Luxushotels: Das Hotel-Paradox: Je teurer, desto geringer die Marge
Der Eingang des Luxushotels Europäischer Hof in Heidelberg.
Foto: PresseDie Zahlen klingen nach einem Gewinnergeschäft. Von gut 154 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2024, so das Analysehaus Fortune Business Insights, werde sich der globale Markt für Luxushotels innerhalb von acht Jahren bis 2032 auf knapp 370 Milliarden mehr als verdoppeln, pro Jahr entspräche das einem Wachstum von knapp zwölf Prozent.
Doch von dem Wachstum profitieren nicht alle: Während die großen Hotelketten derzeit verstärkt ins Luxussegment drängen, wird es für familiengeführte Häuser zunehmend schwer.
Beispielhaft dafür steht etwa die Jumeirah Group aus Dubai. Der auf Luxushotels spezialisierte Betreiber hatte erst 2022 sein Haus in Frankfurt geschlossen – und drängt jetzt mit Macht auf den europäischen Hotelmarkt. Vor allem in bei Touristen beliebten Großstädten will der Konzern neue Luxushäuser eröffnen. Neben der Akquisition des Genfer Hotels Le Richemond hat die Gruppe dafür gleich zwei Häuser in London gekauft, zudem auf der italienischen Insel Capri das Capri Palace Jumeirah und auf Mallorca das Jumeirah Port Soller.
Ketten greifen zu
Der Trend hat zwei Seiten: Während immer mehr von Ketten betriebene Luxushotels entstehen, verschwinden zunehmend von Familien geführte Einzelhäuser und kleinere Hotelverbünde. So übernahm erst im Frühling die teilweise zur Rewe-Tochter Dertour gehörende DSR-Gruppe die 13 exklusiven Hotels von „Travel&Charme“, welche zuvor die Münchner Modehändler Hirmer betrieben hatte. Immer wieder geben zudem einzelne, familiengeführte Hotels auf. Wie vor rund zwei Jahren das traditionsreiche Bonner Sternhotel, das von der Achat-Gruppe übernommen wurde.
„Wir können jedes Jahr scheitern“, schildert Caroline von Kretschmann den Existenzkampf vieler unabhängiger Hoteliers im Spitzensegment. Von Kretschmann leitet das Heidelberger Hotel „Europäischer Hof“, das nach ihren Angaben inzwischen das einzige Stadthotel im obersten Preissegment (Fünf Sterne Plus) in einer deutschen Großstadt ist, das noch von einer Familie geführt wird.
Auch wenn das widersinnig klinge, in der Hotellerie gelte: Je höherpreisig ein Haus, desto geringer die Marge. So schildert von Kretschmann im WirtschaftsWoche-Podcast „Chefgespräch“ die Ausgangslage, die aus ihrer Sicht eine scherzhafte Frage besonders gut auf den Punkt bringe: „Wie wird man Millionär? Man ist Milliardär und kauft sich ein 5-Sterne-Hotel.“
Hohe Investitionen unumgänglich
Vor allem die hohen Investitionskosten sind es, welche die Kalkulation für Familienbetriebe wie den der Kretschmanns so schwierig machen. In ihrem 113-Zimmer-Haus müsse sie pro Jahr „800.000 Euro bis eine Million Euro investieren, allein um den Status Quo zu erhalten“. Das lasse sich gerade noch so aus den Einnahmen bezahlen. Doch für jedes zusätzliche Projekt, wie zuletzt ein auf dem Dach installierter Spa-Bereich, sei ihr Unternehmen auf Fremdkapital angewiesen.
Insgesamt, so Kretschmann, ergeben sich so „Renditen zwischen -2 und +2 Prozent. In guten Jahren sind wir ab Oktober in der schwarzen Zone.“ Letztlich betrieben Unternehmen wie ihres „Gewinnminimierung durch Investitionsmaximierung“, so von Kretschmann, die offen einräumt: „Die Umnutzung in ein Mietshaus oder in Gewerbeeinheiten wäre viel profitabler.“
Nur mit einer Übernahme durch eine der großen Luxusketten sei in ihrem Falle wohl eher nicht zu rechnen, erläutert von Kretschmann: „Wir sind am falschen Platz.“ Luxusketten nämlich würden an ihre Standorte fünf Kriterien anlegen: Eine Stadt müsse mindestens 300.000 Einwohner haben, einen internationalen Flughafen, ein Messezentrum, Niederlassungen von Luxusmarken und relevante Kultureinrichtungen.
Heidelberg erfülle nur das letzte Kriterium vollständig. Weitermachen will sie, wie so viele Familienunternehmer, trotzdem.
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