Eisbaden: „Entscheidungen fallen nach dem Eisbad einfacher“
Prinz William macht es, Komödiant Wigald Andreas Boning auch – und tausende Menschen in den sozialen Netzwerken ebenfalls. Sie tauchen ihren Körper in Eiswasser. Es soll die Laune steigern und die Konzentration fördern. Allerdings birgt es auch Risiken. Kardiologe Dirk Westermann erklärt, worauf man achten sollte und was das Bad im kalten Wasser wirklich bringt.
WirtschaftsWoche: In den sozialen Netzwerken kommt in der kalten Jahreszeit immer wieder der Trend vom Eisbaden auf. Mittlerweile geht es so weit, dass es nicht nur im Winter ein Thema ist, sondern auch im Sommer viele Menschen in die Eistonne steigen. Gehören Sie auch dazu?
Dirk Westermann: Nein, im Sommer freue ich mich über die Wärme und die Sonne hier in Freiburg.
Und im Winter?
Im Winter gehe ich häufiger Eisbaden. Ich mache es hauptsächlich, weil es gesundheitsfördernd sein kann, wenn man es richtig macht.
Worauf muss man denn achten?
Wichtig ist es zum einen, dass man es nicht allein macht – vor allem, wenn man es zum ersten Mal macht. Denn ein Eisbad hat einen erheblichen Einfluss auf das kardiovaskuläre System. Wenn man ins kalte Wasser springt, dann fängt das Herz viel schneller an zu schlagen, die Gefäße ziehen sich zusammen. Das kann den Blutdruck erhöhen und Adrenalin im Körper ausschütten.
Was sollte außerdem beachtet werden?
Wichtig ist es, zunächst nur kurz ins Eiswasser zu gehen. Nach und nach kann man es sich antrainieren, länger im Wasser zu bleiben. Nach dem Rauskommen ist es zudem wichtig, sich schnell abzutrocknen, sich in die Wärme zu setzen und sich zu erholen.
Wie sieht die Studienlage aus? Was bewirkt ein Eisbad?
Es gibt einige Untersuchungen. So gab es auch Versuche mit Vergleichsgruppen. Eine Gruppe ist dann Eisbaden gegangen – und die andere eben nicht. Und tatsächlich hatte die Gruppe, die ins Eiswasser gegangen ist, weniger Erkältungskrankheiten. Allerdings ist noch nicht erforscht, wieso es so ist.
Wem raten Sie davon ab?
Da das kardiovaskuläre System stark beansprucht wird, sollten ältere Menschen und Menschen mit Herzerkrankungen vorher einmal mit ihrem Arzt Rücksprache halten.
Welche Risiken birgt Eisbaden?
Gefährlich wird das Ganze, wenn man es ganz allein macht. Dann kann bei Problemen niemand helfen. Da gilt vor allem: Gemeinsam frieren es sich besser. Wichtig ist auch, dass das Ganze lebensgefährlich sein kann, wenn ein See zugefroren ist und darunter gegebenenfalls sogar Strömung ist.
Was sollte man auf keinen Fall machen?
Auf keinen Fall sollte man Eisbaden, wenn man eine kardiovaskuläre Vorerkrankung hat und das nicht vorher mit dem Arzt besprochen hat. Zudem warne ich dringend davor, unter Drogeneinfluss – und dazu zählt sicherlich auch Alkoholkonsum – Eisbaden zu gehen. Das ist für den Kreislauf eine Überforderung und verleitet auch zu Leichtsinn. Es soll uns ja allen danach besser gehen.
Viele sehen Eisbaden auch als eine Art Biohacking – also als einen Eingriff, der die Gesundheit, Leistungsfähigkeit oder das Wohlbefinden optimiert. Eisbäder sollen dafür sorgen, dass man resilienter, konzentrierter und belastbarer sei. Wie beurteilen Sie das aus medizinischer Sicht?
Da dabei auch Endorphine ausgeschüttet werden, steigt die Laune. Das Immunsystem kann gestärkt werden, und das ist doch eine tolle Sache.
Heißt das, Sie würden Führungskräften ein Eisbad vor der Arbeit empfehlen, um einen kühlen Kopf zu bewahren?
Eigentlich gar nicht vor der Arbeit, aber danach, weil man dann ausreichend Zeit für eine Ausruhephase hat. Die ist nämlich sehr entscheidend, damit das Bad auch einen Effekt hat. So hilft es, entspannter zu werden, und die Entscheidungen am nächsten Tag fallen einfacher und mit stärkerem Kopf.