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SozialbeiträgeDie Zukunft kommt immer so plötzlich

Die Sozialbeiträge steigen fast ungebremst. Dahinter steckt das Älterwerden der Boomer-Generation, vor allem aber ein Desinteresse der Regierung, auf die Kosten zu achten. Ein Kommentar.KOMMENTAR von Cordula Tutt 28.06.2024 - 08:49 Uhr
Foto: imago images

Mit großen Umbrüchen wie beim Klima und dem Älterwerden ist es ähnlich. Seit einer Generation sind die Prognosen verlässlich und Auswege skizziert. Doch Regierungen haben sich gedrückt und aufstauende Kosten verschleiert. Und dann kommt die Zukunft doch immer so plötzlich.

Nun sind wir in der Klimakrise und in der demografischen Krise. Das Älterwerden der größten Generation in Deutschland müsste nicht so krisenhaft sein, wie sich das bei den Sozialabgaben abzeichnet. Die steigen in den vier Zweigen fast ungebremst: 2024 beträgt der Satz für die gesetzliche Rente 18,6 Prozent, für die Krankenkasse im Schnitt 16,3 Prozent, für die Pflege 3,4 bzw. 4 Prozent (für Kinderlose) und 2,6 Prozent gegen Arbeitslosigkeit. Das sind zusammen rund 41 Prozent vom Bruttolohn. Überall sind deutliche Steigerungen absehbar, bei Gesundheit und Pflege schon 2025.

Gäbe es nicht so viele andere Krisen, bekäme das Thema mehr Aufmerksamkeit. Die Regierung dürfte froh sein, dass nur ein paar Arbeitgeberinnen und Gewerkschafter klagen, dass das Ziel von maximal 40 Prozent der Lohnnebenkosten längst gerissen wird. Irgendwann verteuern diese Arbeit zu stark für Unternehmen und machen Schwarzarbeit für einzelne attraktiver.

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Die Boomer-Generation kommt ins Rentenalter und hat im Schnitt stetigen Wohlstand und Gesundheit gewonnen. Wer drei Jahre länger lebt, könnte ein Jahr länger arbeiten vor der Rente. Stattdessen gab es die Rente mit 63.

Wenn die Menschen älter werden, muss das Gesundheitssystem die richtigen Anreize setzen. Damit dort Versorgung stattfindet, wo sie gebraucht wird und nicht dort, wo sie lukrativ und einfach ist. Das deutsche System ist teuer, aber von den Ergebnissen oft schlechter als in Nachbarländern.

Bei der Pflege steigen die Kosten für die Versicherung und auch für die gut fünf Millionen Hilfebedürftigen im Vergleich am stärksten. Jede und jeder dritte im Pflegeheim ist inzwischen auch auf Sozialhilfe angewiesen. Das liegt zum Beispiel daran, dass hier kaum Substanzielles gemacht wurde. Außerdem kommt der Staat seiner Pflicht nicht nach, in die Infrastruktur zu investieren. Also wälzen Heimbetreiber diese Kosten mit 400 bis 500 Euro extra im Monat auf die Betroffenen über.

Das Problem baut sich grade erst auf. Höchste Zeit, dass die Regierung unangenehme, aber keinesfalls unmenschliche Reformen angeht. Sonst geht der Wohlstand für die Jungen flöten.

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