Geringere E-Auto-Nachfrage: ZF verhandelt mit Autobauern über Kompensationszahlungen
ZF-Vorstandschef Holger Klein im Interview.
Foto: WirtschaftsWocheHolger Klein, Chef des Autozulieferers ZF, sieht trotz der heraufziehenden Krise in der Autoindustrie keine Notwendigkeit, die laufenden Sparbemühungen des Konzerns zu verschärfen. „Wir arbeiten bereits intensiv an unserer Wettbewerbsfähigkeit, aktuell müssen wir das Sparprogramm daher nicht nachschärfen“, sagte er im Interview mit der WirtschaftsWoche. Es sehe auch derzeit nicht danach aus, dass bei ZF – so wie zuletzt bei Volkswagen – Beschäftigungsgarantien gekündigt werden müssten. Allerdings sei dies unausweichlich, sollten „einem Unternehmensteil wesentliche Umsatzanteile wegbrechen“.
Weil die Autohersteller aktuell weniger Teile für Elektroautos abrufen, als sie ursprünglich bestellt hatten, verlangen Zulieferer Kompensationszahlungen. Klein bestätigte, dass auch ZF mit Autoherstellern Verhandlungen über Kompensationen führe: „Die Gespräche laufen. Wir streiten nicht, sondern schauen uns gemeinsam mit den Kunden sehr faktenbezogen an, was ursprünglich vereinbart wurde und wie wir die Lasten nun gerecht verteilen können“. Solche Verhandlungen wegen unerwarteter Nachfrageschwankungen habe es auch früher schon gegeben, sagte Klein, dieses Mal sei Situation aber außergewöhnlich: „Die Tragweite ist eklatant. Vom Umfang her hat das teilweise eine neue Qualität.“
Trotz sinkender E-Auto-Verkäufe in einigen Weltregionen betonte Klein: „Die Zukunft wird elektrisch sein, daran habe ich persönlich keinen Zweifel. Zwar kommt die E-Mobilität etwas später, aber sie kommt.“ Er sehe aktuell auch noch kein Verbrenner-Revival: „Die verunsicherten Verbraucher halten sich insgesamt mit Neuwagenkäufen zurück. Eine Rückkehr zum Verbrenner wäre auch ein Irrweg, denn der Klimawandel geht nicht an uns vorbei.“ Klein forderte allerdings von der EU „etwas mehr Technologieoffenheit“: „Es ist nicht nachvollziehbar, warum wir nicht auch nach 2035 etwa teilelektrische Antriebe wie Plug-in-Hybride nutzen sollten, um die Klimaschutzziele zu erreichen“. Abweichend vom europäischen Automobilherstellerverband ACEA fordert Klein keine Rücknahme der CO2-Vorgaben für 2025: „Wir schauen eher auf die Ziele für 2035, wenn wir unsere Produktstrategien heute ausrichten.“
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