Geldanlage: So werden Anleger selbstbewusster an der Börse
Ein paar Klicks und alles ist erledigt. Mit Online-Brokern können Anleger heute in Sekundenschnelle Aktien kaufen und verkaufen. Das erleichtert Börsenneulingen zwar den Einstieg. Doch die Hürde ist für viele noch immer zu hoch. Denn viele Menschen hierzulande investieren Geld schon deshalb nicht, weil sie sich nach eigener Einschätzung nicht genug auskennen.
Laut einer Umfrage von J.P. Morgan begründet jeder vierte Deutsche, der nicht in Aktien oder Fonds investiert, sein Fernhalten vom Kapitalmarkt mit fehlendem Verständnis für die Geldanlage. Rund 24 Prozent geben an, Angst vor Kursschwankungen und damit verbundenen möglichen Verlusten zu haben.
Dabei muss man weder besonders wagemutig sein noch über besonderes Geheimwissen verfügen, um am Kapitalmarkt ein wenig mitzuverdienen. Wer sich selbstbewusst und mit überschaubarem Risiko an der Börse positionieren möchte, sollte ein paar Dinge beachten – und wissen, welche Anlagestrategie immer funktioniert.
Solides Grundwissen für Geldanlage
Am Anfang jeder Geldanlage sollte immer ein solides Finanzwissen stehen. Denn Ahnungslosigkeit führt zu Stress. Und zu schlechten Entscheidungen. „Je mehr Wissen ich habe, desto selbstsicherer werde ich auch“, ist Margarethe Honisch überzeugt. Sie ist Gründerin der Finanzplattform Fortunalista und motiviert vor allem Frauen, sich mit Finanzplanung zu beschäftigen. Um selbstbewusst und sicher an der Börse zu investieren, rät sie Anlegern, sich ein gutes Grundwissen über die Finanzwelt anzueignen. Dafür eigenen sich Bücher, Podcasts oder auch Videos rund um die Finanzwelt. Allerdings sollte man dabei nicht zu tief und zu lange nur in die Bücher schauen. Die Gründerin empfiehlt, bloß nicht der Theorie zu verharren, sondern irgendwann auch zur Umsetzung zu kommen. „Viele haben Angst davor und fühlen sich oft gelähmt.“, stellt sie fest.
Auch Andreas Limoser vom Finanzdienstleister VZ Vermögenszentrum findet praktische Erfahrung an der Börse wichtig für die eigene Entwicklung. Doch auch er schränkt ein: „Anlageerfahrung ist wichtig, aber ein solides Grundwissen ist unverzichtbar. Um sich am Anfang nicht zu überschätzen, ist es besser, einen kleinen Betrag zu investieren und zunächst den Markt und sich selbst zu beobachten.“ Bei einigen Online-Brokern kann man bereits ab 25 Euro einen Sparplan einrichten.
Risikomanagement
Um seine Investitionen sicher zu positionieren, sollten Anleger wissen, welcher Risikotyp sie sind. Für Margarethe Honisch von Fortunalista ist wichtig: Das Risikoprofil von anderen Lebensbereichen wie Freizeit oder Sport sollte nicht auf das finanzielle Risiko schließen. Es wäre ein Irrglaube zu denken, nur weil jemand gerne Extremsport macht, sei er auch bereit, finanzielle Risiken einzugehen.
Die finanzielle Lage spielt beim Risikoprofil eine wichtige Rolle, etwa wie viel Einkommen man hat und welche Rücklagen es gibt. Aber auch der Anlagehorizont ist entscheidend. Je länger jemand im Markt investiert ist, desto mehr Risiko kann er eingehen. Honisch sagt: „Mit mehr Wissen und mehr Erfahrung kommt auch mehr Risikobereitschaft.“ Dabei ist auch die mentale Risikowahrnehmung nicht zu unterschätzen. Anleger müssen wissen, wie viel Verlust am Aktienmarkt sie im schlimmsten Fall verkraften können.
Um nicht zu viel zu riskieren, rät Andreas Limoser Börsenneulingen zu einer altbekannten Methode: Nicht alles auf eine Karte setzen. Diversifikation ist eines der wichtigsten Mittel, um unnötige Risiken zu vermeiden. Wer sein Geld auf verschiedene Anlageklassen verteilt, wird von kurzfristigen Kurseinbrüchen weniger hart getroffen.
Für eine risikoärmere, langfristige Geldanlage eignen sich zum Beispiel ETFs. Hier sind viele verschiedene Aktien in einem Produkt zusammengefasst. „So spare ich mir die komplexe und aufwändige Recherche nach Einzelaktien“, erklärt Honisch. Den Markt schlagen könne man damit zwar nicht, aber je nach ETF können Anleger langfristig immerhin eine Rendite zwischen sechs und sogar neun Prozent pro Jahr erzielen.
Emotionale Disziplin
Doch wie kann man als Anleger in turbulenten Zeiten Panikverkäufe vermeiden? „Im Idealfall sind mein gesammeltes Wissen und mein Risikoprofil, nach dem ich handle, gute Voraussetzungen, um nicht zu nervös zu werden“, sagt Honsich. Anleger sollten auch nicht ständig auf ihr Depot schauen, gerade dann nicht, wenn sie einen langfristigen Plan verfolgen. Wer aber merkt, dass er schlaflose Nächte hat, sollte vielleicht seine Anlagestrategie überdenken.
Der Vermögensberater Andreas Limoser hat dafür einen Tipp: „Nicht den Trends hinterherlaufen“. Denn wie in der Modewelt kommen und gehen sie oft schnell. Steigen Anleger zu spät in Trendaktien ein, haben andere bereits die gleiche Idee gehabt. Das kann teuer werden.
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