persönliche Kontakt. „Es ist schon guter Stil, wenn sich das Management zumindest bei den größeren Investoren auch persönlich meldet und zuhört“, betont Halbig. Denn auch Aktionäre, die mit dem Management stimmen, müssen nicht mit allem einverstanden sein. Und sind ein wichtiges Korrektiv: Auch Union Investment habe eine klare Forderung an die Verantwortlichen bei Disney gestellt, erzählt Halbig: „Die Nachfolge von Bob Iger muss geregelt werden. Und zwar nicht von ihm selbst, sondern vom Aufsichtsrat.“

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